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AppleVon der Magie der Hydraulikpresse

Apple hat sich mit einem Werbespot blamiert, in dem eine Presse zig Kulturgüter zerstörte. Das war fahrlässig, findet unser Kolumnist – aber auch ein selten ehrlicher Blick auf unser Konsumleben.Tillmann Prüfer 17.05.2024 - 12:49 Uhr
Kolumnist Prüfer und der Apple-Spot. Foto: HB

Der Apple-Konzern musste eine Werbung zurückziehen für das neue iPad. Der Werbespot zeigt eine ganze Sammlung schöner Dinge, wie ein Klavier, eine Gitarre, einen Plattenspieler, eine Trompete, Bücher, einen Arkade-Spielautomaten, ein Metronom – das alles aufgestellt in einer großen Hydraulikpresse. Mit viel Getöse wird alles zermalmt, und als die Presse sich wieder öffnet, kommt das neue iPad heraus.

Das ist offenbar so schlecht angekommen, dass Apple sich für diese Werbung entschuldigen musste. Hugh Grant zum Beispiel hatte gepostet, Apple betreibe in diesem Filmchen die „Zerstörung von menschlicher Erfahrung“.

Nun gibt es eine Menge Spots im Internet, in denen Hydraulikpressen eine Rolle spielen. Es ist eigentlich ein ganzes Genre. Alle möglichen Dinge werden in solche Pressen gestopft, und man schaut dann in Zeitlupe zu, wie sie plattgemacht werden. Das gilt als „satisfying“.

Was alles in Videos so zerstört wird

Es werden Coladosen, Küchengeräte, Titanpanzerungen und frisches Obst in die Hydraulikpresse gelegt. Ich habe ein Video gesehen über die „100 Top Best Hydraulic Press Moments“. Da werden auch jede Menge Gegenstände aus dem bürgerlichen Kosmos oder, wie Hugh Grant sagen würde, dem Kosmos der „menschlichen Erfahrung“ zerpresst.

Das sind meist die Dinge, die besonders unspektakulär zugrunde gehen. Bei einem alten Wecker splittert das Glas, ein Messingpokal zerbröselt. Einzig Bücher, dicke 1000-Seiten-Wälzer sind interessant. Sie lassen sich erst einmal gar nicht komprimieren und explodieren dann mit einem Schlag zu Konfetti.

Es ist kaum möglich, mit einem Karl-Ove-Knausgard-Werk mehr Spaß zu haben, als mittels einer Hydraulikpresse. Am spektakulärsten gehen alle möglichen Gegenstände entzwei, die mit Weichmachern und Schaumstoffen präpariert sind. Sie spritzen in gewaltigen bunten Fontänen hinfort.

Man kann sich schon Gedanken machen, warum solche Pressen derartig befriedigend sein sollen. Ich meine, sie haben etwas fatalistisch Gleichmachendes.

Alles wird zu Splitter und Brei

Denn wie es ja schon der gute Goethe in Faust schrieb: „Alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“. Oder wie Fontane sagte: „Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand“.

Wenn die Dinge in einer Hydraulikpresse stecken, ist es einerlei, wie viel Mühe, Gedanken und Kunstfertigkeit auf etwas verwendet wurde. Alles wird zu Splitter und Brei. Und so geht ja auch alles dahin. Irgendwann landet eben auch ein Klavier in einer Sperrmüllpresse, und viele der Bücher, die gedruckt werden, enden nicht in einem bürgerlichen Regal, sondern der Papiermühle.

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So mögen es sich auch die Manager von Apple gedacht haben, als sie ihr eigenes Satisfying-Video gedreht haben. Aber es war letztlich eher unbefriedigend für sie. Wahrscheinlich, weil sie in einem Werbefilm ausnahmsweise mal die Wahrheit gezeigt haben. Nämlich, dass der ganze Kram, mit dem wir uns umgeben, irgendwann dahingeht und wir mit ihm.

Ganz besonders häufig werden übrigens Apple-Produkte in Youtube-Hydraulikpressen gesteckt.

Erstpublikation: 16.05.2024, 17:10 Uhr.

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