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Kommentar Die deutsche Wirtschaft zeigt in der Coronakrise ihre Stärken

Die Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft hart. Aber gerade in der Krise beweisen viele Firmen wieder Kreativität, Flexibilität und Solidarität.
19.04.2020 - 15:25 Uhr Kommentieren
Viele Unternehmen reagieren kreativ auf die Coronakrise – zum Beispiel bieten Restaurants ihr Essen zum Abholen an. Quelle: dpa
Essen zum Mitnehmen

Viele Unternehmen reagieren kreativ auf die Coronakrise – zum Beispiel bieten Restaurants ihr Essen zum Abholen an.

(Foto: dpa)

Die Atemschutzmaske ist das sichtbarste Symbol der Coronakrise. Für die Eindämmung der Pandemie ist sie unerlässlich – und damit auch für eine Rückkehr ins normale Privat- und Arbeitsleben.

Eine tief greifende Lockerung der Schutzmaßnahmen wird nur gelingen, wenn die Bevölkerung die Masken am Arbeitsplatz, im öffentlichen Personennahverkehr oder beim Einkaufen diszipliniert tragen wird. Noch ist die Atemschutzmaske aber leider ein viel zu knappes Gut.

Sie ist jedoch auch ein Symbol für die Solidarität, mit der sich die Deutschen gegen die Coronakrise stemmen. In privaten Haushalten werden Stoffmasken für Freunde und Bekannte genäht oder in kleinen Schneidereien für die Kundschaft im Ort.

Aber auch viele Unternehmen, gerade aus dem Mittelstand, haben wegen der Pandemie ihre Produktion kurzfristig umgestellt. Der Bademodenhersteller Maryan Beachwear aus Südbaden beispielsweise fertigt jetzt Masken statt Bikinis. Die Masken sind sogar nach dem hochwertigen FFP2-Standard zertifiziert.

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    Auch Maschinenbauer beteiligen sich, wie Ruhlamat aus Thüringen. Das Unternehmen hat im Rekordtempo eine Produktionslinie für chirurgische Einwegmasken entwickelt. Die Krise hat sogar ungewöhnliche Kooperationen wie die des Autozulieferers Mahle mit dem Unterwäschehersteller Triumph möglich gemacht.

    Es gibt sehr viele solcher Beispiele – und sie machen in der Coronakrise Mut. Natürlich leidet die deutsche Wirtschaft unter den Folgen der Pandemie schwer. Umsätze brechen ein, Gewinne erodieren. Viele Unternehmen werden ihre Existenz verlieren, und es werden im großen Stil Arbeitsplätze verloren gehen. Daran besteht kein Zweifel.

    Die deutsche Wirtschaft zeigt in der Krise aber auch ihre Stärken: technisches Know-how, Flexibilität, Einfallsreichtum – und ein großes Maß an Solidarität.

    Aus der Note eine Tugend

    Viele Unternehmen machen dabei aus der Not eine Tugend. Das Messebauunternehmen „Fair Care“ aus Frankfurt beispielsweise hat seine Produktion kurzfristig umgestellt. Normalerweise stellt der Betrieb Aufbauten für Messestände her.

    Das Geschäft ist wegen der Corona-Pandemie schlagartig zusammengebrochen, und es ist überhaupt nicht absehbar, wann es wieder anlaufen kann. Jetzt fertigt das Unternehmen mit seinen Maschinen aber Acrylglasscheiben als Infektionsschutz. Einen Meter breit, 70 Zentimeter hoch und mit Durchlass. Einfach zu montieren, und Sonderwünsche sind jederzeit möglich. Zahlreiche Behörden in Hessen, Bürgerämter, Arztpraxen und Apotheken haben den Schutz schon bei dem Messebauunternehmen bestellt.

    All die Initiativen, mit denen Unternehmen ihre Produktion auf Atemschutzmasken oder Infektionsschutz umgestellt haben, sind ein wichtiger Beitrag, damit Deutschland diese Krise besser und schneller überstehen kann.

    Bei aller Solidarität, die in vielen Fällen hinter dem Engagement steckt, profitierten die Unternehmen aber auch selbst davon. Die rasche und kreative Umstellung der Produktion hilft, die eigenen wirtschaftlichen Probleme zu mildern. Viele Unternehmen können so zumindest einen Teil ihrer Verluste ausgleichen und einen Teil ihrer Mitarbeiter weiterbeschäftigen.

    Diese Flexibilität und Kreativität sind derzeit in vielen Bereichen der Wirtschaft zu beobachten. Selbst kleine Händler und Gastronomen stemmen sich mit viel Einfallsreichtum und Engagement gegen die Krise.

    Ein Großteil der Restaurants, die schlagartig die Gasträume schließen mussten, hat kurzfristig einen Abhol- oder Lieferservice eingerichtet. Auch Spielwaren- oder Buchhändler liefern ihren Kunden, die nicht kommen dürfen, die bestellte Ware oder Bücher eben jetzt bis zur Haustür. Selbst Supermärkte, die öffnen dürfen, haben Lieferservices eingerichtet oder auch spezielle Zeitfenster zum Einkaufen für ältere, besonders gefährdete Kunden.

    Kundschaft honoriert die Initiativen

    Diese Initiativen werden von der Kundschaft auch honoriert. Stammgäste lassen sich gerne von ihrem Lieblings-Italiener Pizza und Pasta bringen, und die Stammkunden bestellen ihre Bücher lieber beim Buchhändler vor Ort als immer nur im Internet. Die Solidarität funktioniert auf beiden Seiten. Sie wird von Unternehmen praktiziert, aber auch von vielen Kunden für ihre Stammgeschäfte und Stammlokale.

    Das wird nicht jeden Betrieb retten. Aber jeder Versuch ist es wert. Und wer überlebt, wird langfristig von seinem Engagement in dieser schwierigen Zeit profitieren. Die Mittelständler, die Masken und Infektionsschutz produziert haben, haben etwas für ihr Image getan. Die Gastronomen und die Händler vor Ort haben ihre Kunden noch enger an sich gebunden.

    Die Coronakrise, so bitter sie ist, hat eben auch etwas Gutes: Die deutsche Wirtschaft beweist in der Krise ihre Stärken. Sie reagiert flexibel, sie ist einfallsreich, das technische Know-how ist enorm, und der Geist der Sozialen Marktwirtschaft wird von vielen Unternehmen auch wirklich gelebt.

    Mehr: Management-Legende Fredmund Malik über die Folgen der Coronakrise für Führungskräfte

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