Versicherungsaufsicht: Diese drei Zukunftsthemen bergen große Risiken für die Versicherer
Die Finanzaufsicht sieht ein verändertes Konsumentenverhalten bei Versicherungen.
Foto: imago images/Hannelore FörsterBonn. Die Digitalisierung, der Klimawandel und ein verändertes Kundenverhalten sind für die Finanzaufsicht Bafin die Themen, die für die deutsche Versicherungswirtschaft künftig nicht nur Chancen, sondern auch große Risiken bergen. Angesichts vieler neuer Herausforderungen müssten die Versicherer noch flexibler agieren und ihre Geschäftsmodelle immer wieder hinterfragen, sagte Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund bei der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht am Donnerstag.
„Was früher gut funktioniert hat, ist nicht unbedingt ein Rezept für die Zukunft“, betonte Grund, der nach acht Jahren im Amt Ende September in den Ruhestand geht. Laut Bafin-Präsident Mark Branson ist die Nachfolge geregelt, kann aber noch nicht kommuniziert werden.
Mit neuen Technologien verantwortungsvoll umgehen
Künstliche Intelligenz (KI), Cloud Computing und Chatbots – all das entwickele sich rasend schnell, so Grund. Versicherer müssten diese Technologien nicht nur sinnvoll für sich nutzbar machen, sondern auch dafür sorgen, dass die Anwendungen sicher und handhabbar sind.
Mithilfe von KI könnten Versicherer in Zukunft ihre Geschäftsprozesse optimieren, beispielsweise bei der Risikobewertung, der Schadensregulierung, der Betrugserkennung oder bei der Kundenbetreuung.
Allerdings seien die Qualität und Verfügbarkeit von Daten entscheidend. „Es ist wichtig, dass Versicherer neue Technologien verantwortungsvoll einsetzen“, betonte Grund. Die Branche müsse sich zudem sehr viel besser gegen die Bedrohung der IT-Sicherheit wappnen.
Verändertes Kundenverhalten im Risikomanagement berücksichtigen
Die technischen Entwicklungen führen Grund zufolge auch zu einem veränderten Konsumentenverhalten. „Durch Social-Media-Plattformen, aber auch durch Vergleichsplattformen treffen Konsumenten ihre Entscheidungen schneller und unberechenbarer“, erklärte er.
Grund sieht die Gefahr, dass Verbraucher durch falsche Informationen „Verträge überhastet kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln, einen Vertrag kurzentschlossen doch nicht abschließen oder sogar zu einem für sie nachteiligen Vertragsabschluss fehlgeleitet werden“. Die Versicherer müssten auf diese Veränderungen reagieren, die Risiken im Risikomanagement berücksichtigen und ihr Produktangebot anpassen.
Versicherungsschutz für den Fall von Naturkatastrophen erhöhen
In Bezug auf den Klimawandel sei spätestens seit den hohen Schäden aus der Flutkatastrophe im Ahrtal klar, dass das Thema die Versicherer konkret trifft. Der Versicherungsschutz für den Fall von Naturkatastrophen sei in Europa immer noch niedrig. Nur etwa ein Viertel aller Schäden sei heute gedeckt. In Deutschland bestehe immerhin für mehr als die Hälfte der Risiken ein Versicherungsvertrag mit entsprechender Deckung. „Aber es bleibt eine recht große Lücke“, sagte Grund.
An der politischen Diskussion über eine Elementarschaden-Pflichtversicherung will er sich nicht beteiligen. Versicherungsprämien sollten aber auch künftig entsprechend des Risikos kalkuliert werden.
Nicht zuletzt mahnte Grund, dass sich Versicherer an die gesetzlichen und aufsichtlichen Vorgaben halten. Er beobachte bei manchen Unternehmen eine „erstaunliche Kreativität bei der Nutzung aufsichtlicher Spielräume“, beispielsweise bei der Berechnung der Solvenzquote. Diese zeigt an, inwiefern Versicherer auch in einem extremen Krisenszenario ihre Verpflichtungen erfüllen können. Die Annahmen der Versicherer seien häufig sehr optimistisch.