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Kommentar Die Corona-App ist nützlich – aber bestimmt kein Wundermittel

Telekom und SAP haben die Corona-App für Deutschland solide gebaut. Doch allzu große Wunder sollte die Politik nach der Einführung nicht erwarten.
15.06.2020 - 16:06 Uhr Kommentieren
Die App soll Nutzer über das Infektionsrisiko informieren. Quelle: dpa
Corona-Warn-App

Die App soll Nutzer über das Infektionsrisiko informieren.

(Foto: dpa)

Nun ist es soweit: In Deutschland startet die Corona-Warn-App. Die Anwendung für Smartphones soll Infektionsketten nachverfolgen und damit helfen, die Pandemie einzudämmen. Die Bundesregierung und die beiden Dax-Konzerne Deutsche Telekom und SAP mussten viel Kritik für die Entwicklung einstecken. Alles sei viel zu langsam gelaufen, wurde ihnen vorgeworfen. Doch dieser Vorwurf ist falsch.

Ganz im Gegenteil ist es eine große Leistung, innerhalb weniger Wochen einen soliden Aufschlag für eine Smartphone-Anwendung hinzulegen, der auf Millionen von Endgeräten und verschiedenen Betriebssystemen funktionieren soll.

Ja, es stimmt, dass andere Länder schneller darin waren, Apps zur Verfolgung der Corona-Pandemie zu veröffentlichten. Aber aus keinem Staat ist bislang ein durchschlagender Erfolg der Anwendungen berichtet worden. Das hängt auch damit zusammen, dass Smartphones für den besonderen Einsatz vorbereitet sein müssen.

Die beiden dominanten Hersteller von mobilen Betriebssystemen, Apple und Google, hatten erst vor rund zwei Wochen die nötigen Schnittstellen bereitgestellt, die beim effektiven Einsatz der Apps helfen. Die Anwendung in Deutschland soll zu den ersten Programmen gehören, die davon profitieren.

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    Andere Lösungen in Ländern wie Singapur krankten auch daran, dass sie ihre Anwendungen schon starteten, bevor Apple und Google die Voraussetzungen geschaffen hatten. Viele Bürger in Singapur wandten sich enttäuscht von der App ab. Verlorenes Vertrauen ist nur schwer zurückzugewinnen. Deutschland kann und muss es besser machen.

    Das haben Telekom und SAP bisher auch getan. Sie haben den Quellcode der Anwendung veröffentlicht und so externen Experten die Möglichkeit für Kritik und Verbesserungen gegeben. Das war richtig. Die Anwendung kann künftig als Musterbeispiel für quelloffene Softwareprojekte herangezogen werden. Und diese Transparenz hat geholfen, Vertrauen zu schaffen. Sicherheitsexperten stellen der App bislang gute Noten aus.

    Weiterhin hohe Fehleranfälligkeit

    Aber selbst wenn die App zuverlässig funktionieren sollte, ist sie nicht das Wundermittel, zu dem sie einige der Befürworter stilisieren wollen. Die Anfälligkeit für Fehler ist und bleibt einfach zu groß. Zudem gibt es Herausforderungen im Umgang mit dem Coronavirus, die sich nicht per App lösen lassen.

    Um es ganz klar zu sagen: Die App ist nützlich. Nicht mehr und nicht weniger. Sie kann nur die klassische Nachverfolgung von Gesundheitsbehörden ergänzen, aber niemals ersetzen. Sie kann auch keine Versicherung gegen eine zweite Welle der Virusinfektionen sein.

    Die Corona-Warn-App kann gerade helfen, eine Stärke des Virus zu schwächen. Virologen gehen davon aus, dass Menschen schon ansteckend sind, bevor sie die ersten Symptome entwickeln. Zeit ist daher ein entscheidender Faktor.

    Wird bei einer Person das Virus nachgewiesen, kann die App dabei helfen, alle möglicherweise infizierten Kontakte schnell zu benachrichtigen, damit die sich vorsorglich in Quarantäne begeben können, bevor sie andere Menschen anstecken – und das, auch wenn sie noch gar keine Symptome haben. Die App kann hier viel schneller sein, als es Teams von Gesundheitsämtern jemals sein könnten.

    Das macht die App aber noch lange nicht erfolgreich. Registriert die Anwendung eine potenzielle Infektion, wird der Nutzer mit einem Risikowert gewarnt. Die App bezieht dafür verschiedene Daten ein. Doch der Wert ist nur ein Hinweis. Die App kann nicht wissen, ob sich die Smartphones vielleicht nur nah gekommen sind, weil sie im Schließfach in der Umkleidekabine beim Sport nah zusammenlagen, aber kein Risiko für eine Infektion bestand.

    In der Warnung kann die betroffene Person diese Situation jedoch auch nicht rekonstruieren. Sie erfährt zwar, dass sie sich möglicherweise infiziert hat, aber nicht wann.

    60 Prozent der Bürger müssen die App installieren

    Das Risiko von Fehlalarmen ist groß. Ist die App zu sensibel eingestellt, könnten Nutzer oft unnötig zur Selbstquarantäne aufgefordert werden. Ist sie zu streng eingestellt, schlägt sie im Zweifelsfall auch bei einem Risikokontakt nicht aus. Beides ist schlecht. Und beide Probleme sind bislang noch nicht abschließend gelöst.

    Das führt zur größten Herausforderung: der Verbreitung. Nur wenn viele Menschen die App auf ihren Smartphones nutzen, kann sie funktionieren. Eine Studie war von rund 60 Prozent der Bevölkerung ausgegangen. Über den neuen Wert wird noch gestritten. Doch die Anwendung lässt sich nur auf modernen Geräten installieren. Wie viele ältere Smartphones dadurch ausscheiden, kann niemand genau sagen.

    Facebook hat Jahre gebraucht, um zu erreichen, dass der Messenger WhatsApp auf rund 60 Millionen Geräten in Deutschland läuft. Dabei unterstützt die Firma deutlich mehr Endgeräte als die Corona-App. Die Hürden für die Warn-App sind also gewaltig.

    Download: Die Corona-Warn-App kann hier heruntergeladen werden.

    Mehr: Regierungsberater empfehlen Gesetz für Corona-Warn-App

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