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Kommentar Die Lebensversicherung wird zum Auslaufmodell – und lebt trotzdem weiter

Angesichts eines hohen Sicherheitsbedürfnisses verzichten viele Deutsche auf Rendite. Doch ihre Altersvorsorge vergessen die Deutschen dabei trotzdem nicht.
28.12.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Auch der jüngeren Generation ist die Altersvorsorge wichtig. Quelle: action press
Lebensversicherung

Auch der jüngeren Generation ist die Altersvorsorge wichtig.

(Foto: action press)

Die jahrzehntelange Liebe der Deutschen zur Lebensversicherung wird mehr und mehr zur Hassliebe. Die Kosten waren schon immer hoch, die Renditen im Vergleich zu den Alternativen am Markt gering. Seitdem im Oktober der Marktführer Allianz das Ende der Beitragsgarantie angekündigt hat, bringen Verbraucherschützer gar den Vergleich mit dem Sparstrumpf ins Spiel, der aus ihrer Sicht lukrativer ist als der Abschluss einer Lebensversicherungs-Police.

Dem gegenüber stehen Rekordabschlüsse von Versicherungspolicen bei der Allianz in diesem Jahr. Von den rund zehn Milliarden Euro an Gewinn, die der Konzern 2020 erreichen dürfte, kommen mehr als vier Milliarden Euro aus der Lebensversicherung. Schon voriges Jahr waren die Beitragseinnahmen der 83 Anbieter am deutschen Markt um über elf Prozent gestiegen. Von solchem Wachstum können andere Bereiche der Finanzbranche nur träumen.

Auch dieses Jahr dürfte es weiter nach oben gehen. Die Corona-Pandemie hat dazu einen erheblichen Beitrag geleistet. Die Menschen waren mehr zu Hause und hatten Zeit, sich mit dem tendenziell schweren Thema Altersvorsorge zu beschäftigen. Weil sie weniger Geld für Reisen oder den privaten Konsum ausgeben konnten, war bei vielen sogar der finanzielle Spielraum für das Thema Altersvorsorge da, der vorher gefehlt hatte.

Gewöhnen müssen sich die Kunden allerdings daran, dass das Produkt, das heute unter dem Namen Lebensversicherung angeboten wird, in vielem nicht mehr mit dem von früher vergleichbar ist. Die klassische Variante mit Garantiezins dürfte spätestens in einem Jahr vom Markt verschwinden, wenn die garantierte Verzinsung von aktuell 0,9 Prozent auf kaum mehr wahrnehmbare 0,25 Prozent sinken soll. Dorthin geht jedenfalls der Vorschlag der Versicherungsmathematiker.

An diese Stelle werden dann Produkte treten, die keine Garantie mehr bieten. Dafür gibt es ein breiteres Anlagespektrum und damit die Aussicht auf eine höhere Rendite. In einem nächsten Schritt garantieren diese Policen nicht mal mehr das eingezahlte Kapital, sondern je nach Variante nur 90, 80 oder gar 60 Prozent davon.

Abkehr von Lebensversicherung?

Die Lebensversicherung in der bisherigen Form wird damit zum Auslaufmodell und lebt trotzdem in neuen Varianten weiter. Denn dass sich die Deutschen von ihrem liebsten Anlageprodukt der vergangenen Jahre abwenden, ist nicht zu erwarten.

Natürlich locken kostengünstigere Produkte, beispielsweise Sparpläne auf Indexfonds. Einen Todesfallschutz wie die Lebensversicherung enthalten sie jedoch nicht. Folglich müsste für eine Absicherung über Indexfonds zusätzlich eine Risiko-Lebensversicherung abgeschlossen werden.

Sonst verliert die Familie im Todesfall nicht nur einen lieben Angehörigen, sondern muss auch mit den deutlich geringeren Leistungen aus dem bis dato angesparten Fonds leben. Eine Risiko-Lebensversicherung zur Absicherung schlägt gewöhnlich aber mit einem niedrigen dreistelligen Betrag im Monat zu Buche.

Wer es sich zutraut, kann auch selbst am Aktienmarkt spekulieren. Dann muss er aber auch die Schmerzen bei einem Kurseinbruch ertragen. Gerade zum Jahreswechsel 2020, da die Aktienindizes trotz weltweiter Pandemie Rekordstände erreicht haben, ist diese Gefahr real.

Zur Erinnerung: Wer im Börsenboom der Jahrtausendwende einen grundsoliden Wert wie die Allianz kaufte, besitzt 20 Jahre später Aktien, die nur die Hälfte von damals wert sind. Ganz zu schweigen von Unternehmen wie Hypo Real Estate oder gar Wirecard, in die auch so manche Altersvorsorge geflossen ist.

Sicherheit in der Geldanlage stand bei den Deutschen schon immer weit oben. Dafür sind sie auch bereit, auf Rendite zu verzichten. Gerade wenn es um einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten geht.

Jüngerer Generation ist Sicherheit wichtig

Die jüngere Generation, die jetzt über ihre Altersvorsorge nachdenkt, unterscheidet sich dabei nicht von der Elterngeneration. Ganz im Gegenteil: Untersuchungen bestätigen, dass ihnen Sicherheit mindestens genauso wichtig ist.

Allerdings sind sie aufgeklärter. Als sogenannte hybride Kunden, die sich vorab online informieren, ehe sie sich anschließend ausführlich beraten lassen, wissen sie heute sehr viel besser über Gebührenfallen und teure Abschlussprovisionen Bescheid. Dass sie Verträge abschließen, bei denen wie bisher bis zu 15 Euro von 100 Euro Beitragszahlungen an Versicherer und Vertrieb fließen, wird so unwahrscheinlicher.

Die Lebensversicherer müssen aber nicht nur ihre Kosten in den Griff bekommen. Genauso entscheidend ist, dass die heute theoretische Variante, dass ein Kunde in drei Jahrzehnten nicht mehr das erhält, was er so lange eingezahlt hat, niemals Wirklichkeit wird. Die Chancen dazu sind gut, investieren die Versicherer heute stark in langlaufende Infrastrukturprodukte. Damit lassen sich im Moment teils noch zweistellige Renditen erwirtschaften.

Wer künftig eine Lebensversicherung abschließt, hat keine Zins- und Kapitalgarantie mehr. Er investiert auch immer weniger in sichere, aber zinslose Staatsanleihen. Seine Altersvorsorge hängt stattdessen mehr an Energieparks, Versorgungsnetzen, Aktien, verbrieften Krediten und Immobilien. Das kann die bessere Wahl sein. Eine Antwort darauf gibt es allerdings erst bei Ablauf des Vertrags Mitte des Jahrhunderts. Bis dahin trägt der Kunde einen deutlich größeren Teil des Risikos als bisher.

Mehr: Lesen Sie hier, auf welche Alternativen Sparer anstelle der Lebensversicherung setzen sollten

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