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Gastkommentar – Global ChallengesSuche nach Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg: Wie viel Power hat Soft Power?

Die intelligente Kombination von weichen und harten Sanktionen könnte Putins Regime in die Knie zwingen, analysiert Jörg Rocholl. 10.03.2022 - 09:44 Uhr Artikel anhören

Jörg Rocholl ist Präsident der European School of Management and Technology Berlin und stellvertretender Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Die Sanktionen gegen Russland sind der Härtetest für geopolitische Krisenbewältigung im 21. Jahrhundert: Kann Soft Power in Form von Sanktionen ein hinreichend mächtiges Instrument sein, um Hard Power in Form militärischer Interventionen zumindest teilweise zu ersetzen und ergänzen? Ein Erfolg der Soft Power setzt voraus, dass Sanktionen klug und durchdacht eingesetzt werden.

Die Nato-Staaten haben unmissverständlich verdeutlicht, dass sie ein direktes militärisches Eingreifen in den Ukrainekrieg ausschließen. Daher richtet sich alle Aufmerksamkeit auf zwei Aspekte: erstens die vom Westen mit Waffenlieferungen unterstützte Hard Power der tapfer kämpfenden Ukraine und zweitens die Durchschlagskraft der Soft Power von weitreichenden Sanktionen gegen den russischen Kriegsverursacher. Noch nie ist ein Land dieser Größe mit derart umfangreichen Strafmaßnahmen belegt worden.

Die Schnelligkeit und Einigkeit des Westens haben viele Betrachter überrascht, nicht zuletzt die russische Regierung. Die Sanktionen wirken umfassend: Der russische Aktienmarkt ist eingebrochen, die Aktien werden – wenn überhaupt – nur noch sporadisch gehandelt. Russische Staatsanleihen haben Ramschstatus erreicht, der Rubel fällt ins Bodenlose. Die russische Zentralbank kann sich angesichts ihres durch die Sanktionen eingeschränkten Zugriffs auf die eigenen Devisenreserven nicht anders helfen, als den Leitzins auf 20 Prozent mehr als zu verdoppeln.

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