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Kommentar Die Globalisierung hat schwerwiegende Folgen für die Wurstindustrie

Die enorme Einkaufsmacht großer Lebensmittelhändler und die Afrikanische Schweinpest bedrohen die deutsche Wurstkultur. Die Folgen für die Verbraucher können fatal sein.
15.12.2019 - 14:05 Uhr 2 Kommentare
Die Auslage in einer Berliner Fleischerei. Quelle: dpa
Wurst

Die Auslage in einer Berliner Fleischerei.

(Foto: dpa)

Wen schert es schon, wenn in China ein Sack Reis umfällt? Diese Haltung hatten auch Deutschlands Wursthersteller bisher. Kaufen und verkaufen sie doch ihr Fleisch allenfalls in Europa.

Doch inzwischen bangen viele der 150 meist inhabergeführten Produzenten um ihre Existenz. Und das nur, weil im fernen China ein Schweinevirus umgeht. Die hochansteckende Afrikanische Schweinepest hat die Tierbestände dort halbiert und die Preise für Schweinefleisch in nur einem Jahr verdoppelt.

Doch der Appetit der Chinesen ist ungebrochen, nun kaufen sie den Weltmarkt leer. Die deutschen Schlachtereien mit Exportlizenz für die Volksrepublik haben das lukrative Geschäftsfeld sofort entdeckt. Sie exportieren, was die Gefrierhäuser hergeben. Deshalb sind auch hierzulande die Preise für Schweinefleisch regelrecht explodiert.

Die Folgen sind für deutsche Wurstmacher dramatisch: Denn die vier mächtigen Ketten des Lebensmitteleinzelhandels stellen sich stur und wollen für Wurst und Schinken nicht mehr zahlen. Die meisten Hersteller schreiben deshalb rote Zahlen.

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    Diesem Druck werden die wenigsten standhalten. Drei Dutzend Firmen dürften höchstens überleben, warnen Branchenexperten. Von der weltberühmten deutschen Wurstkultur mit ihren 1500 Sorten dürfte einiges verloren gehen. Und das nur, weil in China die Schweinepest wütet.

    Das Beispiel der notleidenden Wursthersteller zeigt einmal mehr, welch gravierende Auswirkungen die Übermacht der Handelsketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka haben kann. Die vier Riesen können einer zersplitterten Lieferantenbranche quasi die Preise diktieren. Irgendeiner findet sich immer, der zu den geforderten Niedrigpreisen liefert.

    Mit zuweilen fatalen Folgen auch für uns Verbraucher, wie der Wurstskandal um Wilke zeigt. Die Fusion der Wurstfirmen Reinert und Kemper ist nur folgerichtig. Als „The Family Butchers“ kann die neue Nummer zwei dem Handel etwas selbstbewusster entgegentreten.

    Mehr: In die gute Wurst gehört Ehrlichkeit – und sonst nur eine Handvoll Zutaten: Fleisch, Speck, Salze, Kräuter, mehr braucht es nicht für die Wurst. Und den Metzger des Vertrauens, um sich guter Ware sicher zu sein.

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Die Globalisierung hat schwerwiegende Folgen für die Wurstindustrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sicher ist es fraglich wie sinnvoll es ist Schweinefleisch zu exportieren wenn hier die Böden an der Überdüngung durch die ausgebrachte Gülle leiden. Veränderte Essgewohnheiten und das Sterben der Dorfmetzger mag auch zur Bedrohung der deutschen Wurstkultur führen. Die Wurstfabrikanten, die Aldi, Lidl etc. mit Fertig/Massenware beliefern sind sicherlich nicht ‚die deutsche Wurstkultur‘ sondern Industriebetriebe. Natürlich geht es auch hier um Arbeitsplätze, Menschen, Veränderungen; alles nicht einfach und ich habe kein Patentrezept. Aber bitte nicht mit dem Untergang der deutschen Wurstkultur argumentieren wenn es um Industrieinteressen geht.

    • Endlich steigen die Fleischpreise!

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