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GastkommentarDarum wird der Goldpreis noch weiter steigen

Ein Anstieg um mehr als zehn Prozent in den kommenden zwölf Monaten erscheint durchaus realistisch – und das aus guten Gründen, meint Pimco-Manager Greg Sharenow. 17.11.2025 - 11:43 Uhr Artikel anhören
Gold: Höchststände, trotz risikofreudigem Marktumfeld. Foto: Bloomberg Creative Photos/Getty Images

Die jüngste Rally des Goldpreises stößt derzeit bei vielen Anlegern auf ein großes Interesse: Trotz eines insgesamt risikofreudigen Marktumfelds erreichten die Kurse zuletzt neue Höchststände. Dass Gold – als ein traditionell sicherer Hafen – parallel zu Aktien und Anleihen steigt, zeigt, wie sich strukturelle und kurzfristige Faktoren gegenseitig beeinflussen und so die Rolle des Edelmetalls im Portfolio verändern können.

Gold ist zwar im Vergleich zu den letzten 50 Jahren relativ hoch bewertet, dennoch spricht vieles für weiterhin positive Aussichten: Globale Investoren suchen angesichts des jüngsten Inflationsdrucks verstärkt nach Sachwerten.

Gleichzeitig setzen Zentralbanken auf eine Diversifizierung ihrer Vermögenswerte und nutzen Gold als Absicherung gegen geopolitische Risiken. Vor diesem Hintergrund scheint ein Anstieg des Goldpreises um mehr als zehn Prozent in den kommenden zwölf Monaten durchaus realistisch.

Aus geopolitischer Sicht gewinnt Gold als strategische Reservewährung an Bedeutung. Das Einfrieren der russischen Devisenreserven im Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt und führte dazu, dass Zentralbanken – insbesondere in Schwellenländern – ihren Anteil an auf US-Dollar lautenden Vermögenswerten überdachten.

Diese Entwicklung hat die Nachfrage nach Gold als politisch neutrale Wertanlage beschleunigt, vor allem bei Staaten, die sich vor Sanktionsrisiken und Währungsschwankungen schützen möchten.

Gold als sicherer Hafen bei Krisen und Inflation

Parallel dazu haben vermögende Privatpersonen und institutionelle Anleger die Diversifizierungsvorteile von Gold wiederentdeckt. Der globale Inflationsschock von 2022 hat Schwachstellen in Portfolios mit einer Untergewichtung realer Vermögenswerte offenbart.

Insbesondere Anleger in Schwellenländern sahen sich Währungsabwertungen und begrenzten wirtschaftlichen Aufwärtspotenzialen gegenüber und suchten verstärkt inflationssichere Anlagen. Die geringe Korrelation von Gold mit Aktien und seine historische Widerstandsfähigkeit in Inflationsphasen haben seine Rolle als strategische Absicherung begünstigt.

Bemerkenswert ist, dass Gold in diesem Jahrzehnt bislang die beste Wertentwicklung erzielt hat und breite Rohstoffindizes ebenfalls hohe einstellige Renditen geliefert haben. Beide haben die Diversifizierung und den Inflationsschutz geboten, die die Theorie in einer Phase erhöhter Inflation empfiehlt.

Man sollte die aktuelle Bewertung von Gold aber genau unter die Lupe nehmen. Das Edelmetall hat traditionelle Bewertungskennzahlen wie Realzinsen deutlich übertroffen.

In einem Umfeld, in dem die Realzinsen zwischen 1,7 und 2,0 Prozent liegen und nominale Anleihen Renditen von sechs bis sieben Prozent erzielen, steigen die Opportunitätskosten für das Halten von Vermögenswerten wie Gold, die keine Erträge generieren. Eine Kombination von Gold mit breiten Rohstoffindizes ist daher eine gute Wahl für Anleger, die reale Werte in ihrem Portfolio haben wollen.

Der Goldpreis ist historisch hoch

Zwar haben Goldkäufe – insbesondere von Zentralbanken und ETFs – den Preis des Edelmetalls mit in die Höhe getrieben, dennoch erscheint die aktuelle Prämie im Vergleich zu historischen Maßstäben hoch.

Zudem ist der Goldpreis relativ volatil. Er schwankt derzeit um bis zu 17 bis 18 Prozent, das entspricht damit in etwa der Volatilität der Aktienmärkte. Das mag zwar für einige Marktteilnehmer besorgniserregend wirken. Die Schwankungen des Goldpreises sollte man aber stets vor dem Hintergrund sehen, dass das Edelmetall  in der Regel ein breiteres Portfolio ergänzt. Damit fallen die Schwankungen insgesamt nicht allzu sehr ins Gewicht.

Auch das aktuelle Marktumfeld macht die Situation zusätzlich komplex. Angesichts von Aktienkursen nahe ihren Allzeithochs und niedrigen Risikoaufschlägen am Anleihemarkt wirkt die Rallye bei Gold auf den ersten Blick etwas widersprüchlich. Doch die weltweit hohe Verfügbarkeit von Liquidität – gestützt durch umfangreiche fiskalische Impulse und eine anhaltend lockere Geldpolitik – hat die Kurse zahlreicher Vermögenswerte in die Höhe getrieben. Gold profitierte dadurch gleich doppelt: einerseits von der geopolitisch bedingten Nachfrage, andererseits von der Kapitalverlagerung hin zu Sachwerten.

Fazit: Investoren sollten auch künftig auf Gold als Bestandteil einer diversifizierten, inflationssicheren Anlage setzen. Kurzfristige Kurskorrekturen sind zwar möglich, doch die grundlegenden Nachfragetreiber bleiben unverändert.

Ein ausgewogener Ansatz – bei dem Gold gezielt mit einer breiteren Rohstoff-Anlage kombiniert wird – kann dazu beitragen, das Inflationsrisiko abzufedern und die Stabilität des Portfolios nachhaltig zu stärken.

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Der Autor: Greg Sharenow ist Managing Director und Portfolio-Manager beim US-Fondshaus Pimco. 

Erstpublikation: 15.11.2025, 13:57 Uhr.

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