Kommentar: Die Nato gewinnt an Bedeutung – und wird dieser gerecht
Beim Nato-Gipfel wurde das Aufnahmeverfahren für Finnland und Schweden gestartet.
Foto: APFür eine Institution, die kürzlich noch als „hirntot“ (Macron) und „obsolet“ (Trump) bezeichnet wurde, zeigt sich die Nato doch recht vital. Mehr noch: Das Verteidigungsbündnis gewinnt die Bedeutung zurück, die es zuletzt auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs in den 60er- und 70er-Jahren hatte.
Die Nato-Partner geben sich eine neue Strategie, die der Bedrohung durch Russland Rechnung trägt. Sie stocken ihre schnelle Eingreiftruppe von 40.000 auf 300.000 auf. Und das Wichtigste: Die Nato erweitert sich um Finnland und Schweden – zwei mustergültige Demokratien mit recht großen militärischen Kapazitäten. Beide geben ihre Neutralität auf, die jahrzehntelang Staatsräson war.
Nato: Wladimir Putin hat sich verkalkuliert
Auch das lässt sich unter dem Begriff „Zeitenwende“ subsumieren – genauso wie der Bewusstseinswandel in Deutschland. Jahrzehntelang hatte die größte Volkswirtschaft die Landesverteidigung mehr oder weniger an die USA delegiert. Damit ist jetzt Schluss.
Sicherheitspolitik gehört wieder ins Zentrum politischen Interesses – der abscheuliche Krieg in der Ukraine macht es möglich.
Wladimir Putin hat, zumindest was die Nato angeht, das Gegenteil dessen erreicht, was er eigentlich mit der Invasion bezweckte: den Westen spalten oder gar marginalisieren, indem er die USA Stück für Stück aus Europa herausdrängt. Der Kriegsherr hat sich verkalkuliert.