Kommentar: Der SEC-Bericht zur Rally der Gamestop-Aktie ist eine verpasste Chance
Die Aktien des kriselnden Computerspielehändlers waren im Januar von rund 20 Dollar auf knapp 500 Dollar gestiegen.
Foto: ReutersHäufig entpuppen sich Dinge, auf wir besonders lange warten, als große Enttäuschung. Ähnlich verhält es sich mit dem Bericht der US-Börsenaufsicht SEC zum Kursrausch der Gamestop-Aktie im Frühjahr. Die Papiere des kriselnden Computerspielehändler waren im Januar um mehr als 2000 Prozent in die Höhe geschossen.
Mehrere Monate hat die SEC die Geschehnisse aufgearbeitet. Ihr Ergebnis: Für die Kurskapriolen waren alleine Privatanleger verantwortlich, die sich in Online-Foren wie Reddit organisierten. nsgesamt hätten die Aktienmärkte sogar verhältnismäßig gut funktioniert.
Damit hat die SEC die Chance verpasst, sich intensiver mit den strukturellen Problemen am Aktienmarkt zu beschäftigen und Konsequenzen vorzuschlagen. Denn zur Erinnerung: Auslöser für die Rally waren massive Wetten von Shortsellern auf fallende Kurse – von den Privatanlegern zu profitieren versuchten.
Shortseller hatten sich Aktien geliehen und direkt verkauft in der Hoffnung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Mehr als 100 Prozent der Gamestop-Aktien waren auf diese Weise geshortet. Selbst bei Wirecard waren es kurz vor der Pleite rund 30 Prozent.
Privatanleger versuchten, diese Situation auszunutzen und trieben den Kurs in die Höhe in der Hoffnung, dass die Shortseller die Aktien zurückkaufen müssen, um ihre verlustreichen Wetten zu beenden. Damit wären die Kurse weiter gestiegen, und weitere Shortseller hätten ihre Wetten beenden müssen – ein sogenannter Short-Squeeze.
Reger Handel auf unregulierten Börsenplätzen
Allein: Die SEC stellt fest, dass Shortseller, die ihre Wetten schlossen, für den Kursanstieg statistisch irrelevant waren. Dadurch drängt sich die Frage auf: Wenn im Januar mehr als 100 Prozent der Gamestop-Aktien geshortet waren, jetzt aber nur noch 15 Prozent, wie konnten derart große Shortpositionen geschlossen werden, ohne den Kurs zu beeinflussen? Ist es etwa möglich, seine Shortpositionen zu verschleiern? Die Antworten liefert die SEC in ihrem Bericht nicht.
Eventuell liegt die Lösung in einem anderen Detail des Berichts: Denn die Börsenaufsicht schreibt weiter, dass ein Großteil der Aufträge der Privatanleger von Großhändlern gekauft und außerhalb des offenen Wertpapierhandels der Börsen ausgeführt wurde in sogenannten Dark Pools – also unregulierten Börsenplätzen.
Die SEC hätte klären sollen, welche Rolle diese Dark Pools bei der Rally der Gamestop-Aktie gespielt haben. Ebenso die Frage, wie das Handeln von Shortsellern transparenter werden kann und welche Rolle es spielt, dass Onlinebroker wie Robinhood ihre Informationen über den Handel auf ihrer App an Großhändler verkaufen. Dem will die SEC jetzt nachgehen – immerhin. Vielleicht lohnt sich das Warten diesmal.