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Newsletter ShiftWarum man von der Ölindustrie für eine grüne Zukunft lernen kann

In den Alpen könnte uns das Wissen von Geologen ganz neue Energieformen erschließen lassen. Warum das helfen kann, die Öl- und Gasindustrie neu zu gestalten.Haluka Maier-Borst 21.08.2025 - 11:35 Uhr Artikel anhören
Die Pyrenäen aus Vogelperspektive: Hier könnte sich ein Ersatz für Erdöl verstecken Foto: Westend61

Welche Assoziationen wecken die Worte „bohren“, „fördern“, „Abbau“ bei Ihnen? Vielleicht das Bild ruß- oder ölbefleckter Arbeiter? Denken Sie an Menschen, die der Erde etwas abtrotzen – Öl, Kohle oder Gas? So ist es bei mir. Und vermutlich werden Sie wie ich bei nicht direkt die Assoziation haben: grüne Zukunft.

Bei Frank Zwaan ist das anders. Zwaan ist Geologe und forscht an der Universität Lausanne und am Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Er ermittelt aber nicht, im Gegensatz zu Generationen von Geologinnen und Geologen zuvor, wo und wie wir Menschen am besten Gas und Öl abbauen können.

Geologe Frank Zwaan: Der Forscher möchte neue Energiequellen in Europas Bergen finden. Foto: Frank Zwaan/

Zwaan und seine Kollegen arbeiten mit Computermodellen, die vorhersagen, wo auf natürlichem Wege Wasserstoff in der Erdkruste entsteht und sich sammelt. Das Spannende daran erklärt der Geologe so:

„Unsere Modelle legen nahe, dass es in den Pyrenäen, in den Alpen, auf dem Balkan und in vielen europäischen Gebirgen gewaltige, natürliche Wasserstoffvorkommen gibt“, sagt er. Aufregend ist das, weil es mit bisherigen wissenschaftlichen Gewissheiten bricht.

Bislang galt die Hypothese, dass solche Wasserstoffvorkommen vor allem in der Tiefsee, im Umfeld der sogenannten Schwarzen Raucher, existieren. Zwaans Forschung aber legt nahe, dass es nutzbaren natürlichen Wasserstoff an deutlich einfacher zugänglichen Orten gibt.

Schweizer Alpen: Der Kanton Graubünden in der Ostschweiz könnte ein potenzielles natürliches H2-Explorationsgebiet sein. Foto: Frank Zwaan/GFZ

Erste Probebohrungen in den Pyrenäen und Beobachtungen auf dem Balkan scheinen Zwaans Forschung zu bestätigen. Tatsächlich gibt es dort natürliche, förderbare Wasserstoffvorkommen, die sich obendrein potenziell regenerieren, weil sich in der Erdkruste neuer Wasserstoff bildet.

Man will nichts mit der Geologie zu tun haben, weil man das als eine dreckige, alte Industrie ansieht. Ich halte das für zu kurz gedacht.
Frank Zwaan
Geologe

Noch wichtiger als Antworten auf die Frage, wo und wie viel Wasserstoff sich in den Alpen bildet, ist für Zwaan derzeit ein anderer Aspekt: der Umgang mit den Geowissenschaften und dem Wissen aus der bisherigen Förderung von Kohle, Öl und Gas.

„Ich sehe gerade, wie zum Beispiel an der Universität Amsterdam diskutiert wird, die Fakultät für Geologie zu schließen. Man sieht darin nur noch eine dreckige, alte Industrie. Ich halte das für zu kurz gedacht“, sagt er.

Weder er noch andere können abschätzen, wie groß tatsächlich das Potenzial natürlicher Wasserstoffvorkommen ist und wie aufwendig es sein würde, sie nutzbar zu machen. Aber einen Vorteil habe man: Durch all die Jahre von Öl- und Gasförderung haben wir Menschen bereits viel Wissen gesammelt, das Forschende wie er auf das Thema Wasserstoff anwenden können.

„Wir müssen nicht wieder am selben Punkt wie vor 150 Jahren anfangen, wir sollten unsere Expertise für diese grüne Chance nutzen“, sagt er. Und gerade deshalb hält er es für so wichtig, wohlüberlegt mit den bisherigen Industriezweigen umzugehen.

Und was denken Sie? Finden Sie, dass man mehr in diese neue Richtung forschen sollte, so ungewiss auch das Ergebnis ist? Schreiben Sie uns an newsletter@handelsblatt.com. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

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Bleiben Sie optimistisch!

Dieser Text ist zuerst am 18. August 2025 im Newsletter Handelsblatt Shift erschienen. Den Newsletter können Sie hier abonnieren.

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