Gastkommentar: Wir machen Agrarexporte zur politischen Priorität

Die geopolitische Lage hat sich seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine massiv verändert. Die Folgen der Coronakrise wirken nach. Deglobalisierung, Unsicherheiten, Zölle und weltweite Abschottungstendenzen nehmen zu. Das belastet auch die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft.
Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland bedeutet das: Wir müssen die Rahmenbedingungen so setzen, dass unsere Wirtschaft ihre Stärken auch international bestmöglich ausspielen kann. Die Bundesregierung tut das – und setzt sich wo immer möglich dafür ein, dass unsere Wirtschaft mehr Luft zum Atmen hat.
Wir als diejenigen, die innerhalb der Bundesregierung die Agrar- und Ernährungswirtschaft im Blick haben, tragen dabei eine besondere Verantwortung. Denn die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft zählt nicht nur zu den leistungsstärksten Wirtschaftszweigen in Deutschland und ist damit zentraler Baustein unserer Volkswirtschaft. Als mittelständisch geprägte Branche ist sie zudem regional verankert und daher von großer Bedeutung für die Stabilität unserer ländlichen Räume.
5,4 Millionen Menschen arbeiten in dieser Branche. Und Exporte sind ein zentrales Standbein. Im vergangenen Jahr beliefen sich die deutschen Agrarexporte auf nahezu 100 Milliarden Euro. Das bedeutet: Wertschöpfung, Wohlstand und Arbeitsplätze – vor allem auf dem Land.
Deshalb habe ich entschieden, unsere Exportförderung neu aufzustellen, um kaufkräftige Märkte zu erschließen und Agrarexporte nachhaltig zu steigern – vom Lebensmittelhandwerk über die ganze Vielfalt unserer land- und ernährungswirtschaftlichen Erzeugnisse bis hin zu moderner Landtechnik.
Auslandsreisen mit Wirtschaftsdelegationen
Den von mir eingeleiteten Kurswechsel setzen wir beim Export fort. Wir machen den Agrarexport zur politischen Priorität – und damit die Anliegen einer mittelständisch geprägten Branche. Mit einer Exportkoordinatorin wird mein Ministerium beispielsweise eine Anlaufstelle für die Interessen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft schaffen, Bürokratie reduzieren und die internen Strukturen effizienter aufstellen.
Daneben werden wir auch einen Export-Chief Veterinary Officer einsetzen. Im Fall eines Ausbruchs von Tierseuchen sind Kompetenz und schnelles Handeln wichtig, um mögliche wirtschaftliche Folgen gering zu halten.
Wir stellen Exportanliegen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in den Mittelpunkt, indem wir Wirtschaftsdelegationen einladen, uns auf Auslandsreisen zu begleiten und gemeinsame Chancen auf internationalen Märkten zu nutzen. Denn genau das ist es, was zählt, was wahrgenommen wird: wenn Politik und Wirtschaft gemeinsam auftreten.
Auch deshalb bin ich gemeinsam mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation in die USA gereist – als erster Bundeslandwirtschaftsminister seit zehn Jahren. Dort wurde deutlich, dass „Made in Germany“ gerade in der Land- und Ernährungswirtschaft für höchste Qualität und verlässliche Standards steht und bei unseren amerikanischen Freunden große Wertschätzung genießt.
2026 mehr Geld für Maßnahmen zur Agrarexportförderung
„Made in Germany“ ist unsere Handschrift. Unter diesem Motto wollen wir die Bekanntheit deutscher Produkte verbessern und für unsere Wirtschaft eine gute Basis schaffen. Wir treten gemeinsam mit der Wirtschaft als Team auf und stärken unsere Präsenz weltweit.
Schon heute verfügen wir über ein erfolgreiches Auslandsmesseprogramm. Es zählt zu den Pfeilern der Außenwirtschaftspolitik der Bundesregierung. Auslandsmessen helfen, unsere deutschen Produkte noch bekannter zu machen und zu vermarkten.
Außerdem unterstützen sie deutsche Unternehmen bei der Kundenpflege sowie beim Erschließen neuer, attraktiver Märkte. Deshalb werden wir ab 2026 die Gelder für das Auslandsmesseprogramm und für Maßnahmen zur Agrarexportförderung erhöhen.
Gemeinsam mit der gesamten Bundesregierung arbeiten wir daran, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken, indem wir Entlastungen schaffen, Bürokratie abbauen und Innovationen fördern. Wo immer es möglich ist, wollen wir dazu beitragen – national ebenso wie auf europäischer Ebene. Mit der vollständigen Wiedereinführung der Agrardieselvergütung zum 1. Januar 2026 werden unsere landwirtschaftlichen Betriebe jährlich um rund 430 Millionen Euro entlastet.
Eine moderne Agrarexportstrategie ist das eine, um unsere Land- und Ernährungswirtschaft gut für die Zukunft zu rüsten. Sie kann ihre Wirkung aber nicht entfalten ohne die Menschen, die täglich dafür arbeiten, dass wir unsere Kühlschränke füllen und unsere Tische decken können. Sie schaffen die Grundlagen für Versorgungssicherheit und Ernährung in unserem Land.
Unsere Landwirtinnen und Landwirte verdienen deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, gesicherte Einkommen und vor allem auch Wertschätzung für ihre Arbeit. Jeder Hof, den wir verlieren, reißt ein Loch in unsere so vielfältigen Regionen – wirtschaftlich betrachtet, vor allem aber auch in kultureller Hinsicht. Das kann niemand wollen.



Der Autor: Alois Rainer ist Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.
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