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Globale Trends„Wie hältst Du es mit China?“ – Wenn Manager zu Wirtschaftskriegern werden

Putins Krieg in der Ukraine hat die Globalisierung gebremst. Unternehmen überdenken die Arbeitsteilung. Entscheiden wird die Zukunft der Globalisierung aber eine andere Frage.Torsten Riecke 04.04.2022 - 11:03 Uhr Artikel anhören

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter riecke@handelsblatt.com.

Foto: Klawe Rzeczy

Keynes hilft immer. Wenn Ökonomen in diesen Tagen laut über das vermeintliche Ende der Globalisierung nachdenken, zitieren sie mit Vorliebe ihren Altmeister. „Ein Einwohner Londons konnte, während er seinen Morgentee im Bett schlürfte, per Telefon die verschiedenen Produkte der ganzen Erde bestellen (…) und ihre baldige Lieferung an seine Haustür erwarten“, beschrieb John Maynard Keynes am Vorabend des Ersten Weltkriegs das Leben der englischen Oberklasse.

Ähnlich wie heute glaubten damals die Eliten aus Wirtschaft und Politik, die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen den großen Industrienationen garantiere das friedliche Zusammenleben der Völker.

„Es ist die ausgeklügelte Interdependenz, die nicht nur im wirtschaftlichen Sinne, sondern in jeder Hinsicht dazu führt, dass eine ungerechtfertigte Aggression eines Staates gegenüber einem anderen auf die Interessen des Aggressors zurückfällt“, behauptete der englische Schriftsteller Norman Angell 1909 in seinem Buch „The Great Illusion“ und erhielt dafür später sogar den Friedensnobelpreis.

So wie die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts die erste Phase der Globalisierung abrupt beendeten, so könnte jetzt der Ukrainekrieg zum Wendepunkt der zweiten Hyper-Globalisierung werden.

„Die Aggression Russlands in der Ukraine und seine anschließende Abkopplung von der Weltwirtschaft werden Unternehmen und Regierungen weltweit dazu veranlassen, ihre Abhängigkeiten neu zu bewerten und ihre Produktions- und Montagekapazitäten neu zu analysieren“, sagt Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock voraus.

„Die jetzige Situation konnte so bis vor Kurzem niemand vorhersehen“, behauptet BASF-Chef Martin Brudermüller mit Blick auf Deutschlands Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Dabei waren nicht nur die Menetekel der aggressiven Machtpolitik Putins spätestens seit der Krim-Annexion 2014 zu erkennen. Auch die wachsenden Risiken für globale Wertschöpfungsketten konnte jeder sehen, der vom Brexit, über Trumps „America first“-Politik bis hin zur Pandemie die Zeichen der Zeit verstehen wollte.

Die Russlandkrise wird der Globalisierung nicht den Todesstoß versetzen. Dazu ist Putins Reich trotz seiner Rohstoffmacht wirtschaftlich zu klein. Die entscheidende Frage für Fink, Brudermüller und Co. ist: Wie hältst du es mit China?

Klar ist nach dem gerade zu Ende gegangenen EU-China-Gipfel, dass auch im Verhältnis zu Peking die Zeiten des Business-as-usual vorbei sind. „Hier geht es um Vertrauen, Verlässlichkeit und Entscheidungen über langfristige Investitionen“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Blick auf Chinas unklare Haltung zu Putins Krieg.

Über China hängt der Mantel des Schweigens

Es spricht Bände, dass Konzernchefs wie Fink und Brudermüller zur Chinafrage schweigen. China und Russland seien nicht zu vergleichen, sagt der BASF-Lenker und verweist auf die enorme Bedeutung des Reichs der Mitte für unseren Wohlstand. Und für das Wohlergehen des deutschen Chemiegiganten wie des US-Vermögensverwalters, möchte man hinzufügen.

Wenn Brudermüller sich da mal nicht täuscht. Ein Angriff Chinas auf Taiwan ist an den Finanzmärkten längst zu einem „grauen Schwan“ geworden – also einem möglichen Ereignis mit Erschütterungen für den globalen Chipmarkt.

Der US-Chiphersteller Intel baut auch deshalb neue Fabriken in Ohio und Magdeburg. Nach einer neuen Ifo-Umfrage will fast jedes zweite deutsche Unternehmen seine Importe aus China verringern. Selbst Volkswagen, das rund 40 Prozent seiner Autos im Reich der Mitte absetzt, will sein chinesisches Klumpenrisiko verringern.

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