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Kommentar Deutschland muss seine Chancen beim Wasserstoff jetzt entschlossen nutzen

Wasserstoff gilt als Zukunftstechnologie. Mit Investitionen kann sich Deutschland jetzt einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
30.05.2020 - 12:54 Uhr Kommentieren
Die Politik zögert. Quelle: dpa
Wasserstoff-Zeichen

Die Politik zögert.

(Foto: dpa)

Auch wenn die Politik mit ihrer lange überfälligen Wasserstoffstrategie immer noch auf sich warten lässt, für die Wirtschaft scheint die Richtung klar: Immer mehr Konzerne wie Linde, Siemens oder Evonik kündigen Milliardeninvestitionen in die Zukunftstechnologie Power-To-X an – und das ist auch gut so.

Mit grünem Wasserstoff hat Deutschland eine Chance, sich an die Spitze einer Entwicklung zu setzen, die jetzt vielleicht noch weit weg erscheinen mag. In ein paar Jahren aber rechnen Experten durch die Umwandlung von Grünstrom zu Gas, Kraftstoff oder eben Wasserstoff mit der Entstehung eines Milliardenmarkts. Noch sind vielversprechende Start-ups wie Sunfire, Hydrogenious Technologies, Enapter oder erfahrene Elektrolyseur-Hersteller wie Siemens vorn dabei.

Aber um diese Position zu halten, müssen Wirtschaft und Politik anfangen, ihre Versprechen schleunigst umzusetzen. Denn auch andere Länder erkennen den Nutzen von CO2-freiem Wasserstoff für sich. Schon jetzt liegt die Bundesrepublik hinter Vorreitern wie Japan oder den Niederlanden und Österreich zurück, was die Integration von Wasserstoff für die langfristige Energiewendeplanung angeht.

Während in den Niederlanden unter Führung von Shell ein Megaprojekt mit bis zu vier Gigawatt Leistung entstehen soll, schafft es Deutschland gerade mal auf 30 Pilotprojekte mit einer Elektrolyseleistung von 25 Megawatt.

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    Sicher, angekündigt wird auch hier einiges. Wie das 100-Megawatt-Projekt von Thyssengas und Gasunie in Niedersachsen oder das von Wirtschaftssenator Westhagemann im Hamburger Hafen. Die Umsetzung wird aber lange dauern.

    Ganz anders Dänemark. Hier nimmt die Regierung ihr erstes Megaprojekt gleich selbst in die Hand. Auf einer milliardenteuren Insel sollen Offshore-Windräder Strom erzeugen, der zu Wasserstoff weiterverarbeitet wird. Das Ganze ist sogar im dänischen Klimaakt gesetzlich verankert. Und die Niederlande haben schon vor einem Jahr geklärt, was sie brauchen, um in eine Wasserstoffwirtschaft einzusteigen.

    Agiles Verhalten notwendig

    Aber Deutschland braucht ja immer ein bisschen länger. Dass Politik und Wirtschaft sich, wenn es darauf ankommt, aber auch mal recht flexibel zeigen können, hat sich in den vergangenen drei Monaten während der Viruskrise gezeigt. Dieses agile Verhalten muss jetzt auch auf das Thema Energiewende übertragen werden.

    Was passiert, wenn Deutschland zu lange wartet, hat man nämlich schon einmal bei einer anderen wegweisenden Innovation gesehen. Schließlich wurde das Prinzip der Lithium-Ionen-Batterie in den 70er-Jahren an der Technischen Universität in München entwickelt. Jene Technologie, ohne die heute kein Smartphone, Tablet oder Elektroauto mehr auskommt.

    Doch die deutsche Industrie befand das Ganze als zu teuer. In der Folge wanderte die Lithium-Ionen-Batterie nach Asien, wo der Elektronikkonzern Sony sie dann in den 90ern für die Unterhaltungselektronik kommerzialisiert hat. Mittlerweile diskutiert Berlin darüber, wie sich die Abhängigkeit von Asien in puncto Batteriezelle verringern lässt.

    Auch beim Thema Wasserstoff sind noch längst nicht alle überzeugt. Das Hauptargument: Noch kann niemand mit grünem Wasserstoff Geld verdienen. Wo wäre Deutschland heute, wenn die heimischen Solar- und Windpioniere vor über 20 Jahren dasselbe gesagt hätten?

    Ganze 25 Euro hat Solarenergie pro Watt in der Spitzenlast in den 80er-Jahren noch gekostet. Heute ist sie mit 25 Cent um den Faktor hundert günstiger und in besonders sonnenreichen Ländern die billigste Energiequelle der Welt.

    Als die Einspeisevergütung für Ökostrom Anfang der 2000er eingeführt wurde, hat sich keine der Technologien auch nur im Ansatz gerechnet. In diesem Jahr gehen die ersten großflächigen Solarparks ans Netz, die sich auch ohne Förderung rentieren, und Windkraft gilt für viele als die wichtigste Energiequelle der Zukunft.

    Fakten schaffen

    Manchmal muss man Fakten schaffen, um zu zeigen, dass ein Bedürfnis da ist. Die Fakten schafft das Klima aber längst selbst. Und für viele Bereiche in der Industrie oder in der Luftfahrt wird Power-To-X eine der wenigen Lösungen sein, mit denen diese Sektoren überhaupt dekarbonisiert werden können.

    Und das müssen sie ja nicht nur für die Umwelt, sondern auch mit Blick auf den steigenden CO2-Preis. Die zusätzliche Einführung der nationalen CO2-Bepreisung rückt lediglich ein Ungleichgewicht gerade, das für viele Wissenschaftler schon lange sichtbar und für immer mehr Menschen auch langsam spürbar wird.

    Wenn Wirtschaft und Politik jetzt Initiative zeigen, hat die deutsche Industrie später einen Wettbewerbsvorteil, der sich mehr als auszahlen wird. Auch wenn dafür jetzt erst einmal Geld ausgegeben werden muss.

    Sonst diskutiert Deutschland in zehn Jahren wieder darüber, wie man unabhängiger vom Ausland werden könnte. Nur eben dann wegen synthetischer Kraftstoffe und grünen Wasserstoffs.

    Mehr: Grüne Aktien bringen mehr Rendite als Öl und Gas.

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