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Kommentar Die Fed und der Fluch des billigen Geldes

Die US-Währungshüter tun alles, um die Wirtschaft in der Coronakrise zu stützen. Wichtig wäre aber auch ein Signal gegen zu viel Leichtsinn an den Märkten.
11.06.2020 - 16:51 Uhr 2 Kommentare
Die Fed dürfte nach Einschätzung von Fachleuten wegen der Corona-Pandemie auf Krisenkurs bleiben. Quelle: dpa
US-Notenbank

Die Fed dürfte nach Einschätzung von Fachleuten wegen der Corona-Pandemie auf Krisenkurs bleiben.

(Foto: dpa)

New York City Zwischen der US-Notenbank Fed und der Trump-Regierung zeichnet sich ein neuer Konflikt ab. Der US-Präsident ließ sich vergangene Woche nach überraschend starken Daten vom Arbeitsmarkt feiern. Für seinen Wirtschaftsberater Larry Kudlow ist „das Glas mehr als halb voll“. Die Aktienmärkte trieb das auf neue Höchststände.

Fed-Chef Jerome Powell dagegen hat einen düsteren Ausblick auf die größte Volkswirtschaft der Welt, die mit mehr Corona-Fällen kämpft als jedes andere Land. Der oberste Geldpolitiker sorgt sich wegen der langfristigen Schäden für die Wirtschaft, die die schwerste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression mit sich bringen wird, und über die persönlichen Konsequenzen von langer Arbeitslosigkeit. Daher hat er am Mittwoch nach der jüngsten Notenbanksitzung klargemacht, dass er den Fuß noch lange durchgedrückt auf dem Gaspedal halten will.

Konkret heißt das: Zinsen nahe null, bis vermutlich Ende 2022 anhaltende Anleihekäufe sowie Kreditprogramme für Mittelständler und Kommunen. Gut möglich, dass die Fed auch an anderer Stelle noch einmal einspringen muss. Die anhaltende Unterstützung der Notenbank ist wichtig, genauso wie ein realistischerer Blick auf die wirtschaftliche Lage, die sich angesichts steigender Fallzahlen in den kommenden Wochen noch einmal verschlechtern könnte. Powell signalisierte damit das, was Investoren hören wollen.

Doch während die Fed weiter Vollgas gibt, ist es auch an der Zeit, dass sich die Währungshüter mit den Konsequenzen ihrer beispiellosen Rettungspakete befassen.

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    Für ihr schnelles und umfassendes Eingreifen zu Beginn der Coronakrise im März hat die Notenbank viel Lob bekommen. Dabei ist in den Hintergrund gerückt, dass die billionenschweren Aufkaufprogramme damals unter anderem Hedgefonds zugutekamen, die sich mit riskanten Wetten auf US-Staatsanleihen verspekuliert und zu gefährlichen Verstopfungen an den Märkten beigetragen hatten. Auch kauft die Fed nun zum ersten Mal in ihrer Geschichte Unternehmensanleihen, und zwar auch solche von Unternehmen mit Ramschstatus, die ohnehin schon sehr hoch verschuldet sind.

    Damit hat die Notenbank genau jene Akteure belohnt, die hoch gepokert haben und in der Krise eigentlich hätten hoch verlieren müssen. Dass Powell dennoch eingreifen musste, um die Stabilität an den Märkten nicht zu gefährden und die Wirtschaftskrise nicht noch unnötig zu verstärken, ist verständlich. Doch es schafft einen gewissen Leichtsinn bei den Marktteilnehmern, die davon ausgehen können, dass die Fed sie im Ernstfall schon retten wird. „Moral Hazard“ heißt das Problem in der Ökonomie.

    Neue Regulierungsmaßnahmen

    Und nun, da das Feuer gelöscht ist, sollte sich der Notenbankchef auch mit einer weiteren Botschaft an die Marktteilnehmer wenden: Die Fed gibt weiter Vollgas, aber eine Rettung ist nicht kostenlos und auch nicht garantiert.

    Bevor die Erinnerungen zu stark verblassen, sollte die Fed daher eine Debatte über neue Regulierungsmaßnahmen anstoßen. Bill Dudley, der frühere Chef der regionalen Notenbank aus New York, der in der Finanzkrise eine tragende Rolle bei der Bankenrettung spielte, fordert eine Art Liquiditätsversicherung für Hedgefonds. Sie zahlen in guten Zeiten in einen Fonds ein und haben in schlechten Zeiten Zugang zur Liquidität der Notenbanken. Das wäre ein starkes Signal an den Schattenbanken-Sektor, der nach der Finanzkrise stark gewachsen ist und davon profitiert hat, deutlich weniger reguliert zu sein als die Banken.

    Die Bankenreform, die nach der Finanzkrise umgesetzt wurde, führte dazu, dass die Institute heute deutlich besser kapitalisiert sind. Ähnlich könnte die Fed auch eine Debatte über die hohen Verschuldungsgrade bei US-Unternehmen anstoßen, die sich in den vergangenen Jahren wegen der niedrigen Zinsen mit immer neuen Krediten eingedeckt haben und nun erneut davon profitieren, dass die Fed als Käufer der letzten Instanz auftaucht und die Zinsen noch auf Jahre nahe null bleiben werden.

    Das Moral-Hazard-Problem einfach zu ignorieren wäre ein großer Fehler. Denn wenn immer mehr Marktteilnehmer immer größere Risiken eingehen, wird es künftig noch schwieriger für die Fed werden, effektiv einzugreifen. Dabei wird die Notenbank noch lange ein zentraler Akteur im Kampf gegen die Coronakrise bleiben. Wenn Powell recht behält, wird es viele Jahre dauern, bis sich der Arbeitsmarkt wieder normalisiert.

    Und auch wenn sich die Lage zuletzt leicht gebessert hat: Knapp 21 Millionen Amerikaner beziehen seit mehr als zwei Wochen Arbeitslosengeld. Das sind mehr als drei Mal so viele wie zum Höhepunkt der Finanzkrise vor zwölf Jahren. In 21 Bundesstaaten steigen die Corona-Infektionen zudem wieder, was die wirtschaftlichen Aktivitäten erneut bremsen könnte. Umso wichtiger ist es, dass die Fed die richtigen Signale sendet und ihr bei der Fahrt mit voller Geschwindigkeit nicht der Sprit ausgeht.

    Mehr: Die US-Notenbank befeuert das Risiko für Anleger.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die Fed und der Fluch des billigen Geldes"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Früher war mein Nickname Inflate or Die.
      Heute müsste er nun heißen Inflate And Die.

      Nich nur Schattenbanken verbieten, sondern auch Zentralbanken abschaffen respektive entmachten ("End the Fed!"). Freies Marktgeld etablieren.
      Darüber hinaus das betrügerische Fractional Reserve Banking (Bruchteilsreservebankwesen) austrocknen.
      Das wäre ein erster Anfang.
      Der Mitkommentator will dagegen vollen Geldsozialismus und realisiert nicht, dass Zentralbanken die 1:1-Umsetzung einer zentralen Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx / Engels sind:
      "5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."
      https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

    • Schattenbanken endlich verbieten. Was haben Schatten-Banken denn an volkswirtschaftlichem Gewinn zu bieten? Die Staatsbanken sollten endlich dazu übergehen, Infrastruktur direkt finanzieren, so gibt man Menschen Arbeit. Das geschöpfte Geld fließt in Sach-Werte und nicht in Finanz-Wetten. Vermutlich wird Großbritannien als erstes Land in Europa die Finanzierung von Großprojekten durch die Bank of England starten um den Brexit zu mildern. Japan und China verfahren schon lange so. Europa im Dornröschenschlaf? Welcher einflussreiche Politiker in Berlin wagt den Vorschlag für eine Änderung der EZB-Politik?

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