Kommentar: Der Handel macht Gewinne trotz Inflation – und das ist gut so


Dass Lebensmittel wertvoll sind und nicht verramscht werden, ist ein gutes Signal.
Wenn es um die gestiegenen Preise in den Supermärkten geht, kochen die Emotionen schnell hoch. Verbraucherschützer fordern ein Eingreifen des Bundeskartellamtes, die Partei Die Linke gar einen Preisdeckel für Lebensmittel. Von einer angeblichen „Gierflation“ sprechen viele, also einer Preissteigerung, die auch von übermäßigen Gewinnen der Konzerne getrieben sei.
Die Vorwürfe sind so populistisch wie falsch. Traditionell waren Lebensmittel in Deutschland so billig wie in kaum einem anderen Land - auch getrieben durch den harten Wettbewerb zwischen Supermärkten und Discountern. Dass sich das nun angleicht, lässt in Deutschland nicht gleich den Notstand ausbrechen. Lebensmittel dürfen nicht unbezahlbar werden, ein Anrecht auf billige Produkte jedoch gibt es nicht.
Dass der starke Anstieg der Preise nun zu öffentlich ausgetragenem Streit zwischen Handel und Herstellern führt, zeigt doch, dass die Marktkräfte weiter funktionieren. Es gibt keine böse Kumpanei der Unternehmen auf Kosten des Konsumenten. Teilweise haben Händler sogar die Preise subventioniert, um die Kunden nicht zu verlieren.
Ja, der Einzelhandel macht weiter Gewinn - trotz der Inflation. Und im Schnitt sind die Gewinnmargen bei den großen Konsumgüterkonzernen im vergangenen Jahr sogar leicht gestiegen.
Aber das hat auch mit Sparprogrammen zu tun und Gewinnen aus anderen Regionen der Welt.
Politik muss Rahmenbedingungen für nachhaltige Produktion schaffen
Dass die Unternehmen weiterhin ein Gewinnpolster haben, ist eher eine gute Nachricht. Nur so besteht überhaupt die Möglichkeit, endlich die dringend notwendige Wende einzuleiten, hin zu einem bewussteren Konsum und nachhaltiger produzierten Waren. Denn das bedeutet auch hohe Investitionen in der Wirtschaft. Und die Hersteller können so nicht behaupten, sich das Umsteuern nicht leisten zu können.
Dass Lebensmittel wertvoll sind und nicht verramscht werden, ist für den Start zum Umdenken ein gutes Signal. Nun ist es an der Politik, endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass nachhaltige Erzeugung zur Regel wird, statt zur teuer bezahlten Ausnahme.
Bei den Tierwohllabeln haben in den vergangenen Jahren die Unternehmen die Standards gesetzt, die Politik war weitgehend untätig. Warum wird die Mehrwertsteuer nicht so ausgestaltet, dass sie Nachhaltigkeit belohnt? Möglichkeiten gibt es viele, genutzt werden sie noch kaum.




Auch der Konsument muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass jedes Produkt zu jeder Jahreszeit günstig und im Überfluss verfügbar ist. Wenn er bewusst einkauft und auf Nachhaltigkeit achtet, wird die scharfe Konkurrenz im Handel dafür sorgen, dass sich auch das Angebot rasch anpasst.
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