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KommentarDas Milliardenprojekt KI-Park ist ein guter Anfang

Baden-Württemberg feiert den geplanten Hotspot für Künstliche Intelligenz als Gewinn. Es kann einer werden – wenn die Experten dort später mehr teilen als nur den Kühlschrank.Larissa Holzki 29.08.2023 - 17:38 Uhr
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Mit mehreren Milliarden Euro der Dieter-Schwarz-Stiftung soll bis 2027 in Heilbronn Europas größtes KI-Zentrum entstehen.

Foto: Ipai/MVRDV

Es klingt in der wachstumsschwachen und mit sich selbst hadernden Republik wie eine Nachricht aus einer anderen – verheißungsvollen – Welt: Nach Plänen der Dieter-Schwarz-Stiftung soll in der Stadt Heilbronn, die nicht einmal 130.000 Einwohner hat, bis 2027 Europas größtes Zentrum für Künstliche Intelligenz entstehen: der „Ipai“.

Was das heißt, verdeutlichen ein paar Zahlen: Zwei Milliarden Euro will allein die Stiftung des Eigentümers von Lidl und Kaufland investieren. Die Fläche ist so groß wie 42 Fußballfelder und nach heutigen Plänen könnten dort einmal 5000 Menschen arbeiten: von Forschungsinstituten, Universitäten, Konzernen, Mittelständlern und Start-ups.

Einzige Bedingung – sie müssen Künstliche Intelligenz entwickeln oder in die Anwendung bringen. Auch Testflächen und Experimentierräume sollen entstehen. Zum Beispiel für autonome Fahrzeuge und smartes Wohnen.

Der Hintergedanke ist klar. Deutschland soll bei einer der aussichtsreichsten Zukunftstechnologien im globalen Wettbewerb mit den führenden Nationen mithalten können: mit den USA und mit China.

Klein zu denken reicht da eben nicht. Dennoch: Eine gewisse Skepsis bleibt. Das Projekt wirkt, als sei es am Reißbrett einiger Superplaner entwickelt worden. Und solche Projekte, die zum Gigantismus neigen, sind bei Weitem nicht immer gelungen. Oder erinnert sich noch jemand an das „SpringPark Valley“ im hessischen Bad Vilbel, die „Masdar City“ im Emirat Abu Dhabi oder auch die „Quayside“ in Toronto?

Man kann noch so viel Geld investieren, noch so tolle Büros errichten: Ein Garant für den ökonomischen Erfolg ist das noch nicht. Innovationen kann man damit nicht erkaufen, fruchtbare Kollaboration nicht erzwingen.

Die richtigen technologischen Durchbrüche entstehen meist im Geheimen hinter dicken Wänden.

Klar: Auf den Plänen sieht alles fantastisch aus. Da sind blühende Felder, auf denen Kinder zwischen Pflanzrobotern spielen. Da stehen lange Tische in Parkanlagen, an denen Entwickler Ideen austauschen. Und Flugtaxis starten und landen.

Zu schön, um wahr zu sein? Nicht zwingend. Die hübschen Glasfassaden und Lichtinstallationen wären erst der Beginn, wenn sie in rund vier Jahren in Heilbronn stehen. Viel schwieriger wird es, die Forschungselite anzuziehen und sie anzuregen, sich gegenseitig Einblicke in die Forschung zu geben. Die richtigen technologischen Durchbrüche entstehen meist im Geheimen hinter dicken Wänden.

Gleichwohl ist Ipai ein wichtiges Aufbruchssignal in tristen Zeiten. Nicht umsonst sprechen die leidgeprüften Ampelkoalitionäre in Meseberg ausführlich darüber. Nicht umsonst nennt Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Projekt einen „Lottogewinn“.

Kinder neben Pflanzrobotern, in der Luft zwei Flugtaxis: Ist die Vision des kollaborativen KI-Zentrums zu schön, um wahr zu sein?

Foto: Ipai/MVRDV

Und offenbar haben die Initiatoren einen Plan, wie sie die richtigen Menschen und Ideen zusammenbringen. Nach wie vor ist Deutschland stark in der KI-Forschung, und bedenklich schwach darin, daraus Ideen oder gar Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Hier will die Dieter-Schwarz-Stiftung mithilfe der Partnerschaft zwischen dem Ipai und Aleph Alpha endlich zeigen, dass es auch anders geht.

Deutschlands führendes KI-Start-up soll die Probleme vorlegen, an denen die Forscher arbeiten können. Und die Wissenschaftler sollen Lösungen liefern, mit denen auch andere Unternehmen weiterarbeiten können. Alles finanziert aus gemeinnützigen Geldern.

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Es ist ein gutes Zeichen, dass Unternehmen wie Porsche Digital, Würth und Audi schon mitmachen wollen. Sie haben bereits provisorische Büros angemietet und lassen ein paar ihrer KI-Experten jetzt auf demselben Flur arbeiten. Aber ob sie im Coworking-Space nicht nur den Kühlschrank teilen, sondern auch Ideen austauschen, das wird sich noch zeigen müssen.

Insgesamt gilt: Projekte wie Ipai sind im derzeitigen Zustand der Wirtschaft eine notwendige Bedingung für den ökonomischen Erfolg, hinreichend ist das noch lange nicht. Aber es darf mal wieder geträumt werden – und auch das ist ein Wert an sich.

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