Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastbeitrag Mehr Homeoffice, Flucht aus der Stadt: Wie sich das Wohnen nach Corona verändern wird

Die Pandemie verändert das Leben in den Städten und auf dem Land. Homeoffice und neue Wohnformen erfordern neue Antworten von Städteplanern und Immobilienwirtschaft.
26.10.2020 - 18:57 Uhr Kommentieren
Daniel Dettling (links) leitet das von ihm gegründete Institut für Zukunftspolitik, Bernd Hertweck ist Vorstandsvorsitzer des Verbands der privaten  Bausparkassen sowie der Bausparkasse Wüstenrot.
Die Autoren

Daniel Dettling (links) leitet das von ihm gegründete Institut für Zukunftspolitik, Bernd Hertweck ist Vorstandsvorsitzer des Verbands der privaten Bausparkassen sowie der Bausparkasse Wüstenrot.

Die Corona-Pandemie beschleunigt Trends, die sich bereits vor ihrem Ausbruch gezeigt haben: Homeoffice, Wohnen im Umkreis der Großstädte und gemeinschaftliches Wohnen in der Stadt. Nach der Krise wollen viele Menschen weiterhin teilweise von zu Hause aus arbeiten. Sie sehnen sich nach einem ruhigeren Wohnen in eher ländlich geprägten Gebieten, träumen verstärkt von eigenen vier Wänden und suchen mehr Gemeinschaft.

Einer noch unveröffentlichten repräsentativen Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Kantar zufolge denkt fast jeder zehnte Bundesbürger (neun Prozent) im Kontext Homeoffice/Corona über eine Veränderung seiner Wohnsituation nach – und das unabhängig vom Haushaltseinkommen.

In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es 15 Prozent, und bei den 14- bis 29-Jährigen ist es sogar jeder Fünfte (22 Prozent). Drei Trends werden die Nachfrage nach mehr und schönerem Wohnraum steigen lassen: neues Arbeiten, Suburbanisierung und Co-Living.

Neues Arbeiten

Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Hybride Arbeitszeitmodelle zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice werden vom Minderheiten- zum Mehrheitsphänomen. Sieben von zehn Deutschen gaben bei einer Erhebung des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation an, nach Corona häufiger daheim arbeiten zu wollen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das Homeoffice ist gesellschaftsfähig geworden. Bis zu einem Drittel weniger Bürofläche wird laut Expertenschätzungen künftig gebraucht. Immobilienkosten sind für die meisten Unternehmen der zweitgrößte Ausgabenposten. Die Unternehmen werden verstärkt räumliche Mobilität unterstützen. Viertel, in denen nur gearbeitet oder nur gewohnt wird, werden in Zukunft nicht mehr entstehen. Wohnquartiere werden so geplant, dass alles an einem Ort möglich ist. Aus Büros mit einzelnen Schreibtischen werden kommunikative Begegnungsräume.

    Und weniger Büroflächen bedeuten mehr Platz fürs Wohnen. Frühere „Schlafstätten“ werden zu Rückzugsorten mit Home Entertainment und Fitnessbereich. Immer mehr Menschen wollen ein Arbeitszimmer und eigene Zimmer für alle Kinder. Mehr Platz und mehr Grün können sich viele Familien aber nur außerhalb der großen Städte leisten. Die Pandemie wird den Trend zur Suburbanisierung verstärken.

    Suburbanisierung

    Schon vor Corona gab es einen Trend zur Stadtflucht. Während die deutschen Großstädte fast ausschließlich durch den Zuzug junger Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren wachsen, zieht die Altersgruppe 40 plus zunehmend in den Umkreis der Großstädte oder sogar aufs Land. Vor- und Kleinstädte rücken in den Fokus. Regionalität, Natur und Heimat sind wieder angesagt. Die Provinz wird progressiv.

    Dafür gibt es nicht nur finanzielle Gründe. Der ländliche Raum gilt aufgrund der Corona-Erfahrungen für viele als sicherer und „virenfreier“. Laut einer Umfrage des ZDF sind 78 Prozent davon überzeugt, dass es für Kinder besser ist, auf dem Land aufzuwachsen – gegenüber zehn Prozent, die das für die Großstadt sehen. Immer mehr Workspaces entstehen am Stadtrand und im ländlichen Raum. Die Folge sind weniger Pendelverkehr und weniger Umweltbelastung.

    Co-Living: Balkon-Konzerte und gemeinsames Klatschen aus Fenstern sind zum Bild der Coronakrise geworden. Sie standen für die Zuversicht, dass selbst in sozialer Isolation Zusammenhalt und Solidarität möglich sind. Wer die Zeit des Social Distancing allein daheim verbringen musste, denkt neu über gemeinsames Wohnen nach.

    Gemeinsam ist man weniger einsam, und erst im Kollektiv sind wir oft kreativ. Auch neue gemeinschaftliche Formen sind schon länger im Trend. Durch Corona werden sie an Geschwindigkeit zulegen.

    Ob als private Gruppe von Eigentümern oder unter dem Dach einer Genossenschaft: Co-Living steht für weniger Flächenverbrauch und bezahlbaren Wohnraum mit Lebensqualität und Gemeinsinn. Etliche Kommunen unterstützen solche Wohnformen. Auch die Nachfrage nach „Mehr-Generationen-Wohnen“ wird steigen. Viele erwachsene Kinder sind in der Coronazeit ins Elternhaus zurückgekehrt und haben die Vorteile ihrer Heimatorte wiederentdeckt.

     Unser Lebensschwerpunkt wird in Zukunft vermehrt das Zuhause sein. Das erfordert neue Antworten von Städteplanern, Bauwirtschaft, Architekten, Immobilienunternehmen und den Kommunen. Denn eines ist sicher: „Stay at home“ wird uns auch nach Corona begleiten.

    Mehr: Die Wohnungsmärkte sind trotz Corona stabil – im Gegensatz zu anderen Bereichen der Immobilienbranche. Vor allem der Einzelhandel erweist sich als Problem.

    Startseite
    Mehr zu: Gastbeitrag - Mehr Homeoffice, Flucht aus der Stadt: Wie sich das Wohnen nach Corona verändern wird
    0 Kommentare zu "Gastbeitrag: Mehr Homeoffice, Flucht aus der Stadt: Wie sich das Wohnen nach Corona verändern wird"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%