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Gastkommentar Fehler im System: So lässt die Energiewende sich nicht umsetzen

Die Energiewende wird ohne große Speicher nicht gelingen. Der aktuelle Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verhindert aber gerade deren Ausbau.
22.10.2020 - 03:02 Uhr 1 Kommentar
Frank Thelen ist deutscher Unternehmer und Autor.
Frank Thelen

Frank Thelen ist deutscher Unternehmer und Autor.

Einer der wichtigsten Bausteine der Energiewende sind kostengünstige und langlebige Energiespeicher. Sowohl für den Umstieg auf erneuerbare Energien als auch zur Dekarbonisierung der Industrie braucht es Speicherlösungen, die überschüssige Energie oder Abwärme zwischenspeichern und bei Bedarf zur Verfügung stellen. Durch die Doppelbelastung bei der Integration von Speichern ins Energiesystem sind diese aber aktuell nicht wirtschaftlich umsetzbar.

Diese Doppelbelastung sollte laut den Erneuerbare-Energien-Richtlinien der EU wegfallen, was im EEG-Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums jedoch nicht umgesetzt wurde. Dies hat katastrophale Auswirkungen für aktuelle Investment-Entscheidungen.

Nicht nur in der Politik fehlt es an der Bereitschaft, das Thema Energiewende mutig und konsequent voranzutreiben. Auch bei deutschen Investoren und in der Wirtschaft vermisse ich ernsthafte Bereitschaft zu Investitionen in disruptive Technologien. Konsequente und mutige Investition in diese Technologien sind unsere einzige Chance, den Planeten zu retten. Auch aus wirtschaftlicher Sicht werden die Folgekosten durch weiteres Vertagen deutlich höher.

Ich erlebe die Mutlosigkeit durch unser Portfolio-Unternehmen Kraftblock. Das Start-up hat einen auf Nanotechnologie basierenden Hochtemperaturspeicher entwickelt, der sich sowohl zur Dekarbonisierung der Industrie als auch zur Speicherung erneuerbarer Energien einsetzen lässt.

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    Durch ein speziell entwickeltes Granulat können Temperaturen von bis zu 1.300 Grad gespeichert werden, was eine deutlich höhere Effizienz als bei Salz- oder Betonspeichern ermöglicht, die meist nur auf 600 Grad kommen.

    Deutliche Impulse fehlen

    Neben Kraftblock gibt es noch viele weitere, neuartige Speicherlösungen. Sogenannte Gravitationsenergiespeicher machen sich die Kinetik zunutze, um überschüssige Wind- und Solarenergie physisch als potenzielle Energie zu speichern. Pumpspeicherkraftwerke pumpen bei Überversorgung Wasser in einen auf einem Berg liegenden Stausee. Wird Energie benötigt, öffnen sich die Fluttore und das Wasser strömt den Berg hinunter und setzt dabei Turbinen in Bewegung, die dann als Stromquelle dienen.

    Das Start-up Energy Vault nutzt ebenfalls kinetische Energie, indem es mithilfe von überschüssiger Energie Betonblöcke aufeinanderstapelt und diese bei Energiebedarf mithilfe von Kränen wieder herablässt. Auch dies ist eine effiziente und sinnvolle Lösung, die, anders als Pumpspeicheranlagen, nicht auf einen Berg angewiesen ist.

    Eine dritte Möglichkeit, Energie zwischenzuspeichern, wird aktuell vor allem in der Autoindustrie viel diskutiert – die Rede ist von Wasserstoff. Meiner Einschätzung nach kann Wasserstoff in einigen Anwendungsfällen zwar sinnvoll sein, ein großes Problem wird aber immer die niedrige Gesamteffizienz sein. Dennoch sollten wir bei der Größe und Dringlichkeit des Problems jede Lösung in Betracht ziehen.

    Was zur Umsetzung fehlt, sind deutliche Impulse. Ich habe unzählige Gespräche mit der Industrie geführt. Das Ergebnis: Der Wunsch nach Dekarbonisierung und der Energiewende ist da, doch es fehlt die Investitionsbereitschaft, und die aktuelle Regulierung zwingt die Unternehmen, nicht nachhaltige Entscheidungen zu treffen. So wird zum Beispiel auch nach dem neuen EEG, entgegen den EU-Richtlinien, die Eigenversorgung enorm eingeschränkt.

    Es braucht einen Gesetzesentwurf

    Wer überschüssige Energie zunächst ein- und später wieder ausspeichert, zahlt doppelt. Solange diese Doppelbelastung nicht aufgehoben wird, lässt sich die Energiewende schlichtweg nicht umsetzen.

    Wir haben das große Glück, Kraftblock mit internationalen Investoren voranzubringen und können uns in Deutschland zunächst auf die Dekarbonisierung konzentrieren. Aber es frustriert und ärgert mich: Eigentlich wissen alle, wie die Regulierungen angepasst werden müssen, aber Lobbyisten oder Sturheit verhindern die dringend notwendige Reform.

    Es steht außer Frage, dass wir Speicherlösungen brauchen, wenn wir die Energiewende schaffen wollen. Daher wird es höchste Zeit, auf die jeweiligen Speicherlösungen zugeschnittene Gesetze zu entwerfen, die eine wirtschaftliche Nutzung möglich machen und einen Anreiz schaffen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Genauso wie wir vor 20 Jahren mit dem EEG die Einführung erneuerbarer Energien ermöglicht haben, braucht es in meinen Augen einen Gesetzesentwurf, der die Einführung von Energiespeichern ermöglicht. Die EU-Richtlinien geben hier die richtige Richtung vor. Es ist mir ein Rätsel, warum die deutsche Regierung sich nicht daran orientiert.

    Mehr: Schulze will höheren Anteil von Ökostrom am Energiemix

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Fehler im System: So lässt die Energiewende sich nicht umsetzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Frank Thelen:
      guter Kommentar und gute Eigenwerbung

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