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Gastkommentar Wir sollten mit 16 schon die Welt retten dürfen

Das Wahlalter muss gesenkt werden. Denn 16-Jährige entscheiden auch sonst Wichtiges für ihre Zukunft – mit einer Reife, die manchem Erwachsenen fehlt.
18.08.2020 - 11:30 Uhr 1 Kommentar

Warum wir mit 16 wählen wollen

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“. Diesen Slogan prägte 1969 Willy Brandt in einer Regierungserklärung. Der damalige SPD-Kanzler verkündete, das Wahlalter von damals 21 auf 18 Jahre senken zu wollen. Grund sei die schneller eintretende geistige Reife der Jugendlichen. Das ist jetzt über 50 Jahre her.

Heute bräuchten wir wieder einen Willy Brandt. Ich bin 16 Jahre alt, Schüler, politisch interessiert und glaube die nötige geistige Reife dafür zu haben, bei der nächsten Bundestagswahl mit abzustimmen. Das fordern inzwischen SPD und Grüne. Doch vor allem sprechen vier gute Gründe für die Absenkung des Wahlalters.

Erstens: Reife hat nichts mit dem Alter zu tun, wie sich am 2. August zeigte, als die Polizei in Berlin eine Demonstration auflöste, weil sich die Teilnehmer nicht um Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen scherten. Das mitten in der Corona-Pandemie. Impfgegner, Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker sind doch recht faktenresistent. Trotzdem scheint kaum jemand ein Problem damit zu haben, dass auch solche Leute wählen dürfen. Klar, so will es das Grundgesetz und ich stelle das auch nicht in Frage. Reife ist aber für das Wahlrecht offensichtlich nicht zwingend notwendig.

Zukunftsthemen dürfen nicht ohne die Jugend entschieden werden

Zweitens: Es gibt immer mehr Themen, die die Zukunft der jungen Generation beeinflussen. Beim Umwelt- und Klimaschutz geht es darum, den Planeten so wie wir ihn jetzt vorfinden für folgende Generationen zu erhalten. Es war die junge Bewegung „Fridays for Future“, die der Politik in Berlin ein umfangreiches Klimapaket abgerungen hat. Das fanden auch viele Ältere gut, die ihren Enkeln eine gesunde Umwelt hinterlassen wollen. Wählen sollen die Jungen allerdings nicht. Das versteht doch keiner.

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    Die Hälfte aller Wahlberechtigten zur Bundestagswahl 2017 war über 50 Jahre alt. 70 Prozent der Wahlberechtigten war älter als 40 Jahre. Dass hier die Interessen anders liegen als bei den 16-jährigen ist nachvollziehbar. Die jüngere Generation ist politisch unterrepräsentiert. Sie muss aber noch in Jahrzehnten mit vielleicht verfehlten politischen Entscheidungen klar kommen. Das gilt für völlig überschuldete Haushalte genauso wie für eine zu zögerliche Klimapolitik. Die Rechnung zahlen wir.

    Bei Landtagswahlen ist das Wahlrecht mit 16 längst verbreitet

    Drittens: In 11 Bundesländern ist das Wahlalter für die Landtagswahlen schon auf 16 runtergesetzt worden. Nur in Bayern, Sachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland darf man erst mit 18 daran aktiv teilnehmen. Mir ist nicht bekannt, dass in den anderen 11 Bundesländern politisches Chaos und Anarchie ausgebrochen sind. Dabei wäre die Senkung des Wahlalters auch ein wichtiger Schritt, um die Verfassung langfristig zu schützen und zu bewahren.

    Wie will man die heute Jungen in ein paar Legislaturperioden zum Wählen bringen, wenn man sie in ihrer Jugend nicht wirklich ernst genommen hat. Bindet man die Jugend heute ein, so baut man eine Verbindung zwischen ihnen und dem demokratischen Parteiensystem auf. Man gibt ihnen Verantwortung, mit der sie umgehen lernen müssen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Politik die Jugend endlich entdeckt. Wir müssen die Jugend auf die Politik aufmerksam machen und sie dafür interessieren.

    Viertens: Die meisten meiner Mitschüler sind politisch aktiv oder zumindest interessiert. Fünf von uns haben ein Video produziert und darin nochmal klar gemacht, warum sie mit 16 wählen wollen. Schon in diesem Alter werden von uns weitreichende Entscheidungen verlangt. Mache ich eine Ausbildung oder gehe ich weiter auf die Schule? Welchen Berufsweg schlage ich ein? Entscheidungen, die Folgen für das ganze Leben haben.

    Wählen lassen will man uns aber nicht. Die Politik sollte sich an die Regierungserklärung von Willy Brandt erinnern und endlich wieder mehr Demokratie wagen. Ich weiß, dass mit so einer Entscheidung auch Verantwortung auf mich zukommt. Die will ich gerne übernehmen. Der Sänger Tim Bendzko hat gesungen: „Nur kurz die Welt retten“. Das will ich auch schon mit 16 Jahren.

    Mehr: Bundesfamilienministerin Giffey fordert die Absenkung des Wahlalters auf Bundesebene.

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    1 Kommentar zu "Gastkommentar: Wir sollten mit 16 schon die Welt retten dürfen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Grundsätzlich sollte das Wahlalter für Landtags- und Bundestagswahlen an die Volljährigkeit gekoppelt bleiben.
      Erst wer auch für für sein Handeln voll einstehen muß hat meiner Ansicht nach auch das volle Recht zu wählen, Pflichten und Rechte eben.
      Nicht auf der einen Seite nach dem Jugendrecht beurteilt werden, auf der anderen Seite die Rechte der Volljährigkeit mitnehmen.
      Wenn ich die vielen unverantwortlichen Parties etc. und ihre Folgen von Jugendlichen jetzt während der Corona Pandemie sehe, dann wage ich zu bezweifeln, dass das notwendige Verantwortungsgefühl vorhanden ist.

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