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Kommentar Deutsche Autobauer müssen eine eigene Chip-Kompetenz aufbauen

Wer das iPhone der Autoindustrie bauen will, sollte von Apple und Tesla lernen. Eigene Prozessoren zu entwickeln bringt dabei mehrere Vorteile.
11.11.2020 - 15:45 Uhr Kommentieren
Nach iPhone, iPad und anderen Apple-Geräten werden jetzt auch die Macs auf „Apple Silicon“ rechnen. Quelle: AFP
Apple

Nach iPhone, iPad und anderen Apple-Geräten werden jetzt auch die Macs auf „Apple Silicon“ rechnen.

(Foto: AFP)

„Das Auto wird zu einem Smartphone auf vier Rädern“ ist so ein Satz, den auf man auf Auto-Kongressen recht schnell von seiner Bingo-Karte streichen kann. Das vernetzte Auto, das mit Software-Updates ständig verbessert wird, ist eine Vision, auf die sich praktisch jeder in der Industrie einigen kann.

Das iPhone der Autobranche zu bauen muss der Anspruch mindestens von Daimler, Audi und BMW sein. Schließlich ist Apple nicht nur der Goldstandard unter den Smartphones, sondern saugt auch das Gros der Gewinne auf.

Deswegen sollte es die Oberklasse-Autobauer auch interessieren, dass Apple seine Transformation zum Chip-Selbstversorger fast abgeschlossen hat. Nach iPhone, iPad und anderen Apple-Geräten werden jetzt auch die Macs auf „Apple Silicon“ rechnen. Intel wird Schritt für Schritt aus der Lieferkette ausgegliedert.

Für Apple hat das zwei Vorteile: Weil Intel in der Entwicklung neuer Chip-Generationen zurückgefallen ist, ist Cupertino zum einen bald nicht mehr auf einen kriselnden Zulieferer angewiesen, sondern kontrolliert sein eigenes Schicksal. Zum anderen kann Apple mit den eigenen Chips sein Software-Betriebssystem ideal auf seine Hardware abstimmen.

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    Tesla entwickelt bereits seit 2019 seine eigenen Chips für seine Fahrerassistenz „Autopilot“. Elon Musk glaubt sogar, dank der Rechenleistung seiner FSD-Chips seine Teslas autonom machen zu können und auf manchen Sensor am Auto verzichten zu können. Der Neuling Fisker will zwar seine komplette Autoproduktion an Magna auslagern, sieht Chipentwicklung aber als seine eigene Aufgabe.

    Die deutschen Autobauer dagegen sind stolz auf ihre Kooperationen mit Infineon, Nvidia oder der Intel-Tochter Mobileye. Das kann der richtige Weg sein, da sie mit Elektrifizierung und Autonomie bereits gewaltige Aufgaben vor sich haben.

    Doch eine zerstückelte Zulieferer-Landschaft war bislang auch ein Grund, warum die Autobauer so schwer auf Teslas Ansatz der vertikalen Integration reagieren konnten. Die Elektronik-Architektur mit eigenen Steuergeräten für jede Funktion des Autos macht es schwer, dem Kunden ein Erlebnis aus einem Guss zu liefern. „Du lieferst dein Organigramm aus“, sagte der Programmierer Melvin Conway. Das Conway'sche Gesetz der Autoindustrie könnte lauten: Man sieht deinem Produkt seine Lieferkette an.

    Die Autobauer müssen sich der Gefahr bewusst sein, die darin liegt, alte Zulieferer einfach durch neue zu ersetzen, statt eigene Chip-Kompetenz aufzubauen. Apple brauchte zehn Jahre von den ersten eigenen iPad-Chips zu „Apple Silicon“ für jedes Produkt. Wer rollende Computer bauen will, sollte seine Kernkompetenz nicht im Blechbiegen sehen.

    Mehr: Apple rüstet seine Macs für das Homeoffice-Zeitalter.

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