USA: „Der Trumpismus ist ein Aufschrei gegen die Moderne“
Washington. Francis Fukuyama erlangte bereits in jungen Jahren mit einer erstaunlichen These internationale Berühmtheit. Nach dem Zerfall der Sowjetunion prognostizierte der Politologe das „Ende der Geschichte“ und den endgültigen Siegeszug der Demokratie.
Die Geschichte sollte den 73-jährigen Professor der US-Eliteuniversität Stanford eines Besseren belehren: Autokratische Regime in China und Russland gewinnen aktuell an Einfluss. Selbst die USA, die Führungsmacht des freien Westens, zeigten unter Präsident Donald Trump „zunehmend autoritäre Tendenzen“, urteilt er selbst im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Der US-Präsident ist kein Mann des Gesetzes“, sagt Fukuyama. „Der Trumpismus ist ein Aufschrei gegen die Moderne.“
Dennoch lässt sich Fukuyama in seinem grundsätzlichen Vertrauen auf die Demokratie nicht beirren: Trump führe uns auch „den Wert liberaler, offener Gesellschaften vor Augen“. Die größte Gefahr sei „die Resignation – dass Menschen glauben, der autoritäre Trend sei unvermeidlich und sie könnten nichts dagegen tun“. Dabei gebe es immer etwas zu tun.