Gastkommentar: Die EU braucht einen Masterplan für ihre Industriepolitik
Markus Ferber ist wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament.
Foto: Privat, Handelsblatt, MDie Europäische Kommission hat kürzlich einen viel beachteten Vorschlag zur Stärkung der europäischen Chip-Industrie vorgelegt. Auch wenn der Chips Act an vielen Stellen hinter den eigentlichen Erfordernissen zurückbleibt, ist er doch bemerkenswert – und zwar als seltenes Beispiel für aktive europäische Industriepolitik. Zumindest mit Blick auf die Halbleiter-Branche hat die Europäische Union offenkundige Defizite identifiziert und versucht, diese auszuräumen.
Man kann zwar die Frage aufwerfen, inwiefern die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Summe von 43 Milliarden Euro tatsächlich dazu beiträgt, die Lücke gegenüber der asiatischen und US-amerikanischen Konkurrenz zu schließen. Immerhin investieren die dortigen führenden Unternehmen im kapitalintensiven Chip-Sektor so viel in einem Jahr wie Europa bis zum Ende der Dekade zusammenbringen will. Dennoch ist der Chips Act eine erfreuliche Kehrtwende in der europäischen Industriepolitik, die bisher selten über Strategiepapiere hinausgekommen ist.
Die Kommission sollte ihren neuen industriepolitischen Mut beibehalten, denn auch in anderen Branchen gibt es vergleichbaren Handlungsbedarf. In vielen Sektoren, insbesondere dem Infrastrukturbereich, hinken europäische Unternehmen ihren internationalen Wettbewerbern hinterher.