Kommentar: 30 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion: Der neue Kalte Krieg darf nicht heiß werden
Putin baut an einer Sowjetunion 2.0.
Als Michail Gorbatschow am 25. Dezember vor 30 Jahren seinem Volk das Ende der Sowjetunion verkündete, bekam er am Schluss nicht einmal mehr seine gewohnte Tasse Tee. Moralisch gedemütigt, in Abwehrschlachten gegen die Anführer abtrünniger Republiken abgenutzt und vom großen Rivalen Boris Jelzin besiegt, ließ der Reformer und Friedensnobelpreisträger die rote Fahne mit Hammer und Sichel über dem Kreml einholen.
300 Menschen versammelten sich auf dem Roten Platz, um gegen die Auflösung der UdSSR zu protestieren – bei 287 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der Sowjetunion. Die Totengräber der UdSSR saßen also nicht in Washington, Brüssel oder Berlin. Es war vor allem auch das von Jelzin angeführte Russland, das die Union sprengte.
Jelzins Nachfolger Wladimir Putin, der den Untergang der Sowjetunion bis heute als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet, weist indes dem Westen die Verantwortung für den Zerfall der UdSSR zu. So wie er behauptet, die USA und ihre Verbündeten betrieben in der Ukraine eine „aggressive“ Politik. Dabei wurde der zweitgrößte Nachfolgestaat der Sowjetunion auch 30 Jahre nach seiner Unabhängigkeit weder in die Europäische Union noch in die Nato aufgenommen.