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Kolumne „Trump-Watch“Peter Thiel und Donald Trump – Beziehungsstatus kompliziert

Der umstrittene Investor war der erste prominente Unterstützer Trumps aus dem Silicon Valley – und wendete sich enttäuscht ab. Jetzt ist Thiel wieder da. Mit einem neuen Plan.Felix Holtermann 07.07.2025 - 11:11 Uhr Artikel anhören
US-Korrespondent Felix Holtermann berichtet für das Handelsblatt aus dem Silicon Valley. Foto: Reuters, dpa Picture Alliance (M)

Er sei da „schizophren“, sagt Peter Thiel in einem seiner seltenen Interviews vor wenigen Tagen: Er „halte es für unglaublich wichtig, aber auch für unglaublich schädlich“, Politiker zu finanzieren. Für alle Involvierten sei das Engagement „ein Nullsummenspiel.“

Mit Investments und ihren Folgen kennt Thiel sich aus. Der 57-Jährige war der erste externe Investor in Facebook, gründete Paypal und Palantir mit und unterstützte als erster Tech-Vordenker 2016 die Kandidatur Donald Trumps. Nach der Wahl organisierte er ein Treffen mit den wichtigsten Tech-CEOs im Trump Tower und installierte Vertraute im Übergangsteam. Doch schon bald wandte sich Thiel enttäuscht ab.

Thiel hat nie ein konsistentes politisches Gedankengebäude vertreten – in diesem Punkt ähnelt er Trump. „Der Kern von Thiels Ideologie ist eine Art Tech-Utopismus. Technologie löst alle Probleme“, erklärte mir sein Biograf Max Chafkin. „Hinzu kommt die Idee, dass Disruption eine gute Sache ist, dass es richtig ist, Institutionen zu zerstören.“

Im neuesten Interview schildert Thiel noch einmal, warum das aus seiner Sicht nötig ist. Sein Lebensthema ist „die große Stagnation“: Thiel glaubt, dass sich die Welt zwischen 1750 und 1970 rasant entwickelt hat – von der Pferdekutsche bis zur Mondlandung – und dass dieser stürmische Aufschwung dann abgerissen ist. Ein Grund: der Siegeszug der politischen Linken.

„Im Juli 1969 landeten wir auf dem Mond, drei Wochen später begann Woodstock, und rückblickend betrachtet war das der Zeitpunkt, an dem der Fortschritt zum Stillstand kam und die Hippies gewonnen haben“, sagt Thiel. Die Folge: Die ganze Welt habe sich „seit 50 Jahren dem Frieden und der Sicherheit unterworfen.“ Nun mögen kleinere Geister einwenden, dass Frieden und Sicherheit doch gar nicht so schlecht seien. Aber laut Thiel führt ihr Primat zu fehlendem Fortschritt, etwa bei der Suche nach dem ewigen Leben.

Trump war das Enfant terrible

Trump war in diesem Gedankengebäude das Enfant terrible, das das Establishment aufschrecken sollte, vom Valley bis nach Washington, um „vielleicht wenigstens darüber reden zu können“, wie Alternativen zur Stagnation aussehen könnten und zur Umweltschutzideologie, die drohe, in einem „totalitären Weltstaat“ zu enden. So weit, so bizarr, so Thiel. Warum dann seine Abwendung von Trump?

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Trump werde „immer als dieser verrückte Mensch dargestellt“, sagte mir Thiel 2023. „Tatsächlich aber hat sich nicht so viel verändert. Meine Kritik wäre, dass er sich nicht wirklich auf die wichtigen strukturellen Probleme fokussiert hat.“ Die große Stagnation, sie konnte der New Yorker Immobilienunternehmer nicht durchbrechen, heißt das wohl. Und nun?

In Trumps zweiter Kandidatur hielt sich Thiel lange bedeckt und spendete nicht, etwa im Unterschied zu Tesla-Chef Elon Musk. „Wenn Sie mir eine Waffe an den Kopf halten, werde ich für Trump stimmen“, erklärte er noch im Juni 2024 auf einer Konferenz. Enthusiasmus sieht anders aus. Thiel wolle sich auf seine Familie konzentrieren, hieß es lange aus seinem Umfeld.

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Doch plötzlich ist Thiel wieder da. Dass sich der rechtslibertäre Techno-Utopist ausgerechnet in der linksliberalen „New York Times“ zu Wort meldet, Trumps Hassmedium, muss als Zeichen gelten. Thiel setze längst auf einen anderen Politiker, sagt ein Vertrauter: Vizepräsident J.D. Vance. Dieser hat seine ganze unternehmerische wie politische Karriere Thiel zu verdanken, der den aus armen Verhältnissen stammenden 40-Jährigen früh gefördert hatte.

Nun ist Vance „nur einen Herzschlag“ von der Präsidentschaft entfernt – und sitzt womöglich, so die Hoffnung in Thiels Umfeld, schon bald im Oval Office. Klar sei dann eines, so der Vertraute: „Wenn Peter anruft, geht J.D. ans Telefon.“

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