Kommentar: BASF gibt ein schmerzhaftes Eingeständnis ab

Bei dem Ziel, den Unternehmenswert von BASF wieder deutlich zu steigern, hat der erste Schuss nicht gesessen. Die Aktie des deutschen Chemiekonzerns verlor am Donnerstag gut zwei Prozent, als der neue Vorstandschef Markus Kamieth den Investoren seine Pläne für die Zukunft präsentierte.
So recht überzeugt von der neuen Strategie zeigten sich die Investoren noch nicht. Schockiert sind die vielen Privatanleger, die BASF-Aktien wegen einer beständig wachsenden Dividende halten. Sie werden künftig deutlich weniger Geld bekommen.
Es passt ins Bild: Den Kurs, den BASF seit vielen Jahren fährt, wird der Konzern nicht halten können. Die neue Strategie zeugt von diesem schmerzhaften Eingeständnis. Der neue Vorstandschef nimmt eine Anpassung an eine dramatisch veränderte Realität vor, mit der viele deutsche Konzerne kämpfen.
» Lesen Sie auch: BASF-Chef bereitet Beschäftigte auf Umbau und weitere Einschnitte vor
Die Weltkonjunktur schwächelt seit Jahren – und das setzt den Industriekonzernen immer mehr zu. In Deutschland und Europa geht es kaum voran, schon jetzt wird eine Erholung weit ins Jahr 2025 vertagt. Dazu kommen die Kostenprobleme am heimischen Standort, etwa durch die verteuerte Energie. Wäre China als Volkswirtschaft zuletzt wieder so gewachsen wie vor der Covidpandemie, wäre die deutsche Wirtschaft aktuell wohl in einer anderen Verfassung. Auch das ist nicht eingetreten.
Von all diesen Faktoren ist BASF besonders abhängig. Deswegen ist es nötig, dass sich der Konzern den neuen Realitäten anpasst. BASF mag noch der größte Chemiekonzern der Welt sein. Er wird aber von allen Seiten von spezialisierten und kapitalstarken Wettbewerbern angegriffen. Es wäre sträflich, sich in dieser Welt an die alten Konzepte zu klammern.
Eine immer weiter steigende Dividende kann sich der Konzern ebenso wenig leisten wie ein Füllhorn an Investitionsmitteln. BASF muss sich fokussieren. Das integrierte Verbundmodell des Konzerns bringt zwar viele Vorteile im Wettbewerb.
Doch wie in allen Mischkonzernen gilt: Es ist immer schwieriger, ein Sammelsurium von Einheiten gleichermaßen erfolgreich zu betreiben und mit genügend Kapital zur Zukunftssicherung auszustatten. BASF kann das in der bisherigen Struktur nicht.
Mit einem Portfolioumbau und möglichen weiteren Anlagenschließungen ist es aber nicht getan. BASF muss beweisen, dass der Konzern den neuen Konkurrenten überlegen ist: in Technologie, Wissen und Innovationskraft. Das gilt vor allem für die grüne Transformation der Chemie, die trotz aller Bremskräfte kommen wird – und in der die deutschen Anbieter vorn mitspielen können.