1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen
  4. Silicon Valley Bank: Das Ende des Börsenwunders

Märkte-InsightDas Ende des Börsenwunders

Der Kollaps der Silicon Valley Bank in den USA verändert die Lage an den Märkten grundlegend. Ein Schock, der lange nachwirken wird.Michael Maisch 13.03.2023 - 06:15 Uhr Artikel anhören

Handelsblatt-Redakteur Michael Maisch analysiert, welche Auswirkungen der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank auf die Märkte hat.

Foto: Handelsblatt

Als das Börsenjahr 2023 begann, waren die meisten Experten skeptisch. Analysten und Strategen erwarteten zwar keinen Kollaps der Kurse, aber auch nur sehr verhaltene Gewinne an den großen Aktienmärkten. Die Gründe lagen auf der Hand: rasant steigende Leitzinsen, eine drohende Rezession und die Gefahr sinkender Unternehmensgewinne.

Dann begann ein kleines Börsenwunder. Die Optimisten übernahmen die Herrschaft an den Börsen. Die Hoffnung, dass vielleicht doch alles nicht so schlimm kommen würde wie gedacht, reichte für eine solide Jahresanfangsrally. Der US-Leitindex S&P 500 legte von Januar bis Mitte der vergangenen Woche rund zehn Prozent zu. Doch das ist Vergangenheit: Der Kollaps der kalifornischen Silicon Valley Bank (SVB) setzt dem Börsenwunder ein abruptes Ende.

In der vergangenen Woche sackte der S&P 500 um 4,5 Prozent ab, das größte Minus seit September 2022. Die Banken mussten in den vergangenen Tagen die schlimmsten Verluste seit dem Covidcrash hinnehmen. Auch in Europa sorgte die SVB-Krise für massive Verluste bei Finanztiteln und am breiten Markt. Die Aktien der Deutschen Bank verloren am Donnerstag und Freitag insgesamt rund zehn Prozent an Wert.

Selbst wenn eine neue Finanzkrise derzeit unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich) erscheint – der größte Bankenkollaps in den USA seit über zehn Jahren hat die Lage an den Märkten grundlegend verändert. Denn die Ereignisse rund um die SVB erschüttern eine der zentralen Thesen, die den Aufschwung an den Börsen stützten.

Diese These lautete: Die Zinswende der großen Notenbanken in den USA und Europa wird keinen größeren wirtschaftlichen Schaden anrichten. Die Verfechter dieser These gingen davon aus, dass Unternehmen und Verbraucher sich die ultraniedrigen Zinsen der Vergangenheit durch langfristige Finanzierungen gesichert haben und dass die Banken durch höhere Margen von den steigenden Zinsen profitieren würden.

Nach Pleite der SVB: Angst vor Ausbreitung der Krise

Allerdings sorgen die rasanten Zinserhöhungen auch für Buchverluste in den Portfolios der Banken, weil alte, niedrig verzinste Anleihen weniger wert sind als neue, höher verzinste. Wenn die Kunden wie bei der SVB plötzlich so viel Geld abziehen, dass die Banken einen Teil ihres Portfolios verkaufen müssen, werden aus Buchverlusten reale Verluste und der Ärger beginnt.

Wie groß die Angst vor einer Ausbreitung der Krise ist, zeigen die Anleihemärkte. In den USA flüchteten die Investoren im großen Stil in sichere Anlagen. Die Kurse von Staatsanleihen stiegen deutlich, spiegelbildlich fielen die Renditen. Am ausgeprägtesten war diese Bewegung bei zweijährigen Anleihen, deren Rendite innerhalb von zwei Tagen um beinahe einen halben Prozentpunkt absackte – die stärkste Bewegung seit der Finanzkrise 2008.

Dazu trug auch bei, dass sich die Investoren fragen, ob die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen wirklich weiter so stark anheben kann wie geplant, wenn die Banken dadurch massive Probleme bekommen.
Angesichts dieser Ausgangslage ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Märkte schnell beruhigen. Denn in den kommenden Tagen stehen gleich mehrere Ereignisse an, die auch ganz ohne Bankenkrise das Zeug hätten, die Kurse kräftig in Bewegung zu bringen. Am Dienstag wird die US-Inflation für Februar veröffentlicht. Für die Monatsrate, die die Dynamik besser als der Vorjahresvergleich abbildet, wird ein Rückgang auf 0,4 Prozent erwartet, nach 0,5 Prozent im Januar.

Verwandte Themen
Rezession
USA
Konjunktur
Fed

Am kommenden Donnerstag tagt dann die Europäische Zentralbank (EZB). Ein weiterer Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt ist so gut wie sicher, aber die Kommunikation von EZB-Chefin Christine Lagarde wird noch wichtiger als sonst.

Erstpublikation: 12.03.2023, 16:15 Uhr.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt