1. Startseite
  2. Meinung
  3. Gastbeiträge
  4. Prüfers Kolumne: Wer den Pfennig nicht ehrt ...

Prüfers KolumneWer den Pfennig nicht ehrt ...

In den Kellern der Republik dürften noch etliche ungehobene Münzschätze liegen. Doch gibt es dafür noch einen Markt? Vielleicht liegt die Sammler-Zukunft auch woanders – bei Pokémon-Karten etwa.Tillmann Prüfer 05.08.2023 - 11:01 Uhr

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Foto: Handelsblatt

Ich frage mich manchmal, ob all die Pfennige, die in meiner Wohnung noch irgendwo im Keller oder in irgendeiner Sofaritze liegen, vielleicht noch zu etwas gut sind. Ich habe gelesen, es gebe etwa gerade aus den ersten Tagen der Bundesrepublik etliche unterschiedliche Prägungen – mit Sammlerwert.

Das soll vor allem daran liegen, dass man kaum Mittel hatte, um nach dem Krieg all die Münzen der jungen Republik zu prägen, und oft improvisieren musste. Die Stempel mussten manchmal von Hand gemacht werden, es fehlte ja an allem. Es gab allerlei Fehlprägungen und Artefakte.

Und wenn es ein Pfennig durch all die Jahrzehnte Bundesrepublik bis heute geschafft hat, dann kann das schon etliche Euro wert sein. Zum Beispiel gibt es ein 50-Pfennig-Stück, auf dem die Frau, die dort ein Bäumchen pflanzend abgebildet ist, keine Füße hat. Dafür werden mitunter Hunderte Euro gezahlt.

300.000 Dollar für einen Fehler

Es ist eine ganz schöne Vorstellung, dass eine einfache Münze ein kleiner Schatz sein kann. Es kann aber auch zur Belastung werden. Ich habe gelesen, dass in Los Angeles ein Immobilienmakler eine Million Cent-Münzen geerbt hat. Die können nominell 10.000 Dollar wert sein – auch viel mehr, je nachdem, welche Prägungen sich darunter befinden. Es gibt zum Beispiel eine Fehlprägung mit Kupfer von 1943, die schon für 82.500 Dollar verkauft wurde. Manche Fehlprägungen wurden schon für 300.000 Dollar gehandelt.

Wenn man Münzen also einfach weggeben wollte, würde man vielleicht ein Vermögen verschenken. Ganz abgesehen davon, dass Banken Münzen oft nicht so einfach annehmen wollen. Man kann nicht einfach ein paar Säcke einzahlen, zumindest nicht ohne Gebühr. Bargeld ist eben nicht so beliebt, wie man glauben mag.

Lesen Sie hier weitere Kolumnen von Tillmann Prüfer:

Heute wird als Zahlungsmittel oft nur noch die Karte angenommen. Das ist schade. Es wird ja nie irgendwelche besonderen Bytes geben können aus der Anfangszeit des bargeldlosen Zahlungsverkehr. Oder könnte man einen sehr früh produzierten Bitcoin wegen seines Sammlerwerts teurer verkaufen? Ich weiß es nicht.

Ein Sammlerwert kann ja auch nur entstehen, wenn jemand etwas sammelt. Deswegen ist es gar nicht gesagt, dass seltene Münzen einen besonderen Wert haben. Viel Wert entsteht nur durch viele Sammler. Und Münzen werden nicht mehr so ausgiebig gesammelt wie früher, vielleicht künftig noch weniger, weil andere Dinge heute mit mehr Emotionen verbunden werden.

Pokémon-Karten etwa: Es gibt sehr viele Sammler, und manche dieser Karten sind unbezahlbar. Eine Pikachu-Holo-Illustrator-Karte von 1998 wurde für sechs Millionen Dollar verkauft, das Markenmotto „Gotta catch’em all“ wird gelebt. Deswegen gibt es in Japan mittlerweile auch Pokémon-Kriminalität, samt Einbruchdiebstahl.

Vielleicht muss ich im Keller auch mal nach Sammelkarten schauen. Und vielleicht wird man in der Zukunft nicht glauben, dass man früher bei Banküberfällen Säcke mit Münzen geschleppt hat. Das mit den Karten ist auf jeden Fall praktischer und besser für den Rücken. Bei aller Nostalgie: Fortschritt ist Fortschritt.

Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt