EU-Kolumne: Putin hat Russland in einen nuklearen Schurkenstaat verwandelt – Wie kann Abschreckung da funktionieren?
Wladimir Putin ist geschwächt – und deshalb vielleicht gefährlicher denn je.
Foto: dpaNoch vor zwei Wochen war das wichtigste Gesprächsthema in Brüssel das Wetter. Ob Europas Gasspeicher bei einem harten Winter wohl reichen würden, fragten sich Diplomaten und Spitzenbeamte auf den Rentrée-Empfängen, die traditionell das Ende der Sommerpause markieren.
Inzwischen ist eine andere Sorge in den Vordergrund getreten, eine, die sich noch schwerer kalkulieren lässt als die Launen der Natur: die Sorge vor dem nuklearen Säbelrasseln des russischen Präsidenten.
Wladimir Putin ist geschwächt – und deshalb vielleicht gefährlicher denn je. Der in die Enge getriebene Despot kompensiert seine zunehmend aussichtslose Lage mit aggressiven Verzweiflungstaten. Zum ersten Mal in der Geschichte sieht sich Europa mit einem kriegerischen Schurkenstaat konfrontiert, der Kernwaffen besitzt.
Putin hat Russland kim-jong-unisiert: Das Land mit den meisten Atomsprengköpfen der Welt verhält sich wie ein großes Nordkorea. Ganz anders als die Sowjetunion, die primär am Erhalt der globalen Machtbalance interessiert war.
Dass der Kremlherrscher zu seinem nuklearen Arsenal greift, um den Vormarsch der Ukraine zu stoppen, gilt in den Hauptquartieren von EU und Nato weiterhin als unwahrscheinlich, aber ausgeschlossen ist es nicht mehr.