Editorial: Die deutsche Wirtschaft braucht einen Zukunftspakt
Sebastian Matthes ist Chefredakteur des Handelsblatts.
Foto: Max Brunnert für HandelsblattDie Gleichzeitigkeit der multiplen Krisen, die Europa gerade erschüttern, erreichte diese Woche einen weiteren Höhepunkt. Erst stoppte Gazprom die Gaslieferungen durch die Nord-Stream-1-Pipeline, kurz darauf verkündete die Bundesregierung ein durchaus wuchtiges Entlastungspaket, dessen Finanzierung Ende dieser Woche allerdings immer noch alles andere als geklärt ist.
Und mit einem kräftigen Zinsschritt setzte die EZB zwar ein Signal gegen die Inflation – ob es am Ende allerdings hilft, ist völlig ungewiss. Denn ein großer Teil der hohen Preissteigerungen hängt an steigenden Energiepreisen. Und der Gaspreis, das war nur eine logische Folge, schoss in die Höhe. Wieder einmal. Und nach dem dritten Entlastungspaket ist vor dem vierten Entlastungspaket. Und so wird es weitergehen.
Natürlich ist es richtig, Belastungen abzufedern. Menschen mit niedrigem Einkommen zu helfen, mit den steigenden Energiekosten klarzukommen, über den Abbau der sogenannten Kalten Progression die automatischen Steuererhöhungen zu reduzieren. Allerdings machen die Hilfspakete derzeit eher den Eindruck, es wirklich allen Recht machen zu wollen.