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LuftfahrtLufthansa-Kernmarke arbeitet sich aus der Verlustzone

Der Chef von Lufthansa Airlines sieht alle Ziele der Sanierung in diesem Jahr als erreicht an. Doch die größten Herausforderungen kommen erst noch – im nächsten Jahr.Jens Koenen 28.11.2025 - 10:00 Uhr Artikel anhören
Airbus A350 mit neuer Allegris-Kabine: Lufthansa will ab 2026 viele neue Jets mit dem modernen Gestühl einsetzen. Foto: Getty Images

Frankfurt. Die angeschlagene Kernmarke der Lufthansa-Gruppe, Lufthansa Airlines, hat gute Chancen, in diesem Jahr wieder einen kleinen Gewinn zu schreiben. „Wir erreichen alle unsere Turnaround-Ziele, die wir uns für 2025 vorgenommen haben“, sagte Airline-Chef Jens Ritter am Donnerstagabend vor Journalisten in Raunheim. „Damit sind wir wieder auf dem Weg in die schwarzen Zahlen.“

Ritter verwies auf wichtige Kennzahlen. So sei die Zahl der Flugabsagen um 53 Prozent reduziert worden, die Pünktlichkeitsquote bei den Abflügen habe sich um mehr als zehn Prozentpunkte auf 74 Prozent verbessert. Auch die Zahl der verspätet ausgelieferten Koffer sank um 42 Prozent, die der verpassten Anschlussflüge um 46 Prozent.

Lufthansa Airlines hatte 2024 einen Verlust von 116 Millionen Euro eingeflogen. Für die ersten neun Monate 2025 steht ein Betriebsgewinn vor Steuern von 131 Millionen Euro in den Büchern.

Aber dieser Wert dürfte im reiseschwachen vierten Quartal wieder schrumpfen. Um nachhaltig Gewinn zu schreiben, muss das Team um Airline-Chef Ritter noch einiges an Arbeit erledigen.

Bisher ist die Trendwende vor allem einem Effekt zu verdanken: einer höheren Verlässlichkeit im Flugbetrieb. Verspätung und Flugausfälle – teils verursacht durch externe Faktoren wie Flugsicherung, teils aber auch Folge hausgemachter Probleme – hatten nicht nur bei den Passagieren für Frust gesorgt.

Sie hatten die Bilanz auch mit hohen Sonderkosten für Kompensationszahlungen an die Kundinnen und Kunden und Hotelzimmer belastet. Zwischen Januar und Ende September 2025 konnte dieser Extraaufwand um rund 200 Millionen Euro reduziert werden.

Das hat allerdings seinen Preis. Das Management hat viel Puffer in den Flugplan eingebaut. Zudem wurde die Zahl der Reserve-Flugzeuge aufgestockt.

Nun gilt es, diesen Puffer sukzessive wieder abzubauen. Flugzeuge und Crews sollen produktiver eingesetzt werden. „2026 liegt unser Fokus auf Profitabilität und Produktivität“, sagte Ritter. Das Ziel: Das Bruttoergebnis der Fluggesellschaft soll sich bis 2028 um 2,5 Milliarden Euro verbessern.

2026 liegt unser Fokus auf Profitabilität und Produktivität.
Jens Ritter
Chef Lufthansa Airlines

Eine Voraussetzung dafür: die zuverlässige Lieferung neuer Flugzeuge. Lufthansa Airlines ist auf der Langstrecke noch viel mit viermotorigen, spritfressenden Jets unterwegs.

Die sollen sukzessive ersetzt werden. Die Kernmarke erwartet 25 Boeing 787 (Dreamliner), 20 Boeing 777-900, zehn Airbus A350-1000 und zwölf Airbus A350-900. „Allein im kommenden Jahr wird Lufthansa Airlines alle zwei Wochen ein neues Langstreckenflugzeug erhalten“, sagte Ritter.

Mehrere Maßnahmen sollen nun Zusatzerlöse erhöhen

Mit diesen neuen Jets soll die modernisierte Kabine Allegris dann endlich breit verfügbar sein. Bisher sind damit nur einige A350-Flugzeuge in München und ein erster Dreamliner in Frankfurt unterwegs.

Allegris ist wichtig, um bei den Kunden wieder als Premiumanbieter überzeugen zu können. Deshalb will das Airline-Management im kommenden Jahr damit beginnen, auch die Kabinen der bestehenden Airbus A380 und Boeing 747-800 zu modernisieren. „Bis Ende 2028 werden 97 Prozent unserer interkontinentalen Flotte mit einer topmodernen Premium-Kabine ausgestattet sein“, sagte Ritter.

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Zur neuen Kabine soll ab dem kommenden Jahr sukzessive ein komplett überarbeiteter Bordservice kommen: mehr Auswahl beim Essen in allen vier Reiseklassen, neue Kissen und Decken, neues Porzellan – in den ersten zwölf Monaten würden 187 Millionen Artikel ausgetauscht, sagte Airline-Vorstand Heiko Reitz am Donnerstagabend: „Es ist ein logistisches Großprojekt.“

Jens Ritter: Herkules-Aufgabe für den CEO von Lufthansa Airlines. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Mit diesem Gesamtpaket – so hofft das Management – können die sogenannten Zusatzerlöse weiter gesteigert werden. Dies sind Einnahmen jenseits des reinen Ticketverkaufs, zum Beispiel für die Reservierung spezieller Sitze oder zusätzliches Gepäck. „Der Zusatzumsatz pro Gast liegt nun bei zwölf Euro, was ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist“, sagte Ritter.

12
Euro
nimmt Lufthansa Airlines pro Fluggast über Zusatzleistungen wie die Reservierung spezieller Sitze oder zusätzliches Gepäck ein.

Neue Flugzeuge sind zudem für eine andere zentrale Sanierungsmaßnahme wichtig. Der Zubringerverkehr zu den Langstreckenflugzeugen an den Drehkreuzen Frankfurt und München soll zunehmend von der Kernmarke zur neu gegründeten Lufthansa City Airlines verlagert werden.

Diese wird dafür mit passenden Flugzeugen ausgestattet. „Im Herbst 2026 soll die erste von 40 bestellten Airbus A220 bei Lufthansa City Airlines in Betrieb genommen werden“, sagte Ritter.

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Das soll eine große Schwachstelle der Kernmarke beseitigen. Die Profite auf der Langstrecke werden aktuell von den Verlusten im Zubringerbereich zum Teil aufgezehrt. Lufthansa City Airlines soll günstiger „produzieren“, unter anderem mit anders bezahlten Besatzungsmitgliedern.

Im Schnitt wird Lufthansa City Airlines pro Monat ein neues Flugzeug bekommen. Mehr geht nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld auch nicht. Denn wie berichtet wird, ist es schwer, jenseits des eigenen Konzerns Piloten für die neue Fluggesellschaft zu gewinnen.

Tarifkonflikt mit Piloten könnte zur Hürde werden

Über alldem schwebt allerdings ein Damoklesschwert: ein ungelöster Tarifkonflikt mit den Pilotinnen und Piloten von Lufthansa Airlines mit hoher Streikgefahr. Deren Vertretung, die Vereinigung Cockpit (VC), fordert höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebsrenten. Zu Beginn der Auseinandersetzung hatte die VC eine Verdreifachung des Arbeitgeberanteils gefordert.

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Davon ist die Gewerkschaft mittlerweile abgerückt. Eine Einigung wurde in den Gesprächen bisher aber nicht erreicht. Die VC will zwar vorerst nicht streiken, sie wartet auf ein neues Angebot des Managements. Zudem herrscht unter den Gewerkschaftsvertretern derzeit Uneinigkeit über den künftigen Kurs gegenüber dem Lufthansa-Management.

Die Auseinandersetzung dürfte sich also bis ins kommende Jahr ziehen. Arbeitskämpfe könnten dann viele der Bemühungen um mehr Premium-Qualität überlagern: die neuen Jets, die neue Kabine mitsamt modernen Sitzen und den neuen Bordservice.

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