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Kommentar Bei US-Staatshilfen ist mehr Differenzierung notwendig

Müssen Konzerne wie Boeing und American Airlines wirklich gerettet werden? Mit manchen Unternehmen meint es Washington offenbar zu gut.
29.04.2020 - 14:32 Uhr Kommentieren
Im März forderte der Flugzeugbauer Staatshilfen in Milliardenhöhe. Quelle: Reuters
Boeing-Maschine an der Fassade einer Fabrik

Im März forderte der Flugzeugbauer Staatshilfen in Milliardenhöhe.

(Foto: Reuters)

Die massiven Staatshilfen in den USA sind nicht immer gerechtfertigt. Kein Zweifel: Kleine und mittelständische Unternehmen brauchen in dieser Corona-Ausnahmesituation Geld.

Aber zu oft bekommen solche Unternehmen Milliardenhilfen, die sich auch am Kapitalmarkt finanzieren könnten, den sie vorher so großzügig bedient hatten. Dafür sollten nicht die Steuerzahler aufkommen. Mehr Differenzierung ist gefragt.

Die US-Regierung versucht mit ihrem Rekordhilfen die Wirtschaft durch die Krise zu bringen. Zwei Billionen Dollar hat der Kongress bereits im März bewilligt. Weitere 500 Milliarden Dollar könnten diese Woche hinzukommen.

Grundsätzlich ist diese Geldschwemme durchaus gerechtfertigt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können ohne Staatshilfen nicht überleben. Aber bei vielen Großkonzernen sollte man genauer hinschauen.

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    Derzeit verteilt Washington nicht nur direkte Hilfen, um die Gehälter der Mitarbeiter zu sichern. Die US-Regierung bietet vielen Unternehmen auch Kredite zu Sonderkonditionen an.

    Allein an die Fluggesellschaften vergibt der Staat 25 Milliarden Dollar in Form von Direkthilfen und Krediten. Weitere 25 Milliarden Dollar stehen ihnen darüber hinaus als Sonderkredite ebenfalls zur Verfügung.

    Doch sind diese wirklich nötig ? In den vergangenen Wochen haben selbst von der Coronakrise hart getroffene Unternehmen wie Carnival Cruise Lines, Expedia und Ford gezeigt, dass sie auch in diesen schwierigen Zeiten am Kapitalmarkt Milliarden Dollar aufnehmen können.

    Kapitalmarkt weiterhin offen

    Bei Carnival Cruise überstieg die Nachfrage nach Anleihen sogar das Angebot. Der Kreuzfahrt-Anbieter konnte sie zu einem niedrigeren Zins am Markt platzieren. Insgesamt hat sich das stark gebeutelte Unternehmen 9,5 Milliarden Dollar zusätzliche Liquidität in Form von Anleihen, Wandelanleihen und Aktien besorgt.

    Auch das angeschlagene Online-Reiseportal Expedia ist gerade dabei, eine Anleihe über zwei Milliarden Dollar am Markt zu platzieren. Der Autokonzern Ford, dessen Kreditwürdigkeit Ende März auf Junk-Status gesenkt wurde, konnte sich Mitte April problemlos zwei Milliarden Dollar besorgen. Das heißt: Anders als in der Finanzkrise steht der Kapitalmarkt weiter offen.

    Die Coronakrise ist eine Ausnahmesituation. Kein Zweifel. Aber dass ausgerechnet jene Unternehmen jetzt nach dem Staat rufen, die zuvor ihr gesamtes Handeln nach den Kapitalmärkten ausgerichtet haben, geht zu weit.
    Zur Erinnerung: Die Fluggesellschaften haben in der Vergangenheit Milliarden für den Rückkauf ihrer eigenen Aktien ausgegeben. Damit haben sie ihren Gewinn pro Aktie und damit den Börsenkurs künstlich erhöht.

    Delta hat allein in den vergangenen zwei Jahren 3,7 Milliarden Dollar allein für Aktienrückkäufe ausgegeben. Bei United Airlines waren es 3,8 Milliarden Dollar und bei American Airlines knapp zwei Milliarden Dollar. Das sind insgesamt 9,5 Milliarden Dollar in nur zwei Jahren. Ein Puffer, den sie in der Krise gut gebrauchen können.

    Soll man solchen Unternehmen nun auch noch günstige Kredite auf Kosten der Steuerzahler bieten? Sollten sie sich nicht lieber selbst neues Fremdkapital besorgen, indem sie neue Anleihen begeben?

    Natürlich ist es teurer, sich jetzt am Markt zu finanzieren. Carnival Cruise zahlt seinen Gläubigern bei den jüngsten Anleihen 11,5 Prozent Zinsen. Bei Ford waren es zwischen acht und neun Prozent.

    Hohe Zinsen

    Aber auch all die anderen Unternehmen, denen ebenfalls das Geschäft wegbricht, die aber nicht in die Gunst von massiven Staatshilfen kommen, sind dazu gezwungen, hohe Zinsen zu zahlen.

    Dass die Not manchmal doch nicht so groß ist wie Konzerne glauben machen wollen, zeigt das Beispiel von Boeing. Noch Mitte März hat der Airbus-Konkurrent nach 60 Milliarden Dollar Staatshilfen gerufen. Als dann aber klar wurde, dass Boeing im Zuge des Hilfspakets in den kommenden Jahren auf Aktienrückkäufe und Arbeitsplatzabbau verzichten müsste, war die Lage auf einmal nicht mehr so bedrohlich.

    Bis heute hat Boeing sich nicht dazu geäußert, ob sich das Unternehmen um die 17 Milliarden Dollar bewerben will, die in dem ersten Hilfspaket für den Konzern infrage kämen. Diese Woche läuft die Frist für den Antrag auf die Hilfen aus.

    Vielleicht reicht die Liquidität von Boeing auf einmal also doch aus, zumal es das Kapital vom Staat nicht ohne jede Fessel gibt. Vielleicht haben auch die von Boeing beauftragten Investmentbanker dem Konzern doch zu privaten Krediten geraten – damit ihnen keiner reinreden kann.

    Es kann nicht angehen, dass der Kapitalmarkt nur dann die Regeln bestimmt, wenn es darum geht, mit Aktienkursen und großzügigen Dividenden den Kurs und damit die Boni anzukurbeln. Der Kapitalmarkt bestimmt auch dann die Regeln, wenn die Risikoaufschläge steigen, weil die privaten Investoren ein höheres Risiko eingehen, wenn sie die Unternehmen in diesen Zeiten finanzieren. Da ist Konsequenz gefragt.

    Mehr: Airbus macht Millionenverlust – doch verzichtet weiter auf Staatshilfe.

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