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GastkommentarSo lässt sich privates Geld für öffentliche Ziele mobilisieren

Die Lockerung der Schuldenbremse zieht viele Investoren an. Um sie klug einzubinden, sind staatliche Kreditversicherungen der beste Hebel, meint Ex-Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner. 06.07.2025 - 14:44 Uhr Artikel anhören
Der Autor: Paul Achleitner ist ehemaliger Allianz Finanzvorstand sowie Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Derzeit berät er unter anderem den Kreditverwalter HPS, der zu Blackrock gehört. Foto: PRIVAT, IMAGO/Countrypixel

Der Bundestagsbeschluss zur Lockerung der Schuldenbremse für Investitionen in Verteidigung und Infra­struktur hat erhebliches Interesse bei internationalen Investoren ausgelöst. Institu­tionelle Anleger, Staatsfonds und Family Offices aus den USA, der Golfregion und Europa wollen von dem erwarteten Investitionsboom profitieren und suchen gezielt nach Beteiligungsmöglichkeiten hierzulande.

Für Deutschland ist das eine historische Chance – und zugleich eine Notwendigkeit, denn selbst die gewaltigen geplanten Haushaltsmittel werden kaum ausreichen, um die ambitionierten öffentlichen Ziele zu finanzieren.

So verlockend Public Private Partnerships (PPP) auf dem Papier erscheinen, sind sie in der Praxis oft mit hohen Reibungsverlusten verbunden. Denn staatliche Institutionen und private Investoren fol­gen unterschiedlichen Logiken: Gemeinwohlorientierung versus Renditeziel.

Interessenskonflikte in diesem Spannungsfeld lassen sich nur vermeiden durch eine rigorose Auswahl geeigneter Projekte und eine klare, den jeweiligen Stärken entsprechende Arbeitsteilung zwischen Staat und Privatwirtschaft. Während die konkrete Projektauswahl im Einzelfall zu treffen sein wird, sollte die Ar­beitsteilung institutionell angelegt sein.

Vorbild sind die Hermesdeckungen für Exporteure

Eine vielversprechende Lösung dafür stellen staatliche Kre­ditversicherungen dar. Das Prinzip hat sich an anderer Stelle bereits bewährt. So verfügt Deutschland mit den Hermesdeckungen bereits über ein leistungsfähi­ges System zur Absicherung von Exportgeschäften.

Die Kombination von risikoadjustierten Ver­sicherungsprämien und staatlicher Ausfallhaftung bei den Hermesbürgschaften eröffnet insbesondere mittelständischen Exporteuren Zugang zu günstigen Finanzierungen, ohne die viele Transaktionen schlicht unmöglich wären.

Die Vielzahl der versicherten Projekte erlaubt eine breite Risikostreuung, so dass die Schadensfälle in der Regel weniger als 1,5 Prozent der staatlichen Gewährleistungen ausmachen. Warum also nicht dieses Prinzip auch auf die jetzt dringend erforderlichen Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen übertra­gen?

Staatsverschuldung

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Ein entscheidender Vorteil der Kreditversicherung ist ihre Hebelwirkung: Während jeder Euro, den der Staat direkt in ein Projekt investiert, das verfügbare Budget um eben diesen Betrag reduziert, kann dieselbe Summe in einer Kreditver­sicherung – je nach Risikoprofil und Portfoliodiversifikation – konserva­tiv geschätzt die zehn- bis 25-fache Summe an Finanzierung absichern.

Die Versi­cherung übernimmt dabei gegen Prämie teilweise oder in Gänze das finale Ausfallrisiko. Dies wiederum verbilligt die privatwirtschaftliche Fremd­kapitalfinanzierung, da Banken und Versicherer weniger tatsächliches wie auch regulatorisches Risikokapital unterlegen müssen.

Chance für den Mittelstand

Gerade der Mittelstand würde von einer Kreditversicherung profitieren. Denn während große Rüstungsunternehmen neue Auf­träge in der Regel problemlos finanzieren können, fehlt es vielen mittelständischen Zulieferern an günstigem Zugang zu Fremdkapital – insbesondere für den kurzfristigen Aufbau von Produktionskapazitäten.

Bei Infrastrukturprojekten würden vor allem lokale Unternehmen und die Kommunen profitieren. Die verbes­serte Finanzierungslage würde zusätzlich private Eigenkapitalinvestoren anziehen – auch für Projekte, die bisher als finanziell grenzwertig galten.

Der Staat stützt also die Fremdfinanzierung, während private Investoren Eigenkapital einsetzen und ins unternehmerische Risiko gehen. So bringt jede Seite ihre Stärken ein – das ist gelebte öffentlich-private Partnerschaft.

Klar ist: Eine staatliche Kreditversicherung muss professionell gesteuert sein. Sorgfältige Ri­sikoprüfungen und -selektionen, Selbstbehalte, abgestufte Finanzierungstranchen und andere be­währte Versicherungsinstrumentarien müssen Missbrauch verhindern.

Politisch zu entscheiden ist, in wel­chem Umfang und über welche Zeitspanne hinweg eine derartige Institution staatlich zu kapitalisieren wäre oder ob sie – wie bei der Hermesdeckung – aus dem Bundeshaushalt finanziert wird.

Ob als eigenständige Institution oder eingebettet in bestehende Strukturen wie die KfW: Ent­scheidend ist auch, wie schnell ein solches Instrument jetzt kommt. Das Mo­mentum internationalen Investitionsinteresses ist gegeben. Wir dürfen es nicht verpassen.

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Genau jetzt ist die Zeit, eine skalierbare, effiziente und langfristige Lösung zu institutionali­sieren, die privates Kapital klug und verantwortungsvoll für unsere öffentlichen Ziele mobilisiert.

Der Autor: Paul Achleitner ist ehemaliger Allianz Finanzvorstand sowie Ex-Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. Derzeit berät er unter anderem den Kreditverwalter HPS, der zu Blackrock gehört.

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