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KommentarAutonomes Fahren – die bittere Erkenntnis bei Mercedes

Automatisiertes Fahren für alle Modelle statt autonomes System in der S-Klasse: Dass Mercedes auf Assistenten in allen Autos setzt, ist ein Eingeständnis – aber die richtige Entscheidung.Michael Scheppe 11.01.2026 - 16:54 Uhr
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CLA in San Francisco: Mercedes-Benz passt seine Strategie beim autonomen Fahren an. Foto: Mercedes-Benz

Mit seinem Autopiloten war Mercedes-Benz ein Vorreiter der Branche. Als erster Fahrzeugbauer hatten die Schwaben 2021 eine Genehmigung für freihändige Fahrten auf deutschen Autobahnen bekommen. Ein Durchbruch. Mittlerweile können Kunden die S-Klasse und das elektrische Pendant EQS mit bis zu 95 Kilometer pro Stunde fahren lassen – und nebenher etwa Filme schauen.

In der überarbeiteten S-Klasse, die Mercedes Ende Januar vorstellt, wird diese Funktion wohl nicht mehr enthalten sein. Stattdessen bringt der Konzern in China und den USA und perspektivisch in Europa ein Assistenzsystem auf den Markt, das in der Stadt den Fahrer zwar merklich unterstützt, aber nicht mehr das freihändige autonome Fahren ermöglicht.

Sein System für den urbanen Raum will Mercedes über alle neuen Modelle ausrollen. Der autonome Assistent soll erst mit verbesserten Funktionen in einigen Jahren wieder auf den Markt kommen.

Damit könnte Mercedes zwar einige seiner Nobelkunden vergrätzen. Der Konzern trifft aber die betriebswirtschaftlich richtige Entscheidung. Augenscheinlich war die Nachfrage nach dem autonomen Assistenten nicht so hoch wie erhofft, dafür sind es die Produktionskosten.

Der Assistent braucht etwa gutes Wetter und ein vorausfahrendes Fahrzeug. 6000 bis 9000 Euro Aufpreis ist das vielen Kunden nicht wert. Fürs autonome Fahren verbaut Mercedes aus Sicherheitsgründen unter anderem einen teuren Lidarsensor. Beim automatisierten System für die Stadt reichen günstigere Ultraschallsensoren.

Seine veränderten Prioritäten helfen dem Dax-Konzern auch dabei, die Kosten zu drücken. In der Produktion müssen diese bis 2027 um mindestens zehn Prozent im Vergleich zu 2025 sinken. Auch das neue Preissystem ergibt Sinn: Statt eine hohe Einmalzahlung beim Autokauf zu leisten, können Kunden den Assistenten per Abo buchen – das bringt über Jahre Geld.

Automatisiertes Fahren in allen Modellen

Die veränderte Strategie ist auch das Eingeständnis, sich beim autonomen Fahren nicht nur auf Kunden von Oberklassenlimousinen zu konzentrieren. Der Stadtassistent ist als Erstes für die neue Coupé-Limousine CLA erhältlich – ein Einstiegsmodell, das weniger als die Hälfte der S-Klasse kostet. Die Hoffnung: mehr Kunden, mehr Umsatz.

Das Vorgehen passt zur beerdigten Luxusstrategie. Mercedes hat sein Zielbild verbreitert und will – anders als vor Jahren angekündigt – den Fokus nicht allein auf margenstarke Fahrzeuge der Oberklasse setzen, sondern Premiumfahrzeuge in allen Preisklassen bauen.

Mercedes kann seine Strategie auch deshalb anpassen, weil es deutliche technische Fortschritte etwa bei Künstlicher Intelligenz und Halbleitern gibt. Der Assistent für den urbanen Raum muss in der Stadt sogar komplexere Situationen als auf der Autobahn beherrschen – weil etwa mit Fußgängern und Radfahrern mehr Akteure auf den Straßen sind.

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Einen Wehrmutstropfen aber gibt es: Das Autobahnsystem hatte Mercedes zuerst in Deutschland auf den Markt gebracht. Den Stadtassistenten dagegen gibt es seit einigen Wochen in China und ab Jahresende in den USA. Die europäischen Behörden haben die Technik bislang nicht zugelassen.

Für den US-Markt verbaut Mercedes im neuen CLA standardmäßig alle nötigen Sensoren im Werk Rastatt – ob der Kunde den Assistenten kauft oder nicht. In Deutschland wird darauf offenbar aus Kostengründen verzichtet. Wegen fehlender Hardware lässt sich das System auch nicht im Nachhinein aufspielen. Schade!

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