Konjunktur: Die Lage ist schlechter, als die Arbeitsmarktdaten nahelegen

Nach dem Schock vom Frühjahr 2005, als kurzzeitig mehr als fünf Millionen Personen in Deutschland ohne Arbeit waren, ist die Arbeitslosigkeit 14 Jahre lang nahezu kontinuierlich gesunken. Im Frühjahr 2019 registrierte die Bundesagentur für Arbeit saisonbereinigt nur noch 2,2 Millionen Arbeitslose.
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im selben Zeitraum um fast neun Millionen auf gut 35 Millionen Personen. Und im abgelaufenen Jahr 2024 waren im Durchschnitt mehr als 46 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig – so viele wie noch nie.
Die Resilienz des Arbeitsmarkts gegen nun schon etwa fünf Jahre andauernde gesamtwirtschaftliche Stagnation scheint einer Art Wunder zu gleichen – zumindest auf den ersten Blick.
Tatsächlich aber ist die Lage weit unerfreulicher, als es die amtlichen Zahlen nahelegen. Vom „German Jobwunder“ spricht angesichts der nahezu täglichen Meldungen über Personalabbau in der Industrie niemand mehr.
Seit dem Frühjahr 2022 steigt die registrierte Arbeitslosigkeit kontinuierlich, saisonbereinigt um etwa 20.000 Personen pro Monat. Das Handelsblatt Research Institute rechnet für dieses Jahr im Jahresdurchschnitt mit etwas mehr als drei Millionen Arbeitslosen – zum ersten Mal seit 15 Jahren.