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KommentarBlume verkalkuliert sich – Porsche steht vor einem teuren Problem

Für Porsche bedeutet das Scheitern der Cellforce-Batteriezellfertigung nicht nur einen Rückschlag, sondern auch massive Kosten. Unklar bleibt, was mit den staatlichen Fördergeldern passiert.Lazar Backovic 25.08.2025 - 12:46 Uhr
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Oliver Blume, Chef von Volkswagen und Porsche AG: War Cellforce womöglich von Beginn an zu ambitioniert? Foto: REUTERS

Stellen Sie sich vor, in Deutschland stünde eine hochmoderne Batteriezellfertigung: Reinraumtechnik, Trockenstraße, alles „made in Germany“. Ein Musterprojekt, gedacht als Gegengewicht zur Dominanz aus Asien. Dieses Werk gibt es – in der Nähe von Tübingen, bei Cellforce, einer Porsche-Tochter.

Aber nach diesem Montag liegt die Fabrik de facto still. In einer internen Mitarbeiterversammlung wurde verkündet, dass rund 200 der knapp 290 Beschäftigten gehen müssen, die Produktion wird eingestellt und nur der Forschungsbereich bleibt bestehen. Wie es für die kleine Akkufabrik in der schwäbischen Idylle weitergeht, ist völlig offen.

Parallelen zu Northvolt drängen sich auf. Auch beim schwedischen Start-up war der Anspruch groß: eine europäische Antwort auf CATL und LG schaffen. Doch die Realität sah anders aus. Kunden sprangen ab, weil Antworten auf Qualitäts- und Finanzierungsprobleme fehlten, die Insolvenz folgte.

Cellforce

„Der Vorstand tritt die Porsche-Kultur mit Füßen“ – Wie es bei der Batterietochter jetzt weitergeht

Inzwischen ist das US-Start-up Lyten eingestiegen. Ob Northvolt damit je in die Serienfertigung kommt, ist unklar.

Cellforce, wenn auch in kleinerem Maßstab, steht nun ohne Insolvenz vor ähnlichen Fragen: Was ist von der eigenen Ursprungsidee noch zu retten – und war sie womöglich von Beginn an zu ambitioniert?

Für Porsche sind die Einschnitte einerseits ein Eingeständnis, dass Konzernchef Oliver Blume seine Batteriestrategie überdehnt hat. Einstiege bei Varta, Kooperationen mit Northvolt – und am Ende die Kehrtwende zu Zulieferern wie LG und CATL. Wozu man Cellforce eigentlich noch braucht, war in Zuffenhausen längst eine offene Frage. Die Antwort hätte man wohl früher suchen müssen.

Andererseits steht Cellforce für ein größeres europäisches Problem. Andere Projekte kämpfen ebenso – nicht nur Northvolt. Die VW-Tochter Powerco baut zwar in Salzgitter eine Gigafactory, die demnächst öffnen soll. Doch auch dieses Vorhaben wurde zurechtgestutzt und soll langsamer hochfahren als geplant.

Cellforce-Logo in Reutlingen: Die Porsche-Tochter streicht einen Großteil der Jobs. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Botschaft ist überall ähnlich: Eine Fabrik allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob Batteriezellen verlässlich, günstig und in hohen Stückzahlen produziert werden. Asiatische Hersteller beherrschen das seit Jahren, Europa bisher nicht.

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Für Porsche bedeutet das Scheitern nicht nur einen Rückschlag, sondern auch massive Kosten. Unklar bleibt, was mit den staatlichen Fördergeldern passiert. Bund und Land steckten 60 Millionen Euro in Cellforce, ein großer Teil soll bereits ausgezahlt worden sein. Für Steuerzahler wäre das heikel – schließlich steht die Politik schon wegen Northvolt unter Druck.

Erstpublikation: 25.08.2025, 16:45 Uhr.

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