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Gastkommentar Jetzt braucht es Investitionen in Europas Zukunft

Eine souveräne und solidarische EU braucht eine überzeugende Industriestrategie und Zukunftsinvestitionen. Das muss die deutsche EU-Ratspräsidentschaft leisten.
  • Oliver Hermes
01.07.2020 - 11:53 Uhr 1 Kommentar
Jetzt geht es darum, ein souveränes und solidarisches Europa aufzubauen. Zentral dafür ist eine gute europäische Industriestrategie.
Oliver Hermes ist Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo-Gruppe, sowie Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft.

Jetzt geht es darum, ein souveränes und solidarisches Europa aufzubauen. Zentral dafür ist eine gute europäische Industriestrategie.

Unser Kontinent steht aufgrund der Coronakrise inmitten einer Bewährungsprobe historischen Ausmaßes. Die europäische Solidarität in Gesundheits- und in Wirtschaftsfragen wird in der Pandemie einem Lackmustest unterzogen.

Jetzt geht es darum, ein souveränes und solidarisches Europa zu bauen, das in Sicherheitsfragen zukünftig mehr ist als ein Juniorpartner der USA und in Wirtschaftsfragen mehr als ein Juniorpartner Chinas.

Zentral dafür ist eine europäische Industriestrategie, die diesen Namen verdient. Mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft hat Deutschland jetzt die Chance, aber auch die Verantwortung, eine tragende Rolle zu spielen.

Die Regierungschefs der EU-Staaten haben in ihren bisherigen Videokonferenzen zur Bewältigung der Coronakrise zunächst das „Notwendige“ entschieden. Die beschlossenen Maßnahmen werden auch den europäischen Industrieunternehmen mit ihren etwa 30 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Rückgrat der europäischen Wirtschaft zugutekommen.

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    Aber die Maßnahmen reichen nicht aus. Sie sind genauso wie der Merkel-Macron-Fonds in Höhe von 500 Milliarden Euro und erst recht genauso wie der nicht bezifferte Nothilfefonds der selbst ernannten „sparsamen“ vier Mitgliedstaaten Österreich, Schweden, Dänemark und Niederlande lediglich ein Minimalschritt. Sie geben nur eine Antwort auf das Offensichtliche, nämlich die akute und kurzfristige Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Krise.

    Es ist aber genau jetzt die richtige Zeit, über das Notwendige hinauszudenken und den Kontinent in ein neues Zeitalter zu führen. Das Vertrauen in die europäischen Märkte darf nicht verloren gehen. Ein reiner „Wiederaufbaufonds“, der sich auf die Stützung der Volkswirtschaften in ihrem gegenwärtigen Zustand beschränkt, wäre dafür zu kurz gegriffen. Benötigt wird ein „European Go-Ahead Fund“.

    Das von der EU-Kommissionschefin präsentierte Programm „Next Generation EU“ weist darauf hin, dass Krisenhilfen dazu beitragen müssen, die EU klimaneutral, digital und sozial sowie zu einem starken globalen Spieler der Zukunft zu machen.

    Im Rahmen dieses Programms sind die Ziele theoretisch richtig und zukunftsorientierter gesetzt. Was aber immer noch fehlt, ist eine klare strategische Ausrichtung der EU zur Erreichung dieser Ziele.

    Die Wertschöpfungskette Europas zu stabilisieren, sodass nicht einzelne Mitgliedstaaten entweder als Kunde oder als Lieferant ausfallen, ist richtig. Notwendig aber ist darüber hinaus, jetzt Europas Nachholbedarf bei Forschung, Entwicklung und Bildung zu kompensieren und zudem gezielt die digitale Transformation und den Klimawandel als die absoluten Zukunftsprioritäten in den Fokus zu stellen.

    Vorteil: China und USA

    Es geht darum, mit einem regelrechten Turbo die Digitalisierung der Vertriebs- und Marketingprozesse inklusive der Distributionsprozesse zukunftsorientiert zu betreiben. In diesem Punkt haben uns bisher die USA und die Asiaten etwas voraus: Sie betrachten die digitale Transformation vom Kunden ausgehend.

    In Europa wird sie unter dem Label „Industrie 4.0“ oder „Industrie du Futur“ häufig von Beschaffungs- und Produktionsprozessen ausgehend gedacht. Es gilt, durch Digitalisierung die Kundenbindung und Loyalität europäischer Industriekunden zu erhöhen.

    Hier hat die EU mit dem Green Deal einen richtigen Akzent gesetzt. Ein zukunftsorientierter Fonds sollte diese klimaschutzorientierten Unternehmen nicht nur retten, sondern ihnen auch die Möglichkeit geben, sich noch besser auf den globalen Märkten zu positionieren.

    Die Produkte, Systeme und Lösungen, die das Klima schützen, sind oft diejenigen mit der höchsten digitalen Intelligenz. Ziel eines europäischen Zukunftsfonds sollte daher sein, die Komponenten „Klimaschutz“ und „digitale Transformation“ zu vereinen und aufeinander abzustimmen.

    Die EU verdient ihren Namen nicht, wenn sie Krisen mit primär nationalem Fokus bewältigt und die Mitgliedstaaten nicht solidarisch füreinander einstehen. Die gemeinsame Zukunft Europas muss auch gemeinsam finanziert werden.

    Die richtige Anleihestrategie finden

    Dabei müssen die Investoren im Rahmen der Ausgabe von Anleihen davon überzeugt werden, dass die Strategie der EU richtig und zukunftsorientiert ist, sie Wachstum generiert und final in einer Reduktion der Verschuldung der Mitgliedstaaten mündet. Über den Tellerrand schauend ist es daher wichtig, strategische Ziele als Bedingungen für die Bonds zu setzen.

    Diese müssen garantieren, dass die Zukunft unseres Kontinents finanziert wird. Dann könnte auch ein potenziell risikoinduzierter Zinsanstieg im Zaum gehalten werden. Wir brauchen jetzt „European Go-Ahead Bonds“ zur Finanzierung klar fokussierter Zukunftsthemen.

    Mehr: Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Sieben Gründe für Zuversicht

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Jetzt braucht es Investitionen in Europas Zukunft"

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    • Eine vernünftige Industriestrategie besitzt weder Deutschland noch die EU. Die Industrie wird als Melkkuh betrachtet, ihre Repräsentanten werden gegängelt und ihre politischen Rahmenbedingungen sind durch grüne und linke Politikinhalte sowie durch die Forderungen der deutschen Empörungsgesellschaft immer schwieriger geworden. Nachdem die deutschen Exportländer entweder von der amerikanischen Kriegsmaschinerie verheert oder zu Tode sanktioniert werden, schrumpft der Exportmarkt gewaltig. Aus dieser Sackgasse wird gerade die deutsche Ratspräsidentschaft nicht herausführen können, denn deutsche Politik hat die Problematik maßgeblich selbst begründet.

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