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Kommentar Der Chefwechsel bei T-Mobile US ist riskant

Der Abgang des schrillen T-Mobile-Chefs Legere hatte sich abgezeichnet. Nun bringt er sich für seinen nächsten Job in Stellung. Die Telekom gerät in eine schwierige Position.
18.11.2019 - 17:49 Uhr Kommentieren
Abgang von John Legere: Chefwechsel bei T-Mobile US ist riskant Quelle: AP
John Legere

Der extrovertierte Telekom-Manager hat die US-Mobilfunktochter groß gemacht – nun geht er.

(Foto: AP)

John Legere war ein Glücksfall für die Deutsche Telekom. Dem Manager gelang es, die angeschlagene US-Tochter des Dax-Konzerns neu aufzustellen. Unter ihm wurde aus dem Verkaufskandidaten der Wachstumstreiber der Telekom. Heute steuert T-Mobile die Hälfte des Umsatzes zum Mutterkonzern bei. Durch Legere ist der einstige Ex-Monopolist erst zu einem wirklich globalen Konzern geworden.

Es war klar, dass die Zeit für Legere als CEO des US-Geschäfts dem Ende zugeht. Er etablierte T-Mobile als Angreifer, der mit aggressivem Marketing und provokanten Sprüchen die Platzhirsche AT&T und Verizon herausforderte. Das war der richtige Ansatz für eine lange Zeit. Aber heute ist T-Mobile nicht mehr der kleine Angreifer. Das Unternehmen hat sich einen sicheren dritten Platz auf dem US-Mobilfunkmarkt erkämpft.

Jetzt steht die Firma auf dem Sprung zu einer neuen Stufe. Gelingt die 26 Milliarden Dollar schwere Fusion mit dem Rivalen Sprint, wird sie sich anders positionieren müssen. Sie wird nicht mehr nur auf Endkunden schauen, sondern stärker um Firmenkunden werben. Dafür muss sie sich als vertrauensvoller Partner beweisen. Legere ist dafür nicht der richtige Mann. Sein Abgang am Montag scheint daher konsequent.

Sein designierter Nachfolger Mike Sievert dürfte deutlich besser dafür geeignet sein. Schließlich ist er schon heute derjenige, der die Zahlen im Blick hält und die teils überzogenen Ziele von Legere in eine realistische Strategie übersetzt. Doch Sievert wirkt bei öffentlichen Auftritten oft zurückhaltend. Er blieb stets im Hintergrund, auch als Legere ihn schon vor einigen Monaten immer öfter mit auf die Bühne vor Kunden und Mitarbeitern holte.

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    Sievert ist nicht der geborene Selbstdarsteller. Er wird noch beweisen müssen, dass er auch öffentlich stark genug ist, um T-Mobile ein neues Gesicht zu geben.

    Mit der Bekanntgabe des Mai-Termins für den Chefwechsel setzt sich T-Mobile selbst unter Druck. Die Firma steckt mitten in der Fusion mit Sprint. Zwar haben die Unternehmen bereits alle Zustimmungen der Bundesbehörden. Aber im Dezember beginnt der Gerichtprozess zu den Klagen einiger US-Bundesstaaten gegen den Deal.

    Schwierige Fusion

    Mit der Ankündigung seines Abtritts habe er vor dem Prozess klare Verhältnisse schaffen wollen, sagte Legere. Der Abschied von T-Mobile sei lange geplant gewesen. Das mag sein. Es macht seinen Abgang jedoch nicht weniger riskant. Legere kündigte an, die Fusion noch begleiten zu wollen. Doch noch ist völlig unklar, wann eine Entscheidung in dem Prozess ansteht.

    Konzernchef Timotheus Höttges, der zugleich den Aufsichtsrat von T-Mobile US leitet, hält eine Entscheidung des Gerichts im Zeitraum von Januar bis Februar für möglich. In Verhandlungskreisen ist jedoch zu hören, das Verfahren sei kaum berechenbar und ein Enddatum noch völlig unklar.

    Mit dem Abgang von Legere im Mai tickt jetzt die Uhr. Sollte dann noch keine Entscheidung im Prozess um die Fusion vorliegen, dürfte das ganze Verfahren unruhig werden. Bislang war Legere der Kopf des Verfahrens, der nach außen für die Vorzüge des Deals warb. Er versuchte, Bundesstaaten mit Zugeständnissen für sich zu gewinnen. Vergangene Woche setzte er sich sogar mit Gewerkschaftern zusammen, die er sonst meist gemieden hatte.

    Ohne Legere droht die Strategie durcheinanderzugeraten. T-Mobile muss daher ein gewaltiges Interesse daran haben, die Fusion vor Mai abzuschließen. Das Problem ist jedoch: Den Zeitplan hat das Unternehmen nicht in der Hand.

    Mai als Zeitpunkt für den Abgang ist gut für Legere, aber nicht unbedingt gut für das Unternehmen. Es dürfte Legere sehr gepasst haben, dass er vergangene Woche als möglicher Kandidat für den Chefposten des Bürovermittlers WeWork gehandelt wurde. Vor Journalisten konnte er am Montag die Gerüchte dementieren, aber gleichzeitig sein Interesse an neuen Jobs für die Zeit nach T-Mobile unterstreichen. Mit 61 Jahren sei er noch nicht bereit für die Rente. Eine Wettbewerbsklausel verbiete ein Engagement bei Konkurrenten der Telekom, und ein Wechsel in die Politik komme nicht infrage. So redet jemand, der sich gerne ein gutes Jobangebot an Land ziehen will.

    Für die Telekom ist das Taktieren fatal. Legere scheint schon jetzt auf möglichst lukrative Anstellungen nach seinem Abgang zu schielen. Damit könnte die Fusion nicht mehr seine volle Aufmerksamkeit haben. Zudem wissen seine Verhandlungspartner heute, dass sie es nicht mehr lange mit ihm als T-Mobile-Chef zu tun haben werden.

    Das macht die Situation kompliziert für die Telekom. Ändern kann sie jetzt jedoch nichts mehr. Sie kann nur hoffen, dass es noch vor Mai eine Entscheidung in der Fusion mit Sprint geben wird.

    Mehr: Die US-Tochter der Telekom bekommt einen neuen Chef. John Legere wird die Führung im Mai 2020 an den Telekom-Manager Mike Sievert übergeben. Ein Strategiewechsel bahnt sich an. 

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