Zölle: Warum Trumps Zollpolitik den USA schaden wird
US-Präsident Donald Trump will mit Einfuhrzöllen die eigene Wirtschaft stärken. Ausländische Unternehmen sollen so zur Produktion in den USA gezwungen werden, damit das Defizit im Güterhandel mit der EU, Mexiko und China sinkt.
Viele Ökonomen glauben, dass Trump den Vereinigten Staaten damit mehr schadet als nutzt. „Das Problem ist, dass solche Zölle ‚beggar-thy-neighbor policies‘ sind, ein Land profitiert auf Kosten der anderen,“ sagt Ralph Ossa, Chefvolkswirt der Welthandelsorganisation (WTO). Andere Länder ahmten das nach, „und am Ende stehen alle schlechter da“.
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Abgesehen davon ist schon Trumps Diagnose einseitig, denn die USA erzielen im Handel mit Dienstleistungen einen hohen Überschuss gegenüber der EU.
Eine grundsätzlichere Frage ist, ob es in der Geschichte überhaupt Beispiele dafür gibt, dass Importzölle die eigene Wirtschaft stärken. Ein oft zitierter Fall sind die unter Reichskanzler Bismarck verhängten Zölle auf Stahl und Getreide. Einige Historiker sehen sie als Erfolg an.
Die jungen deutschen Lobbys der Stahlhersteller und der Getreidebarone wollten während der durch Überproduktion ausgelösten Gründerkrise der 1870er-Jahre die ausländische Konkurrenz ausschalten. Sie brachten Bismarck dazu, seine liberale Politik aufzugeben und 1879 Schutzzölle einzuführen. Damit gelang es, hohe Preise im Inland aufrechtzuerhalten. Das ging zulasten der Verbraucher, deren Kaufkraft litt.
Permanenter Schutz mit negativen Folgen
Die USA experimentierten bereits 1930 mit Schutzzöllen: Mit dem Smoot-Hawley Act führten sie Importabgaben ein, um die eigene Wirtschaft zu begünstigen. Sie verschärften damit aber die Weltwirtschaftskrise und ließen bald wieder davon ab.
Der Aufstieg der südostasiatischen Staaten wie Südkorea und Taiwan gilt manchen Historikern als Erfolg von Schutzzöllen. Innerhalb weniger Jahrzehnte wuchsen die Länder von Agrargesellschaften zu Industriemächten heran.
Wichtiger als die Zölle, die diese Länder in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts anwendeten, war aber ein anderer Faktor: Die damals herrschenden Diktaturen verboten freie Gewerkschaften. Die sich bildende Arbeiterschicht war gezwungen, zu Hungerlöhnen zu arbeiten – ein Kostenvorteil, der die exportorientierten Industrien begünstigte.
Rolf Langhammer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) schlussfolgert, es gebe zwar das alte Erziehungszoll-Argument: Ein kleines Land entwickelt seine Industrie hinter einem Wall aus Schutzzöllen, bis es international wettbewerbsfähig sei. „Aber das ist nicht die Situation der USA, sie sind kein kleines Land, das seine Industrie aufbaut.“
Aus der Vergangenheit wisse man, dass aus vorübergehendem Schutz permanenter wurde, mit negativen Folgen: „Nigeria, Brasilien, alle haben gedacht, sie könnten ihre Industrie hinter Zollmauern wettbewerbsfähig machen, doch das war ein großer Fehlschlag.“
Erfolgreich war dagegen der Abbau der Handelsschranken in den vergangenen Jahrzehnten. „Die durchschnittlichen handelsgewichteten Zölle … haben sich in den letzten drei Jahrzehnten um mehr als zwei Drittel verringert, von 6,9 Prozent im Jahr 1996 auf zwei Prozent im Jahr 2022“, schreibt die Welthandelsorganisation (WTO) in ihrem „World Trade Report 2024 – Trade and inclusiveness: How to make trade work for all“. Die weltweite Wirtschaftsleistung hat sich seit 2000 mehr als verdreifacht.
Doch bereits die US-Regierung unter Präsident Richard Nixon misstraute dem Freihandel, ähnlich wie Trump heute. Als die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG ein Wirtschaftsabkommen mit Spanien unter Diktator Franco verhandelte, warnte Fred Bergsten vom Nationalen US-Sicherheitsrat 1970: Die Europäer könnten mit ihren Partnern auf mittlere Sicht einen deutlich größeren Teil des Welthandels, der Devisenreserven und der Stimmen in internationalen Organisationen kontrollieren als die USA. Sie sollten dagegenhalten.
Henry Kissinger als Nationaler Sicherheitsberater überzeugte Nixon jedoch, dass die Sicherheitspartnerschaft mit den Europäern wichtiger sei als eventuelle ökonomische Nachteile. Trump fehlt Vieles – unter anderem ein Kissinger.