Kommentar: Die Geisterfahrer von der AfD und ihr Dexit

Alice Weidel bringt einen Austritt Deutschlands aus der EU ins Spiel. In einem Interview mit der Londoner „Financial Times“ spricht die AfD-Chefin von einem Referendum über einen „Dexit“, um die „demokratischen Defizite“ der EU zu beheben. Das könnte man als billigen Versuch, von den Deportationsfantasien in ihren eigenen Reihen abzulenken, abtun. Hunderttausende sind gegen diese Entvölkerungspolitik in den vergangenen Tagen auf die Straße gegangen. Doch sowenig der Nazi-Stempel auf einen Großteil der AfD-Wählerschaft passt: Es wäre auch ein Fehler, auf den Vorstoß nicht inhaltlich zu reagieren. Rechtspopulisten haben schon immer mit dem Austritt ihres Landes aus der EU gespielt – und das mit zunehmendem Erfolg.
Es ist auch nicht so, dass die Debatte in Deutschland gänzlich unbekannt wäre. Sie wurde schon 2019 geführt, als die Niedrigzinsen angeblich Deutschlands Sparer ruinierten. Dahinter verbirgt sich ein durchaus verbreitetes Misstrauen gegen die gemeinsame Währung, von dem auch die AfD bei ihrer Gründung profitierte. Die ersten Mitglieder lebten davon, die Zweifel an der Stabilität des Euros zu befeuern. Sie legten damals schon den Grundstein für das nationale Gedankengut, das mit dem Geschäftsmodell Deutschlands als drittgrößter Volkswirtschaft nicht vereinbar ist.