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MigrationDiese Hürden für internationale Fachkräfte müssen wir abbauen

Deutschland hat seine Regeln bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte nicht genug vereinfacht. Noch immer scheitern qualifizierte Fachleute und Wissenschaftler an der Bürokratie.Thomas Hanke 17.07.2025 - 17:29 Uhr Artikel anhören
Ausbildung von Ingenieuren in Kigali, Ruanda: Deutschland braucht dringend ausländische Fachkräfte, doch die Zuwanderung ist oft mühsam. Foto: picture alliance / photothek

Deutschland hat einiges getan, um die Zuwanderung von Fachkräften zu erleichtern, zuletzt mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz aus dem Jahr 2023. Bei der Vergabe der sogenannten Blue Cards der EU- Aufenthaltstitel für hochqualifizierte Nicht-EU-Bürger, die einen vereinfachten Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt bieten – liegen wir weit an der Spitze. Knapp 80 Prozent der begehrten Aufenthaltstitel erteilte Deutschland, wie die EU-Kommission gezählt hat.

Dennoch werden hierzulande in drei Jahren rund 800 000 Fachleute fehlen, wie die Wirtschaftsforscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie errechnet haben. Offensichtlich sind die besseren Rahmenbedingungen noch nicht gut genug.

Dabei erkennen Experten wie Peter Blersch, Deutschlandchef des Personaldienstleisters Adecco, schon großes Potenzial für die Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Dieses werde „jedoch nur in begrenztem Umfang genutzt“, stellt er fest.

Experten erkennen diverse Hürden für die Zuwanderung von Fachkräften

Als eines der Probleme macht der Personalexperte die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse aus. „Ich wünsche mir eine schnellere und lösungsorientierte Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik“, sagt er.

Ähnliche Hürden erkennt Christian Jimenez Metzler von der Wirtschaftskanzlei KPMG Law, der Unternehmen beim Visa- und Aufenthaltsrecht unterstützt. Der Rechtsanwalt sagt: Eigentlich soll „durch das Infoportal Anabin (Anm. der Redaktion: einer Datenbank für ausländische Abschlüsse) die Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse erleichtert und beschleunigt werden.“ Ist dort ein Abschluss hinterlegt, muss der nächste Interessent mit dem gleichen Diplom dieses nicht mehr aufwändig auf Gleichwertigkeit mit einem deutschen Abschluss prüfen lassen.

Doch Jimenez Metzler beobachtet aktuell eine „strengere Auslegung“: Die Anabin-Einträge würden wieder weniger anerkannt, es werde „wieder auf die Zeugnisprüfung durch die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen verwiesen“. Diese kann nach seiner Erfahrung sehr lange dauern.

Nicht nur diese wieder langwierigere Anerkennung des Abschlusses verzögert den Zuzug. Zeit für die Ausstellung von Visa und Aufenthaltstiteln kommt hinzu.

„Das Auswärtige Amt bemüht sich um die schnellere Vergabe von Visa, Anträge können digitalisiert eingereicht werden, externe Dienstleister sind eingebunden“, erläutert Jimenez Metzler. Doch noch immer seien physische Termine zur Vorsprache nötig, moniert der Anwalt.

„Das aktuelle Aufenthaltsrecht spiegelt noch nicht den wirklichen Bedarf der deutschen Wirtschaft wider“, lautet sein Resümee. Seiner Ansicht nach wäre eine großzügigere Rechtsauslegung notwendig. „Ein wenig geht es nach dem Motto: Wir wollen Fachkräfte, aber an den unpassenden Stellen werden Steine in den Weg gelegt“, stellt der Anwalt fest.

US-Fachkräfte stehen vor einem besonderen Problem

Eine spezielle Schwierigkeit gibt es bei hochqualifizierten Arbeitskräften aus den USA: Da Fachkräfte in Deutschland oft weniger als in den USA verdienen, haben sie bei „einer Verschuldung von (umgerechnet) 300. 000 bis 500.000 Euro durch Bildungskredite einen echten Grund zu zögern“, erläutert Sabine Paul von KPMG Law. Deswegen ist ihrer Einschätzung nach bislang wohl der große Ansturm ausgeblieben, den manche nach dem Amtsantritt von Donald Trump und dem folgenden Politikwechsel in den USA erwartet hatten.

Das Auswärtige Amt äußert auf Anfrage, dass im ersten Halbjahr 2025 in den USA knapp 11.500 EU-Visa zu Kurzaufenthaltszwecken und rund 2000 nationale Visa erteilt wurden. Davon wurden rund 220 Visa an Forschende ausgestellt. Im Jahr davor seien die Zahlen minimal höher gewesen. Pauls Fazit lautet daher: Deutschland brauche „ein modernes Einwanderungsrecht, aber auch moderne Verfahren, die ansprechend sind und nicht schon vor der Reise nach Deutschland abschrecken.“

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Besonders bei Wissenschaftlern scheint dies aber genau der Fall zu sein. „Teilweise ist es für Forschende aus Indien, China und afrikanischen Ländern nur nach Wartezeiten von mehreren Monaten möglich, einen ersten Termin bei den deutschen Vertretungen zu erhalten“, bedauert Christina Beck, Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Bearbeitungszeit nimmt dann nach ihrer Erfahrung häufig weitere Monate in Anspruch. Die langwierigen Prozesse stellten „ein großes Hemmnis für die Dynamik der Forschung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“ dar, schlussfolgert Beck.

Deutschland ist attraktiv für Wissenschaftler aus anderen Ländern

Dabei ist Deutschland grundsätzlich attraktiv für internationale Wissenschaftler. „Wir stellen ein verstärktes Interesse aus den USA bei den Ausschreibungen für die Lise-Meitner-Exzellenzgruppen (Anm. der Red.: für besonders qualifizierte Wissenschaftler) fest“, sagt Max-Planck-Sprecherin Beck. Ihrer Aussage nach gibt es dort um 25 Prozent mehr Bewerbungen als vor zwei Jahren. Die Bewerbungen aus den USA haben sich in dem Zeitraum verdreifacht auf fast ein Drittel aller Einsendungen. Die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Wissenschaftsfreiheit haben also bereits Folgen.

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Unsere internationale Attraktivität wird uns allerdings nur helfen, wenn sich Bürokratie und Verwaltung nicht weiter als Hemmnis für Einwanderung hochqualifizierter Fachkräfte erweisen. Das ist bislang allerdings noch oftmals der Fall, wie die Erfahrungen aus der Praxis zeigen.

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