Märkte Insight: Warum die Dax-Rally stockt

Die Aufwärtsbewegung war nicht nachhaltig, weil zu wenige Anleger ihre Aktien verkauft und zu viele zu schnell gekauft haben.
Foto: BloombergSeit seinem Monatstief im August konnte der deutsche Leitindex Dax rund 600 Punkte zulegen. Doch seit Anfang September stockt die Aufwärtsbewegung, der Dax gab wieder mehr als 200 Zähler nach. Auch am Mittwoch ging es abwärts. Das Börsenbarometer beendete den Handel mit einem Minus von 0,2 Prozent und einem Endstand von 15.741 Punkten.
Die Verluste in den vergangenen Tagen sollten keinen Anleger überraschen. Denn die Entwicklung verschiedener Indikatoren während der Aufschwungphase im August zeigte, dass die Aufwärtsbewegung nicht nachhaltig sein konnte. Zur Erinnerung: Als der Dax am 18. August auf sein Monatstief von 15.468 Zählern abrutschte, waren zum Handelsende die drei wichtigsten Kriterien für wieder steigende Kurse erfüllt (siehe Märkte Insight vom 16.8.2023).
Es gab erstens einen Ausverkauf an diesem Tag, der zweitens mit einer hohen Rückkaufneigung gepaart war, die den Leitindex wieder von seinem Tagestief deutlich nach oben hievte. Der dritte Punkt: Es herrschte Angst und Panik unter den Anlegern – die wohl wichtigste Bedingung für eine anschließende Erholung.
Das zeigten damals die Daten der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Panik gilt als Kontraindikator, weil dann viele Anleger ihre Papiere bereits verkauft haben und nur wenige Käufe für wieder steigende Kurse sorgen können. Diese drei Punkte sorgten für das Plus von 600 Zählern.
Doch warum war diese Aufwärtsbewegung nicht nachhaltig? Weil vereinfacht formuliert die Panik bereits nach einer Woche verschwunden war, also viel zu schnell. Zwei Wochen später herrschte bereits wieder neutrale bis leicht positive Stimmung. Es haben einfach zu wenige Anleger ihre Aktien verkauft und zu viele zu schnell gekauft, um einen nachhaltigen Aufwärtstrend etablieren zu können.
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Das zeigt auch ein Vergleich mit anderen Börsenjahren, in denen Panikstimmung für eine nachhaltige Trendwende sorgte. Das beste Beispiel dafür ist 2019, das ohnehin 2023 ähnelt, weil beide auf ein Jahr mit hohen Verlusten folgten. Die Initialzündung für steigende Kurse bis zum Jahresende gab es 2019 bereits Anfang August.
Doch die Panikstimmung dauerte nicht nur eine Woche wie in diesem Jahr, sondern immerhin drei Wochen. Auch die übrigen Indikatoren sahen anders aus als jetzt. Sowohl der Zukunftsoptimismus als auch die Investitionsbereitschaft der Investoren lagen vor vier Jahren deutlich niedriger.
Bärenmärkte haben ihre eigenen Gesetze
In diesem Jahr war der Kursrutsch lediglich eine willkommene Einstiegschance. Die hohe Investitionsbereitschaft Mitte August ist seither wieder gesunken, was bereits abgeschlossene Käufe signalisiert.
Ihre eigenen Gesetze haben hingegen Bärenmärkte, also Jahre, in denen der Dax mehr als 20 Prozent abrutscht. Das war sowohl 2018 als auch 2022 der Fall. In solchen schlechten Börsenjahren reicht auch eine mehrwöchige Panikstimmung meist nicht aus, um eine nachhaltige Trendwende am Aktienmarkt einzuleiten.
Doch wie könnte es im September 2023 zu einer Trendwende kommen? Bei der schnellen Variante würde der Leitindex kurzzeitig unter seine wichtige Unterstützungszone von rund 15.450 Punkten rutschen. In dieser Zone liegen drei Monatstiefs, vom April, Juli und August dieses Jahres. Dann käme vermutlich wieder Panikstimmung an den Börsen auf, die voraussichtlich für einen längeren Zeitraum ausreichen würde.
Die langsame Variante einer Trendwende: Der Dax tendiert einige Wochen seitwärts, bis die vielen Schnäppchenjäger entnervt aufgeben. Das Ergebnis würde dann am Ende ähnlich ausfallen wie bei der ersten Variante.