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Kommentar Die Eigentümer von Thyssen-Krupp haben das Desaster ausgelöst

Die Radikalkur von Thyssen-Krupp wird nur gelingen, wenn sich Cevian und die Krupp-Stiftung zurückhalten. Denn sie haben den Konzern in die Schieflage gebracht.
19.05.2020 - 16:04 Uhr Kommentieren
Thyssen-Krupp hat nicht die Finanzkraft, um allein im zyklischen Stahl- und Werftengeschäft bestehen zu können. Quelle: Reuters
Stahlwerk

Thyssen-Krupp hat nicht die Finanzkraft, um allein im zyklischen Stahl- und Werftengeschäft bestehen zu können.

(Foto: Reuters)

Die neue Strategie für Thyssen-Krupp steht: Die Sparten Stahl und Werften sowie den Anlagenbau und weitere Teile will Vorstandschefin Martina Merz komplett oder teilweise verkaufen. Letztlich wird das Geschäft auf den Werkstoffhandel und einige Bereiche der Komponentenfertigung zurückgeschnitten. Den Großteil seiner Mitarbeiter und Umsätze wird der Ruhrkonzern mit dieser Strategie verlieren.

Raum für Fantasie oder Wachstum lässt die Strategie nicht, Merz plant lediglich einen radikalen Schrumpfkurs des industriellen Schwergewichts. Die Einschnitte sind nötig, weil Thyssen-Krupp seit nunmehr acht Jahren im Krisenmodus feststeckt. Der einst weltgrößte Konzern verdient kein Geld, daran ändert sich in all den Jahren nichts.

Der nun von Merz angekündigte Umbau ist daher alternativlos, zumindest aus heutiger Sicht. Das Unternehmen hat nicht die Finanzkraft, um allein im zyklischen Stahl- und Werftengeschäft bestehen zu können. Der Umbau schafft Unsicherheit, deshalb muss der Vorstand den Plan schnell und konsequent umsetzen.

Der eingeschlagene strategische Pfad ist zwar alternativlos, die Ursachen für die Misere sollten aber nicht in Vergessenheit geraten. Die Krise ist selbst verschuldet. Kritiker nennen vor allem den Bau neuer Stahlwerke in Brasilien und den USA, der in Summe zehn Milliarden Euro vernichtet hat.

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    Die wahre Ursache für das Desaster liegt aber im Eigentümerkreis. Es geht um die Krupp-Stiftung als größten Aktionär und den Finanzinvestor Cevian. Beide Akteure haben ihre ganz eigene Agenda betrieben und damit den perfekten Sturm geschaffen, in dem Thyssen-Krupp mit seinen 160.000 Mitarbeitern steckt.

    Cevian hat die Krise verschärft

    Auslöser ist die Krupp-Stiftung, die unter der Führung von Berthold Beitz den börsennotierten Konzern als Privateigentum führte. Manager wurden nach Belieben geschasst oder eingestellt, wichtige Entscheidungen wie der Verkauf der Edelstahlsparte blockiert. Mit Ursula Gather als Nachfolgerin von Beitz agiert die Stiftung kaum geschickter.

    Cevian hat die Krise verschärft, indem sich der zweitgrößte Aktionär nach seinem Einstieg einzig und allein darauf konzentrierte, die renditeträchtige Aufzugsparte zu verkaufen. Die wird nun zwar veräußert, aber mit dem Geld muss Vorstandschefin Merz erst einmal die Finanzlöcher stopfen.

    Geht ihre Strategie auf und sie kann die mit hohen Pensionslasten beladene Stahlsparte abstoßen, dann wäre Thyssen-Krupp sogar in der Lage, eine üppige Sonderdividende zu zahlen. Das aber sollte Merz verhindern. Sie darf den Mangel an Verantwortungsbewusstsein bei Stiftung und Cevian nicht noch belohnen.

    Mehr: Thyssen-Krupp plant einen schmerzhaften Befreiungsschlag

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