Gastkommentar: Olaf Scholz schwankt in seiner Rolle zwischen Schattenkanzler und Abkanzler
Stephan-Götz Richter ist Chefredakteur und Herausgeber von „The Globalist“ und Direktor des Global Ideas Center in Berlin.
Foto: The Globalist, MontageSpätestens seit dem Tag, an dem er die Bundestagswahl gewann, wirkt Olaf Scholz so, als hinge ein unsichtbares Damoklesschwert über ihm. Er agiert noch hölzerner und verhaltener als sonst.
Seine Zaghaftigkeit, gerade in Sachen Ukraine, stößt auch international auf wenig Verständnis. Binnen weniger Wochen ist nicht nur der gesamte Nimbus seiner Fortschrittskoalition verflogen. Auch das internationale Ansehen der Bundesrepublik Deutschland ist ramponiert.
So droht unter Scholz aus dem langjährigen Deutschland-Bonus ein Deutschland-Malus zu werden. Der Eindruck von einem Land, das strategisch schwere Fehler begangen hat, sich wie zur Kompensation mit Versprechungen überlädt und dann nicht liefert, setzt sich weit über das Thema Ukraine hinaus fest.
All das sind Entwicklungen, die noch vor Kurzem niemand mit Olaf Scholz verbunden hätte. Sein Name stand für Effizienz. Jetzt wird gefragt, ob Scholz überhaupt das Leadership-Gen aufweist. Oder ob er von seinem inneren Anspruch her zwar sehr machtbewusst ist, diesen aber ob seines Naturells nicht umsetzen kann.