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KommentarDa sind die alten Probleme der Lufthansa wieder

Das Team um CEO Carsten Spohr hat das Unternehmen gut durch die Pandemie gebracht. Nun zeigt sich aber: Lufthansa ist nach wie vor nicht resilient genug. Das hat vor allem eine Ursache.Jens Koenen 31.07.2024 - 15:12 Uhr
Lufthansa-Jets am Flughafen Frankfurt: Die Kernmarke des Konzerns bangt um die schwarze Null. Foto: Andreas Arnold/dpa

Was für ein Wechselbad der Gefühle – für Investoren und auch die Mitarbeiter der Lufthansa-Gruppe. 2020 mussten sie um die Zukunft von Europas größtem Luftfahrtkonzern fürchten. Dann folgte ein rasanter Wiederaufstieg. Und nun der erneute Absturz. Ergebnisziele werden verfehlt, der Aktienkurs ist ein einziges Trauerspiel.

Die Analysten von Stifel haben die Stimmung vieler Anleger neulich so auf den Punkt gebracht: Die alte Regel, bei schlechten Nachrichten zu kaufen, werde nichts bringen. Soll heißen: Die Probleme des Unternehmens sind keine kurzfristigen, es sind strukturelle. Das Kursziel deshalb nochmals um 20 Prozent auf magere 4,50 Euro zu reduzieren mag übertrieben sein. Die Analyse der Experten ist es nicht.

Trotz all der bilanziellen Maßnahmen während und kurz nach der Pandemie zeigt sich: Lufthansa geht es so wie der darbenden deutschen Volkswirtschaft  insgesamt: Sie ist nach wie vor nicht widerstandsfähig oder neudeutsch: Sie ist nicht ausreichend resilient. Schon leicht sinkende Ticketpreise – wohlgemerkt ausgehend von einem außergewöhnlich hohen Niveau – und mehr Wettbewerb auf wichtigen internationalen Strecken reichen aus, um die internen Ziele der Premiummarke Lufthansa Airlines zu pulverisieren.

Die Rahmenbedingungen für Lufthansa sind eigentlich sehr gut

Wie kann das sein? Im Heimatmarkt Deutschland sind die Fluggesellschaften des Konzerns – allen voran die Kernmarke – die klaren Marktführer. Die Dominanz des Unternehmens ist sogar größer denn je – auch dank der deutschen Politik. Die hat die Standortkosten derart erhöht, dass Wettbewerber das Weite suchen.

Gleichzeitig ist Lufthansa immer noch eine klingende Marke. Und auch wenn viele Vielflieger frustriert sind, die Kundschaft von Lufthansa ist grundsätzlich treu. Angesichts dessen ist es schwer zu verstehen, warum Lufthansa Airlines in diesem Jahr um die schwarze Null bangt.

Bei der Analyse der Ursachen rückt das seit Jahren angespannte Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern in den Fokus. Wenn die Sprache auf die angeblich zu hohen Kosten etwa bei der Kernmarke kommt, verweist die Lufthansa-Führung gern auf das eigene Personal – und wie aktuell auf die üppigen Abschlüsse in der jüngsten Tarifrunde.

Zwar räumen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Personalvorstand Michael Niggemann ein, selbst die Tarifverträge unterzeichnet zu haben. Doch das hindert sie nicht, die steigenden Personalkosten zu beklagen. Es stimmt zwar: Der Personalaufwand tut weh. Im Schnitt macht er bei der Lufthansa-Gruppe rund ein Viertel der jährlichen Kosten aus.

Doch reichen diese 25 Prozent als Erklärung für die schlechte Entwicklung aus? Wohl kaum. Vor allem nicht, wenn berücksichtigt wird, welchen Aufwand das Management betreibt, diesen Kostenblock zu reduzieren. In regelmäßigen Abständen werden neue Fluggesellschaften gegründet, die anfangs komplett ohne und später mit kostengünstigeren Tarifverträgen abheben.

Die Folgen: Zum einen steigt die Komplexität. Lufthansa fällt es schwer, auf der Kostenseite wirklich alle Synergien in dem Verbund aus zahlreichen Flugbetrieben zu heben. Irgendwo ist zudem immer eine Belegschaftsgruppe frustriert oder fühlt sich gegenüber anderen benachteiligt. So ist zum Beispiel gerade ein deutliches Murren der Leitenden Angestellten im Konzern zu vernehmen, weil mal wieder vor allem dort gespart werden soll – bei einer eh schon bescheidenen  Entgeltsteigerung.

Die treuen Kunden wiederum, darunter auch Großaktionär Klaus-Michael Kühne, steigen kaum noch durch die Markenvielfalt durch. Auch belasten die regelmäßigen Streiks die Zufriedenheit der Kunden massiv.

Streikfahnen vor einem Lufthansa-Logo: Die vielen Arbeitskämpfe sorgen immer wieder für Frust bei den Passagieren. Foto: picture alliance / SvenSimon

Lufthansa fehlt es an einer funktionierenden und ausbalancierten Sozialpartnerschaft. Ohne diese werden sich die beschriebenen Probleme nie lösen lassen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben in der Pandemie die Chance verpasst, die Zusammenarbeit auf eine neue Basis zu stellen. Zwar hielt man in der Krise zusammen, doch es war nur eine zeitlich begrenzte Zweckehe.

Man muss es wohl so hart formulieren: An dieser Stelle haben die Vertreter der Gewerkschaften und Manager wie CEO Spohr oder Arbeitsdirektor Niggemann versagt. Das alte Misstrauen ist wieder da.

Unzufriedene Investoren und Kunden – das ist ein heikler Mix. Und ein wahrscheinlich unnötiger dazu. Denn – siehe oben – eigentlich müsste die Kernmarke bei den guten Rahmenbedingungen so gut verdienen, dass genug für alle da ist: für die Arbeitnehmer, aber auch die Investoren.

Noch ist es nicht zu spät für eine Kursänderung. Gerade hat ein fast komplett neu besetzter Vorstand bei Lufthansa seine Arbeit aufgenommen. Es ist eine gute Gelegenheit für einen Neuanfang.

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