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Gastkommentar Stephan Sturm: Was uns die Corona-Pandemie für die Zukunft lehrt

Die Versuchung liegt nahe, 2020 möglichst schnell abzuhaken. Das aber wäre eine vertane Chance, findet der Vorstandschef von Fresenius.
27.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmens Fresenius. Zu dem Dax-Konzern gehören unter anderem die Helios-Kliniken mit mehr als 100 Krankenhäusern. Quelle: Markus Hintzen für Handelsblatt
Stephan Sturm

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmens Fresenius. Zu dem Dax-Konzern gehören unter anderem die Helios-Kliniken mit mehr als 100 Krankenhäusern.

(Foto: Markus Hintzen für Handelsblatt)

Aufatmen allerorten. Noch in diesem Jahr könnten Impfungen gegen Covid-19 stattfinden. In der Pandemie, die für so viel Leid und Verwerfungen sorgt, scheint eine Wende nah. Das macht Hoffnung. Und die Versuchung liegt nahe, dieses Jahr 2020 möglichst schnell abzuhaken, hinter sich zu lassen.

Das aber wäre eine vertane Chance. Vielmehr müssen wir aus den letzten Monaten die richtigen Lehren für eine bessere Gesundheitsversorgung ziehen. Auch um für künftige Pandemien besser gewappnet zu sein.

Die wichtigste Lehre: Globale Herausforderungen vertragen sich nicht mit nationalen Egoismen. Wenn ein deutsches Ausfuhrverbot von Schutzkleidung unsere Arzneimittelproduktion im Nachbarland gefährdet, dann steht auch die Versorgung in Deutschland im Feuer.

Protektionismus führt angesichts internationaler Arbeitsteilung in die Sackgasse. Internationale Zusammenarbeit muss auch das Handeln in Krisen bestimmen. Ansätze dazu sind etwa die Vorschläge für eine EU-Gesundheitsunion. Grundsätzlich ist jede Initiative zu begrüßen, die auf eine bessere internationale Koordinierung abzielt.

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    Und dass die Menschen – auch grenzüberschreitend – solidarischer sind, als es die Politik vielleicht glaubt, zeigte sich im Frühjahr: Als uns aus Spanien täglich schlimmere Nachrichten über Infektions- und Todeszahlen erreichten, meldeten sich spontan mehr als 200 Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte aus unseren deutschen Helios-Kliniken, um ihren spanischen Kollegen zu helfen. Trotz der Gefahren für die eigene Gesundheit. Das erfüllt mich noch heute mit Stolz, Dankbarkeit und allergrößtem Respekt. Und wenn schon im Kleinen nicht jeder nur sich selbst der Nächste ist, sollte das auch die Politik leiten.

    Wenn wir es schaffen, dass wir künftig auch in Krisen keinen Krisenmodus brauchen, dann hätte Corona letztlich sogar etwas Gutes bewirkt.

    Die zweite Lehre: Der so oft gescholtene private Sektor des Gesundheitswesens wird seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht. Privatwirtschaftliches Engagement ist zur Bewältigung der Krise unverzichtbar! Wir helfen dabei, dass Gesundheitssysteme flexibel und widerstandsfähig sind, um auch unter erschwerten Bedingungen – wie eben durch Covid-19 – gut zu funktionieren.

    Das geht nur im engen Dialog mit Behörden, Regulierern und Gesetzgebern. Der Austausch zwischen Industrie und EU-Kommission hat bereits einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Krise geleistet und sollte auch in Zukunft Bestand haben.

    Wenn wir der Pandemie etwas Positives abgewinnen wollen, dann die Tatsache, dass sie Innovationen befördert hat. Auf verschiedenen Ebenen, allen voran bei der Digitalisierung – ob es nun Sprechstunden oder Behandlungen aus der Distanz betrifft, die Vernetzung von Gesundheitseinrichtungen oder die Auswertung von Gesundheitsdaten für Diagnosen und Therapien.

    Die dritte wichtige Lehre aus der Pandemie ist: Die Digitalisierung ist eine große Chance für die Medizin. Sie macht sie besser und fairer – weil zugänglicher. Wie viel besser hätten wir auf Corona reagieren können, wenn wir die Möglichkeiten der Digitalisierung schon besser ausschöpfen würden?

    Es gibt gute Gründe, warum wir mit Patientendaten ebenso sensibel umgehen wie mit den Patienten selbst. Aber Daten können Leben retten. Corona hat uns die Tür ein Stück weiter geöffnet. Und weitere Möglichkeiten aufgezeigt. Wir müssen die Tür nun aufstoßen. Und der Medizin damit zu dem Schub verhelfen, den andere Bereiche durch die Digitalisierung schon erfahren haben.

    Die vierte Lehre aus der Pandemie: Deutschlands Krankenhäuser sind leistungsfähig. Sie haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie kurzfristig zusätzliche Kapazitäten schaffen können, wenn sie gebraucht werden. Die aktuelle Strategie, planbare Operationen erst zurückzustellen, wenn Kapazitäten knapp werden, wird der Leistungsfähigkeit eines Großteils der deutschen Krankenhäuser deutlich besser gerecht als ein undifferenzierter „Klinik-Lockdown“ wie im Frühjahr.

    Zugegeben: Anfangs gab es viele erschreckende Bilder von Corona-Hotspots – und leider nur wenige belastbare Fakten. Um das zu ändern, veröffentlicht Helios transparent die Belegung jedes seiner Krankenhäuser. Gesamt, Intensivbetten, Covid-19-Fälle – täglich aktualisiert. Diesem Beispiel folgen nun auch andere Träger. Aber es sollte zum Standard für alle werden.

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    Hätten wir vereinheitlichte Datensätze statt unterschiedlicher Meldesysteme, wären auch heute schon die Daten aller Krankenhäuser auf Knopfdruck verfügbar. Um damit Patientenströme zu steuern. Und Ängste zu nehmen. Nur durch Transparenz können wir faktenbasiert und zielgerichtet entscheiden, statt pauschal und ohne Not Patienten wegzuschicken.

    Aber selbst dort, wo es wegen vieler Covid-19-Fälle eng wird, können wir die anderen Patienten nicht im Stich lassen. Schließlich geht niemand aus Vergnügen ins Krankenhaus, sondern weil es notwendig ist. Helios-Krankenhäuser der Region Ost haben daher eine Initiative gestartet: Berliner Patienten, deren Operation wegen Covid-19 abgesagt oder verschoben wurde, können ihre Eingriffe in unseren Häusern außerhalb Berlins durchführen lassen.

    Denn bei aller Konzentration auf Covid-19: Die allermeisten Patienten haben es mit anderen, teils ebenfalls sehr schweren Krankheiten zu tun. Diese nicht früh genug zu erkennen oder nicht zu behandeln wäre ein Kollateralschaden, den wir Corona nicht gönnen sollten.

    Im Gegenteil: Wenn wir es schaffen, unser Gesundheitssystem so weiterzuentwickeln, dass wir künftig auch in Krisen keinen Krisenmodus brauchen, dann hätte Corona letztlich sogar etwas Gutes bewirkt.

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