Gastkommentar: Deutschland kann global nur mehr gestalten, wenn wir führende Wirtschaftsnation bleiben
Hildegard Müller ist Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie.
Foto: dpa2022 war kein einfaches Jahr – Krieg, Krisen und Konflikte haben uns betroffen und besorgt zurückgelassen. Frieden, Freiheit und Wohlstand stehen vor neuen Herausforderungen.
Verbraucherinnen und Verbraucher und auch der Mittelstand sind vielfach an den Grenzen der Belastbarkeit angelangt. Die Industrie ächzt inmitten der Transformation zur Klimaneutralität unter den zunehmenden Belastungen und Auflagen.
Die geopolitischen Entwicklungen haben uns eindrucksvoll vor Augen geführt, dass unser bisheriges Wirtschaftsmodell kein automatischer Wohlstandsgarant mehr ist. Und: Die – ehrlicherweise schon lang bekannten – Schwächen des Standorts Europa wurden schonungslos offengelegt.
Während ein internationaler, knallharter Standortwettbewerb begonnen hat, ist Deutschland nun – neben andauerndem Krisenmanagement – damit konfrontiert, dass Wirtschafts- und Geopolitik fortan noch stärker strategisch zusammengedacht und entwickelt werden müssen.
Der hohe Industrieanteil in Deutschland ist eine große Chance
Diese neue Realität spiegelt sich in den strategischen Entscheidungen aus Berlin noch nicht ausreichend wider. Für den stets betonten Anspruch, global mehr gestalten und Verantwortung übernehmen zu wollen, fehlt (noch immer) eine zwingend notwendige Erkenntnis: Wenn Deutschland mehr Verantwortung übernehmen und Werte sowie Überzeugungen in Sachen Klimaschutz international langfristig verankern will, dann funktioniert das nur als wichtige, weltweit führende Wirtschaftsnation.