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KommentarCorona wird bei Lebensversicherungen zum Renditekiller

In der Coronakrise wirken die gewaltigen Zuwächse im Jahr 2019 wie aus einer anderen Epoche. Nur die Aussicht auf noch weniger Zinsen treibt noch das Neugeschäft.Christian Schnell 04.05.2020 - 15:36 Uhr

2019 waren die Einzahlungen der Deutschen in die beliebte Anlageform so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Foto: dpa

Die Zahlen wurden erst vor einem Vierteljahr publik, wirken heute aber wie aus einer anderen Epoche. Gut 102 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr in ihre Lebensversicherung eingezahlt, 11,3 Prozent mehr als ein Jahr davor. Eine solche Steigerung hatte es in den zwei Jahrzehnten davor nicht mehr gegeben.

Wenige Monate später ist bereits klar, dass die Deutschen in diesem Jahr weit weniger bereit sein dürften, in diese Form der Absicherung zu investieren. Weil sie in Zeiten von Kurzarbeit und der Angst um den Arbeitsplatz weniger Geld zur Verfügung haben. Weil sie aber auch in Zukunft weniger Zinsen für neu abgeschlossene Policen bekommen werden.

Die Coronakrise hat bestehende Probleme noch einmal verstärkt. Durch die vehementen Stützungsmaßnahmen der Zentralbanken ist das Zinsniveau für die bei Lebensversicherern besonders beliebten Staatsanleihen noch einmal gesunken. Nennenswerte Renditen lassen sich so wohl auch in den kommenden Jahren nicht erzielen.

Zudem haben die Versicherungsmathematiker, die in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) zusammengeschlossen sind, zum Wochenauftakt die gewaltige Summe von 75 Milliarden Euro in den Raum gestellt.

Die müssten die Lebensversicherer wohl in den kommenden zehn Jahren für ihre Versprechungen aus der Vergangenheit als sogenannte Zinszusatzreserve zurücklegen. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle.

Existenzbedrohend ist das zwar alles nicht, noch kann sich das die Branche sehr gut leisten. Die weiteren Folgen für Kunden zeichnen sich jedoch jetzt schon ab. Der Garantiezins für klassische Lebensversicherungen mit fester Verzinsung soll weiter sinken. Von 0,9 Prozent im Moment dürfte es im kommenden Jahr auf 0,5 Prozent gehen.

An manchen Stellen ist gar schon von 0,4 Prozent die Rede. Womöglich sorgt die Aussicht darauf in diesem Jahr noch mal für einen kleinen Schub bei den Neuabschlüssen, ehe der Einbruch dann ab 2021 deutlich spürbar wird.

Wer aber jetzt noch abschließt, der nutzt die Lebensversicherung als reine Geldanlage. So, wie es viele Kunden bereits im vergangenen Jahr getan haben, als der Kauf von Policen gegen Einmalzahlung um satte 37,1 Prozent gestiegen war. Auch solche Steigerungsraten wirken heute schon wie aus einer anderen Epoche.

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