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KommentarDer Finfluencer-Boom ist nur ein Symptom

Verbote nützen nichts gegen unseriöse Finfluencer – stattdessen muss sich etwas Grundlegendes bei den Hunderttausenden jungen Followern verändern.Judith Henke 26.09.2024 - 09:24 Uhr
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Finfluencer müssen keine besonders Qualifikation vorweisen. Foto: Reuters

Zwischen 2019 und 2023 hat sich laut dem Deutschen Aktieninstitut die Zahl der Anleger unter 29 Jahren verdoppelt. Viele von ihnen holen sich Finanztipps aus den sozialen Medien, von sogenannten Finfluencern.

An und für sich ist das keine schlechte Nachricht, im Gegenteil. Doch in der Vergangenheit kam es im Zusammenhang mit Finfluencern immer wieder zu Skandalen. Denn einige unter ihnen bewerben überteuerte, riskante oder sogar wertlose Finanzprodukte. Und weil sie eine deutlich höhere Reichweite haben als ein einzelner windiger Finanzberater in der nicht virtuellen Welt, ist die Summe der Geschädigten auch größer.

Finanz-Influencer unterstehen keiner Aufsicht wie etwa der Bafin, sie sind quasi zu nichts verpflichtet außer der Kennzeichnung von Werbung. Sie müssen keine besondere Qualifikation nachweisen, manche von ihnen geben nicht einmal ihre wahre Identität preis.

Daher ist es zunächst verständlich, dass Rufe nach Verboten laut werden. So forderten beispielsweise die Grünen bereits im Frühling dieses Jahres europaweite Influencer-Werbeverbote, die für Finanzprodukte gelten sollen.

Doch um unseriösen Finfluencern den Riegel vorzuschieben, reichen keine Verbote – es finden sich immer rechtliche Grauzonen. Stattdessen muss die Ausgangssituation, in der sich ihre oft jungen Follower befinden, verbessert werden. Sowohl was ihre Finanzbildung als auch ihre finanzielle Lage betrifft.

Kompetenzen in der Schule vermitteln

Denn gegen Desinformation hilft nur eins: Information. Die Kompetenz, seriöse von unseriösen Quellen zu unterscheiden, sollte eigentlich in der Schule vermittelt werden.

Ökonomisches Wissen lässt sich beispielsweise gut im Sozialkunde-, Mathe- und Geschichtsunterricht unterbringen. Hier müssen einige Bundesländer dringend ihre Lehrpläne anpassen.

Neben mangelnder Finanzbildung gibt es aber noch einen Grund, weshalb Anleger gerne auf Social-Media-Werbung reinfallen, die mit schnellem Reichtum lockt: Das Gefühl, dass sich normale Arbeit nicht mehr genug lohnt. Gerade Berufseinsteiger, die dachten, nach dem Studium müssten sie nicht mehr ständig aufs Geld schauen, werden derzeit enttäuscht. Ein einfaches Gericht in einem Restaurant in einer Großstadt kostet mittlerweile oft über 15 Euro.

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Eine stärkere Regulierung oder gar ein Verbot von Finfluencern wäre also wie eine Schmerztablette: Die Symptome des Phänomens werden vielleicht bekämpft, die Ursachen aber nicht angegangen.

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