Der Chefökonom: Die EZB ist wie ein Schiff ohne exakten Kompass

In der vergangenen Woche hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont, dass der von der EZB verfolgte geldpolitische Kurs strikt von den vorliegenden Daten bestimmt werde. Aus diesem Grund ließ die Notenbank die Leitzinsen für den Euroraum unverändert. Damit sollte den Finanzmarktakteuren eine Leitlinie gegeben werden.
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In Tat und Wirklichkeit sind Lagarde und ihre Führungscrew allerdings – um im maritimen Bild zu bleiben – Seefahrer ohne exakten Kompass und präzise Seekarten – und dies gilt nicht minder für die anderen wichtigen Zentralbanken. Laut den Europäischen Verträgen ist die EZB vorrangig der Geldwertstabilität in der Eurozone verpflichtet. Seit 2021 definiert die Notenbank dieses Ziel als eine Inflation von „mittelfristig und symmetrisch zwei Prozent“.
Diese Marke wurde in den vergangenen Jahren verfehlt. Seit nunmehr 36 Monaten liegt der Preisniveauanstieg im Euroraum teils deutlich über zwei Prozent. Nach Daten für den zurückliegenden Juni sank die Inflationsrate zwar leicht auf 2,5 Prozent. Doch ob und wann die Inflation wieder stabil bei zwei Prozent liegen wird, ist nicht absehbar. Wahrscheinlicher dürfte ein Schwanken in der Spanne zwischen zwei und drei Prozent sein.